Berlin

„Literarisches Quartett“ kriegt U21-Ausgabe mit Thea Dorn

Susanne Haverkamp
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Von Susanne Haverkamp
| 18.04.2022 13:51 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Thea Dorn moderiert eine U21-Ausgabe vom Literarischen Quartett. Foto: imago-images/C. Hardt/FutureImage
Thea Dorn moderiert eine U21-Ausgabe vom Literarischen Quartett. Foto: imago-images/C. Hardt/FutureImage
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Arte und ZDF zeigen eine U21-Version vom Literarischen Quartett. Sie ist Teil eine Schwerpunkt zu Depression und Jugend, zu dem auch der Mysters-Thriller „Geheime Schatten“ gehört.

Es ist eine interessante Kombination, die dieser Programmschwerpunkt bietet: ZDF und Kika, Mystery-Drama und Literarisches Quartett, Welttag des Buches und Depressionen bei Kindern. 

Angefangen hat es wie so vieles mit Corona. „Als die ersten Studien veröffentlicht wurden, dass durch den Lockdown vermehrt Kinder unter Gewalterfahrungen in der Familie leiden, haben wir zu dem Thema einen kurzen Spielfilm gemacht“, sagt Michael Stumpf, Leiter der Hauptredaktion Kinder und Jugend beim ZDF. „Gerade, wenn es keine Protagonisten gibt, die über ihre echten Gewalterfahrungen sprechen wollen, ist das Fiktionale eine Möglichkeit, das Thema besprechbar zu machen.“

Der neue Film „Geheime Schatten“ geht einen ähnlichen Weg. „Wir haben die Form des Mystery-Dramas gewählt, um dieses ungute Gefühl zu vermitteln“, sagt Stumpf. „Dieses Gefühl, das da etwas ist, etwas Dunkles, Schweres, das man aber nicht genau benennen kann, das irgendwie im Ungewissen bleibt“, sagt Stumpf.

Der zwölfjährige Nick (Aaron Sansi) kennt dieses Gefühl. „Manchmal ist es schon beim Aufstehen so, als hätte ich überall Steine“, so beschreibt er es gegen Ende des Films, als er mit seiner geheimnisvollen Freundin Leni (Amelie Klein) endlich darüber reden kann und man als Zuschauer beginnt zu begreifen: Aha, es geht um Depressionen. „Der Film soll nicht lehrhaft daher kommen und nicht eindeutig sein“, sagt Michael Stumpf. Er solle mehr zum Gespräch einladen, egal ob in der Familie oder in der Schule. „Über Depressionen sprechen – dabei hilft so ein fiktionales Format vielleicht mehr als eine Dokumentation.“

Und damit ist die Verbindung zur Literatur hergestellt. „Auch die Literatur kann das“, sagt Anne Reidt, Leiterin der Hauptabteilung Kultur. „Sie kann dabei helfen, sich mit schwierigen Themen auseinanderzusetzen, indem man durch eine Geschichte einen Weg mitgeht und dadurch eine andere Haltung gewinnt.“

Literatur, sagt Reidt, könne helfen „die Seelenmuskultur zu stärken“. Damit greift sie einen Begriff von Thea Dorn auf, die die Brücke zum Literarischen Quartett ist.  Denn die Moderatorin dieser Sendung hat 2021 den Roman. „Trost. Briefe an Max“ geschrieben. Darin erzählt sie von einer jungen Frau, deren Mutter in der ersten Corona-Welle gestorben ist – und von ihrer Trauer, Wut und Empörung. „Thea Dorn hat darüber in einem hessischen Gymnasium mit Schülern diskutiert und daraus ist die Idee entstanden, ein Literarisches Quartett mit jungen Lesern zu machen“, sagt Reidt.

60 Jugendliche und junge Erwachsene hätten sich mit einem Video für einen Platz in der Diskussionsrunde beworben, erzählt Daniel Fiedler, der als Redakteur für das Literarische Quartett zuständig ist. „Es waren tolle Bewerbungen dabei und die Auswahl war schwierig.“ Drei junge Leute im Alter von 16, 18 und 21 Jahren sind es geworden, die nun mit Thea Dorn über Bücher diskutieren.

„Das Setting ist ganz klassisch wie im großen Quartett“, sagt Fiedler. „Jeder bringt ein Buch mit – nur, dass es anders als sonst keine Neuerscheinung sein muss.“ Es muss auch nicht um Depressionen gehen, aber doch um schwierige Lebensthemen. Einen Tag vor der Aufzeichnung lernen sich alle schon einmal kennen, „um ein bisschen warmzuwerden, schließlich sind es keine Kameraprofis“, sagt Fiedler. Und dann geht es los, im Studio vor Publikum, und Stumpf, Reidt und Fiedler sind sich einig: „Wir sind alle total gespannt, wie es wird.“

Analog ausgestrahlt wird die ungewöhnliche Kombination zweimal: Am Samstagvormittag, 23. April, ab 9.10 Uhr im ZDF im Dreierpack von „pur+“ zum Thema Jugendpsychiatrie, dem Film „Geheime Schatten“ und dem „Literarisches Quartett U21“. Und am Sonntagabend ab 19.50 Uhr im Kika ohne Literarisches Quartett, aber mit einem abschließenden „Kummerkasten“. Natürlich gibt es alles auch digital in der ZDF-Mediathek und die „Geheimen Schatten“ zudem auf Youtube.

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