Ostseebad Dierhagen
„Lange genug angesehen“: In diesem Restaurant haben Kinder jetzt Hausverbot
Kinder im Restaurant sind eine Selbstverständlichkeit. Allerdings nicht im „Schipperhus“ im Ostseebad Dierhagen. Die Besitzer bewirten keine Familien mehr mit Kindern unter zwölf Jahren. Die Wirtin liefert diesem drastischen Entschluss eine Erklärung mit deutlichen Worten mit.
Ob sie sich damit wirklich einen Gefallen getan haben? Die Betreiber des Restaurants „Schipperhus“ im Ostseebad Dierhagen haben ab sofort ein Hausverbot für Kinder erteilt. Damit ernten sie massive Kritik in den sozialen Medien und die Google-Bewertungen fallen in den Keller. Inhaberin Ricarda Biebl lieferte im Gespräch mit der „Bild am Sonntag“ eine Erklärung für diesen fragwürdigen Schritt - die Kritik nimmt jedoch nicht ab.
„Liebe Gäste, aufgrund vieler unschöner Ereignisse in der Vergangenheit haben wir uns dazu entschlossen, keine Familien mit Kindern unter 12 Jahren mehr zu bewirten.“ Diese Information hängt im Schaukasten des Restaurants aus. - eine klare Ansage. Und doch fragt man sich, was genau dahinter steckt. „Ich hatte große Angst vor diesem Schritt – obwohl Hotels für Erwachsene oder Spa-Bereiche ab 16 Jahren das Normalste der Welt sind. Das große Problem sind nicht die Kinder – sondern die Eltern“, erklärt Biebl. „Es gibt nur noch wenige, die sich wirklich um die Erziehung ihrer Kinder bemühen. Die meisten saßen hier und guckten ins Telefon, während ihre Kinder schreiend durchs Lokal rannten.“ Eine Erklärung samt Verallgemeinerung, die im Internet weiter für Unverständnis sorgt.
„Kinder auszuschließen und so laut zu heulen, sie haben den Beruf absolut verfehlt!“ oder „Keine gute Lokalität, wenn Kinder ausgeschlossen werden. Wenn man solchen Problemen nur durch Verbote begegnen kann, dann sagt das viel über die Betreiber aus. Mitmenschlichkeit und Kundenservice geht anders“, sind nur zwei von schier unzähligen negativen Bewertungen, die mittlerweile auf Google eingebracht worden. Die massive Kritik geht an Biebl und ihrem Mann Stefan Biebl-Piesker nicht spurlos vorbei. Man werde als Rassisten und Kinderhasser beschimpft.
Das „Schipperhus“ sei im Ort nicht das einzige Restaurant, dass eine solche Regelung anwenden würde. „Aber die gehen der Konfrontation aus dem Weg. Sie sagen lieber, es sei alles ausgebucht, wenn eine Familie mit kleinen Kindern nach einem langen Strandtag zu Abend essen will“, erklärt Biebl.
Die Wirtin erinnere sich an einen Vorfall, der ihren Entschluss, Kindern Hausverbot zu erteilen, bekräftige: „Wir waren ausgebucht. Stammgäste saßen an einem Tisch neben einem Ehepaar aus München. Er war Arzt, um die 50. Sein Kind war drei. Nachdem es mit Buntstiften unsere Wände voll gemalt hatte, lief es barfuß mit sandigen Beinen den Tisch rauf und runter und schmiss Nudeln mit Tomatensoße gegen die Wand.“ Auf die Bitte, man solle das Kind beruhigen, hätten die Eltern mit wüsten Beschimpfungen reagiert.
„Das habe ich mir lange genug angesehen“, betont Biebl, sodass sie keinen anderen Ausweg mehr sah, Kindern unter zwölf Jahren Hausverbot zu erteilen. In den vergangenen Wochen hätten sich aufgrund der angeblichen Störungen durch Minderjährige viele Stammgäste vom „Schipperhus“ abgewandt. Die Stammgäste, offenbar ohne Kinder im Schlepptau, werden künftig also ihre gewünschte Ruhe haben. Übrigens: Die Wirte haben selbst auch vier Kinder.