Osnabrück
Linkspartei in der Krise: Ein Rücktritt ist nicht genug
Nach nur einem Jahr und zwei Monaten an der Spitze der Linken tritt deren Co-Chefin, Susanne Hennig-Wellsow, zurück. Das ist konsequent - aber nicht ausreichend.
Ein Rücktritt ist nicht genug. Wenn Susanne Hennig-Wellsow als Bundesvorsitzende der Linkspartei zurücktritt, dann muss auch die Co-Vorsitzende Janine Wissler gehen. Zusammen sind sie angetreten, für einen Neuanfang bei den Linken zu sorgen. Und zusammen sind sie krachend gescheitert.
Weder haben die beiden die für Führungspolitiker notwendige Strahlkraft entwickelt, noch ist es ihnen gelungen, Brücken zwischen den Parteiflügeln zu bauen. Hennig-Wellsow leistete sich zudem peinliche Patzer, etwa als sie nach Auslandseinsätzen der Bundeswehr befragt wurde. Und Wisslers Name fällt aktuell im Zusammenhang mit mutmaßlichen sexuellen Übergriffen in der hessischen Landespartei, in der sie lange Zeit eine führende Rolle innehatte. Hat sie zu wenig unternommen gegen „toxische Machokultur“?
Das Kernproblem der Linken bleibt indessen ihre Uneinigkeit. Die Blamage bei der Bundestagswahl und zuletzt das Debakel bei der Saarlandwahl haben einmal mehr bestätigt: Zerstrittene Parteien werden nicht gewählt. Doch ein Ende der Streitereien ist nicht in Sicht. Unter anderem an Sahra Wagenknecht und ihrer Abrechnung mit den „Lifestyle-Linken“ scheiden sich die Geister in der einstigen Arbeiterpartei, die nicht recht weiß, wohin und was sie will.
Für die Zukunft bedeutet dies nichts Gutes. Drei Landtagswahlen stehen in diesem Jahr noch an. Und man muss kein Prophet sein, um weitere Wahldebakel vorherzusagen. In einzelnen Umfragen rangieren die Linken schon unter „Ferner liefen“.
Wer könnte den Karren wieder aus dem Dreck ziehen? Es braucht jemanden mit Biss und Überzeugungskraft, hinter den sich die Genossen scharen können. Jan Korte ist so ein Mann. Der parlamentarische Geschäftsführer der Bundestagsfraktion war schon mehrfach für höhere Aufgaben im Gespräch. Jetzt könnte er zu einem der letzten Hoffnungsträger der Linken werden – oder es schlägt die Stunde der Partei und sie fällt endgültig in die Bedeutungslosigkeit.