Osnabrück

Netflix mit Werbung? Immer noch besser als Fernsehen

Sven Stahmann
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Von Sven Stahmann
| 20.04.2022 19:21 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Um alle beliebten Serien und Filme zu schauen, benötigt man Abos bei mehreren Streaming-Anbietern. Foto: IMAGO/Thomas Trutschel/photothek.de
Um alle beliebten Serien und Filme zu schauen, benötigt man Abos bei mehreren Streaming-Anbietern. Foto: IMAGO/Thomas Trutschel/photothek.de
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Netflix hat erstmals seit gut zehn Jahren mehr Nutzer verloren als gewonnen. Die Börsen sind alarmiert. Der US-Konzern will gegensteuern und unter anderem ein vergünstigtes Abo mit Werbung einführen. Kann das funktionieren?

Für Netflix wird es höchste Zeit für Veränderungen: Jahrelang hat sich das Unternehmen auf seinem Erfolg ausgeruht. Jetzt, wo die Konkurrenz stärker wird, müssen sie sich mehr einfallen lassen. Wie Disney Plus kündigt daher nun auch der Branchenprimus Netflix an, fortan ein günstigeres Streaming-Abo mit Werbung anzubieten. 

Statista-Grafik zeigt, dass 2022 die Nutzerzahlen von Netflix sinken.

Aber mit Werbung neue Kunden anlocken? Fernsehwerbung nervt doch. Doch was noch mehr nervt als die Werbung im Fernsehen ist die Unflexibilität des Mediums. Grundsätzlich hat Streaming genau da einen riesigen Vorteil: Verbraucher können jederzeit auswählen, wo und wann sie welche Serie oder welchen Film schauen. Da stört dann auch eine kurze Werbung nicht besonders stark. 

Ein viel größeres Problem ist die Bandbreite an Anbietern, nicht nur für Netflix wegen der wachsenden Konkurrenz, sondern auch für viele Verbraucher. Wer die neueste Staffel der angesagten Serie Stranger Things nicht verpassen will, braucht ein Netflix-Abo. Dagegen ist der Oscar-prämierte Film Coda nur auf Apple TV Plus zu sehen. Zahlreiche Kunden benötigen also mehr als nur ein Abo, um alles zu sehen, was sie interessiert. 

Bei der aktuellen Inflation könnten günstigere Abo-Varianten mit Werbung gelegen kommen und auch neue Kunden ansprechen. Streaming-Anbieter sollten damit rechnen, dass Verbraucher wegen der steigenden Lebenshaltungskosten genauer darauf achten, für was sie Geld ausgeben. Da wird dann mal schnell ein Abo gekündigt, damit nicht auf andere Dinge verzichtet werden muss, um über die Runden zu kommen.

Auf bereits bestehende Netflix-Kunden kommt auch noch zu, dass das Unternehmen Kontrollen einführen möchte, damit eine Konto-Teilung nicht einfach so in mehreren Haushalten möglich ist. Netflix schätzt, dass rund 100 Millionen Haushalte weltweit den Streaming-Service nutzen, ohne zu zahlen. Das Teilen des Abos mit einem anderen Haushalt soll dann nur mit Zuzahlung möglich sein. 

Der Branchenprimus kann durch diese Reformen die Konkurrenz auf Abstand halten. Der Börsenrutsch sollte Netflix aber eine Warnung sein.

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