Immaterielles Kulturerbe
Es fehlt an Strahlkraft
Von der Brieftaube über den Ostfriesentee bis zum Weinbau: Die deutsche Liste des immateriellen Unesco-Kulturerbes ist vielfältig. Aber was bringt das Kulturerbe-Siegel?
Die Liste des deutschen immateriellen Kulturerbes ist ein bunter Flickenteppich: Das Kasperletheater findet sich dort ebenso wie das Brieftaubenwesen und die ostfriesische Teekultur. Das Niedersächsische Ministerium für Wissenschaft und Kultur (MWK) hat nun die Vorschläge für die nächste Erweiterung der Liste unterbreitet. Vorschläge, die Fragen aufwerfen: Was hebt die Ostfriesische Landschaft so signifikant ab von der Calenberg-Grubenhagenschen Landschaft oder von der Landschaft des ehemaligen Fürstentums Osnabrück? Und was ist eigentlich Paramentik, der zweite Vorschlag des MWK?
Bei Letzterem handelt es sich um die „Tradition der Textilkunst und Fertigung von liturgischen Gewändern für Kirchenräume in den Farben des Kirchenjahrs“, heißt es vom MWK. Und da liegt vielleicht die Antwort für das Begehren: Mit dem Kulturerbe-Siegel soll bewahrt werden, was gefährdet ist. Womöglich hat die Paramentenwerkstatt in Helmstedt ihren Antrag eingereicht, weil sie eine schwindende Nachfrage nach liturgischem Outfit fürchtet.
Doch das Kulturerbe-Siegel hat eingeschränkte Strahlkraft; es verhindert keine Etatkürzungen bei Theatern und Stellenabbau bei Orchestern. Auch der Paramentenwerkstatt in Helmstedt würden regelmäßige Zuwendungen des MWK vermutlich mehr helfen als der Status als immaterielles Kulturerbe.