Osnabrück
Schwuler Vollblut-Vater: So lebt Serienstar Tom Keune privat
In der ARD-Serie „All You Need“ spielt Tom Keune einen schwulen Rugbytrainer, im wirklichen Leben ist er ein schwuler Familienvater. Ein Gespräch.
Tom Keune ist ein zweifellos ein vielbeschäftigter Mann. In der TV-Reihe „Die Eifelpraxis“ etwa spielt der Wahlberliner seit 2016 einen Polizisten, daneben war er im „Tatort“, „Polizeiruf 110“; verschiedenen „SOKO“-Folgen und im Kino in „Der letzte Mieter“ oder in „Catweazle“ zu sehen. Nun übernahm er die Rolle des queeren Rugbytrainers Andreas in der zweiten Staffel von „All You Need“. Eine flott erzählte, zu Recht hochgelobte „Dramedy“-Serie um die Liebesbeziehungen und Leben verschiedener Großstadtschwuler. Es ist übrigens das erste Mal, dass Tom Keune, der bislang eher „heteronormative Charaktere“ darstellte, eine schwule Person spielt.
Wir sprachen mit Tom Keune, nachdem er sich in der im Februar 2021 gestarteten „#actout“-Kampagne des „Süddeutschen Zeitung-Magazins“ präsentierte. Eine Aktion, in der 185 Menschen im Medienbereich sich als schwul, lesbisch, bi, trans*, nicht binär oder queer vorstellten, um damit in der Gesellschaft und der Branche für mehr Akzeptanz und Sichtbarkeit zu werben. Darunter waren auch Prominente wie Maren Kroymann, Ulrike Folkerts, Jaeckie Schwartz oder Ulrich Matthes.
Doch auch privat geht es bei Tom Keune bunt zu: Als „schwuler Vollblutvater“ (so seine Agentur) erzieht er drei Kinder zwischen drei und sieben Jahren; seine Tochter und zwei Söhne haben ihren Lebensmittelpunkt zwar bei einem befreundeten Lesbenpaar, sind aber auch bei ihm „zwei- bis dreimal die Woche.“
Und: „Der Grund, mich bei #actout zu beteiligen war unter anderem, dass ich für uns im täglichen Leben so gut wie keine Probleme sehe. Weder bei der Kita, noch bei der Schule, bei den Behörden oder im sonstigen Umfeld, treffen wir auf eine gesonderte Behandlung oder Ablehnung. Vielleicht zum Glück.“
Über seine Rolle in „All You Need“ sagt er: „Ich habe meine Familienkonstellation in ihrer Normalität im Fernsehen allerdings noch nie gesehen. Insofern bin ich froh, dass wir mit ‚All You Need‘ mal Geschichten von anderen Beziehungskonstellationen erzählen können, ohne sie per se zu problematisieren.“ Auf die Frage, ob die Darstellung einer Regenbogenfamilie wie seiner auch in einer Serie wie „All You Need“ vorkommen könnte, antwortet er, dass das „ein Feld wäre, das möglich wäre“ Denn: „Je breiter man das homosexuelle Leben zeigt, umso schwerer haben es die Leute zu sagen: ‚Oh ja, so sind die.‘“
Allerdings wendet er sich gegen das nun oft geforderte „type casting“, nachdem Minoritäten nur von Mitgliedern dieser Community gespielt werden dürfen: „Ich persönlich finde es übrigens nicht reizvoll, mein privates Leben schauspielerisch zu reproduzieren. Für mich ist es vor allem wichtig, dass Geschichten nicht auf Klischees beruhen. Und wer das letztlich spielt, ist mir persönlich egal.“
Hat er denn mal selbst erlebt, dass die gelebte Homosexualität zu einem Rollenausschluss geführt hat? „Oh je! Das weiß man ja oft nicht. Ich denke, dass da ab und zu Türen zugehen. Ich selbst bin aber auch in einer besseren Situation als andere Kolleg*innen. Ich weiß, dass manche, die im muslimischen Glaubensbereich leben oder die sich beispielsweise als Trans* oder nicht-binär identifizieren, mit ihrem Coming-Out grundsätzlich auf ganz andere Probleme stoßen als ich.“ Oder eben auf bestimmte Rollenklischees reduziert werden. Da dürfen Trans*menschen nur Trans*menschen spielen – und leider nicht anderes.
Von der Branche und den Kollegen her hat er bislang nur positive Resonanz auf sein öffentliches Coming-Out erhalten. Tom Keune merkt, „dass ein wirkliches Interesse da ist. Nach dem Motto: ‚Jetzt können wir offen drüber reden oder Fragen stellen‘.“ Und er denkt gerne an die Dreharbeiten zu „All you Need“ zurück: „Es war für alle ein ‚safe space‘.“ Und, „egal welche Beeinträchtigung, sexuelle Orientierung oder Identität etc.– sie alle wurden vom Team unterstützt. Das ist etwas, wo wir alle gesellschaftlich hinkommen sollten.“
Sendetermin: „All You Need“, ab 22. April in der ARD-Mediathek, ab 27. 4. auch im linearen Fernsehen.