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Steuern gesenkt: Auf zum billigen Sprit in den Niederlanden?
Die Spritpreise sind noch immer hoch, die Straßen voller als üblich: Die Niederlande haben die Steuern auf Sprit gesenkt. Lohnt sich eine Fahrt ins Nachbarland? Und wollen Ostfriesen überhaupt sparen?
Rheiderland/Niederlande - Es sind nur drei Minuten und drei Kilometer Fahrt von Tankstellen in Bunde bis zur nächsten Säule in Bad Neuschanz. Für Rheiderländer könnte sich eine Fahrt in die Niederlande für günstigeren Sprit besonders lohnen – sind sie doch so nah. Auch andere, die beim feinen Frühlingswetter einen Ausflug planen, könnten das mit dem Praktischen verbinden und den Tank befüllen.
Was und warum
Darum geht es: Teurer Sprit, volle Straßen: Die Niederlande haben die Steuern gesenkt, wir schauen, ob sich eine Fahrt lohnt.
Vor allem interessant für: Autofahrerinnen und -fahrer
Deshalb berichten wir: Viele belasten die hohen Preise an der Tankstelle. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Lange war es gang und gäbe, dass man im Nachbarland sehr günstig Diesel tanken konnte. Nun haben die Niederlande doch gerade die Steuern auf Sprit gesenkt: Lohnt es sich also wieder?
Preise für Benzin und Diesel im Vergleich
Die niederländische Regierung hat im Hinblick auf die Rekordpreise an Tankstellen gegengesteuert. Ab dem 1. April wurden die Steuern massiv –um 21 Prozent – gesenkt. Das soll als Spritpreisbremse in den Niederlanden fungieren. Die Maßnahme soll vorerst bis zum Ende des Jahres gelten. Das Gesamtpaket zum Ausgleich der Energiepreise beläuft sich nach Angaben der Regierung auf rund 2,8 Milliarden Euro.
Und dennoch lohnt sich eine Fahrt an die niederländischen Tanksäulen kaum, nicht einmal aus dem nahen Rheiderland. Auch wenn das natürlich an einzelnen Tankstellen zu bestimmten Uhrzeiten anders sein kann, ist es im Durchschnitt nicht lohnenswert, die Fahrt nur des Kraftstoffes wegen anzutreten. Der Allgemeine Deutsche Automobil-Club (ADAC) ermittelt jede Woche einen Schnitt für die Spritpreise. In Deutschland liegt der Preis für einen Liter Diesel demnach bei rund 2,05 Euro, für Super (E10) bezahlt man durchschnittlich 1,99 Euro. In den Niederlanden kostete Diesel 2 Euro, bei der Tinq-Tankstelle in Bad Neuschanz zum Beispiel bei 2,01 Euro. Für Super zahlte man in den Niederlanden durchschnittlich 2,13 Euro (2,25 für Super Plus bei Tinq). Eine Ersparnis im Nachbarland läge also bei durchschnittlichen fünf Cent pro Liter Diesel – also kaum spürbar. Für Super zahlt man sogar mehr.
In anderen Ländern deutlich günstiger
Der Dieselpreis hat sich also dies- und jenseits der Grenze um die zwei Euro eingependelt. Diese Marke hatte allerdings noch Mitte März zu einem wahren Ansturm auf die Tinq-Tankstelle in Bad Neuschanz geführt. Die Nachricht von Diesel für rund zwei Euro hatte sich so schnell verbreitet, dass alle Reserven in kurzer Zeit aufgebraucht und die Tankstelle leergekauft war. In Bunde zum Beispiel hatte der Preis für einen Liter Diesel derzeit rund 35 Cent höher gelegen. In Moormerland führte nur wenige Tage später eine Fehlfunktion an einer Tankstelle zu Verkehrschaos: Diesel kostete kurze Zeit nur 1,22 Euro.
Davon kann man derzeit nur träumen: Die Diesel- und Benzinpreise sinken zwar wieder, die Kraftstoffpreise hält der ADAC aber weiterhin für überhöht. Die Kraftstoffpreise seien nicht im gleichen Maß gesunken wie die Rohölpreise – zum Nachteil der Verbraucher, teilte der Autoclub mit. Dies zeige der Vergleich mit dem 1. März. Damals seien die Rohölnotierungen auf ähnlich hohem Niveau wie heute, ebenso der Euro-Dollar-Kurs. Es sei aber schwierig vorherzusagen, wie sich die Preise in den kommenden Wochen und Monaten entwickele.
Viel fahren, viel sparen
Gerade jetzt, während der sogenannten „Driving Season“, könnte das weitere Sinken der Preise auf sich warten lassen. Zu deutsch bedeutet „Driving Season“ so etwas wie „Zeit des Fahrens“. So nennt man nach Bericht der Tagesschau die Zeit des Jahres von vor Ostern bis Pfingsten mit deutlich mehr Autos auf den Straßen als sonst. Auch in der Region: Verschärft wurde die Situation am Osterwochenende sicherlich durch Baustellen, aber von Weener nach Leer staute es sich ebenso wie auf der Autobahn 31.
Wenn viel gefahren wird, steigen oft auch die Spritpreise. Davon gehe man zwar nicht aus, weil die Preise ohnehin nach dem Angriff Russlands auf die Ukraine einen Höchstwert erreicht haben, aber wegen der „Driving Season“ könnten die Preise auf einem höheren Niveau verbleiben, berichtet die Tagesschau. Es gibt allerdings Wege Sprit und damit zumindest ein wenig Geld zu sparen. Eine Umfrage dieser Zeitung in dem sozialen Medium Instagram ergab, dass ein großer Teil der Befragten diese auch nutzt. Die meisten sparen sogar radikal: 200 Nutzer gaben an, ihr Auto derzeit öfter einfach komplett stehen zu lassen (40 Prozent der abgegebenen Stimmen). Jeder Dritte fährt laut Umfrage spritsparender beziehungsweise vorausschauender (164 Stimmen). 16 Prozent belassen alles beim Alten und nur 12 Prozent gaben an, dass sie aus Prinzip kein Sprit sparen wollen (80 und 58 Stimmen). Neben der Fahrweise kann auch das Tanken bares Geld sparen. Laut aktueller ADAC-Studie sollte man die Preisunterschiede im Tagesverlauf beachten. Am günstigsten ist Kraftstoff in der Regel zwischen 18 und 19 sowie zwischen 20 und 22 Uhr.