Blick ins alte Emden

Autofreie Innenstadt ist in Emden ein Dauerthema

Nina Harms
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Von Nina Harms
| 18.04.2022 13:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
„Eine autofreie Innenstadt wird es nicht geben. Allerdings sollen die Belange für Radfahrer und Fußgänger stärker berücksichtigt werden“, heißt es 1994 unter einem in dieser Zeitung veröffentlichten Bild. Die Diskussionen von damals und heute ähneln sich. Foto: Archiv
„Eine autofreie Innenstadt wird es nicht geben. Allerdings sollen die Belange für Radfahrer und Fußgänger stärker berücksichtigt werden“, heißt es 1994 unter einem in dieser Zeitung veröffentlichten Bild. Die Diskussionen von damals und heute ähneln sich. Foto: Archiv
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Soll die Neutorstraße für den Autoverkehr gesperrt werden oder nicht? Die Frage ist längst nicht neu. Bereits 1994 wurde darüber im Rat diskutiert – und ein Gutachten in Auftrag gegeben.

Emden - Wie sieht die Verkehrsführung in den kommenden Jahren in Emden aus? Sollen die Innenstadt autofrei, der Radverkehr ausgebaut und die Belange der Fußgänger stärker berücksichtigt werden? Die Fragen, die aktuell in Emden diskutiert werden, sind keineswegs neu. Ein Blick ins Archiv zeigt, dass bereits 1994 genau darüber im Emder Rat diskutiert wurde. In der Serie „Blick ins alte Emden“ schauen wir auf das damals erstellte Gutachten eines Hamburger Ingenieurbüros sowie auf die politische Diskussion darüber zurück.

Gutachten: Neutorstraße nicht für den Verkehr sperren

Bereits 1991 hatte der Rat der Stadt Emden ein Gutachten zur „Verkehrsleitplanung in der City innerhalb des Wallrings“ in Auftrag gegeben. Den Zuschlag erhielt damals das Hamburger Ingenieurbüro Heusch/Boesefeldt. Kostenpunkt: 37.000 Deutsche Mark. Das Büro kam damals zu dem Schluss, die Neutorstraße nicht für den Verkehr zu sperren, dafür aber vier Straßen als Fußgängerstraßen auszubauen. Angedacht waren die Große Straße, der Alte Markt, die Straße Zwischen beiden Märkten sowie die Nordseite des Neuen Marktes.

Allerdings befasst sich das Gutachten auch ganz allgemein mit den Verkehrswegen in der Innenstadt und mit Problemen, die es an diversen Stellen vor allem für Fußgänger Mitte der 1990er Jahre gab. So seien Fußgänger an einigen Stellen zu Umwegen gezwungen. „Der Appingagang besteht aus zwei nahezu aneinanderstoßende Sackgassen, die auch für Fußgänger keine Verbindung aufweisen“, heißt es in der Studie. Gegenüber des Rathauses gebe es an der Ampel nur für Radfahrer, nicht aber für Fußgänger eine Überquerungsmöglichkeit über den Rathausplatz in Höhe der Neutorstraße.

Lärm und Abgase stören Aufenthaltsqualität

Zur Aufenthaltsqualität in der Innenstadt heißt es: „Die Straße Katergang ist umschlossen von den für die Fußgänger gut gestalteten Bereichen Neuer Markt, Zwischen beiden Sielen, Alter Markt/Am Stadtgarten und Neutorstraße. Zu allen genannten Bereichen bestehen Fußwegverbindungen. Die gesamte Straße ist jedoch gestalterisch nicht in die Umgebung eingebunden.“ Eine weitere Erkenntnis, die mit Blick auf die Pottgießerstraße auch heute aktuell ist: „Die Verbindung der beiden Fußgängerbereiche Große Straße und Neuer Markt über die Straße Alter Markt, Zwischen beiden Märkten und Pottgießerstraße bietet sich für eine fußgängergerechte Gestaltung an.“

Beeinträchtigungen für Fußgänger durch Lärm und Abgase würden vor allem in der Neutorstraße in Höhe des Kaufhallengebäudes (heute Neutorarkaden, Anmerkung der Redaktion) entstehen.

Als weitere „störende Punkte im Straßennetz“ zählt das Gutachten die Ringstraße sowie die Nesserlander Straße auf. In Spitzenzeiten staue sich dort regelmäßig der Verkehr, heißt es.

Die politische Bewertung

Der Ausschuss für Stadtentwicklung und Verkehr des Emder Rates nahm das 1994 fertiggestellte Gutachten zur Kenntnis. Es bringe „keine revolutionären Neuheiten“, wird der damalige Stadtbaurat Jan Röttgers in einem Bericht über die Ausschusssitzung in dieser Zeitung zitiert. Das Gutachten spreche sich weder für eine „total autofreie Stadt, aber auch nicht für das Gegenteil aus“, so seine Feststellung in der Sitzung im Mai 1994. Vielmehr seien programmatische Lösungen vorgelegt worden in Zeiten knapper Haushaltsmittel.

Als Erkenntnis aus dem Gutachten und als oberste Ziele nennt die Politik vor fast 30 Jahren schließlich die Verkehrssicherheit, die Verbesserung der Verkehrsabwicklung, die Förderung des Wirtschaftsstandortes und die Verbesserung der Umweltqualität. Fußgängerbereiche sollen erweitert, das Radwegenetz verbessert und mehr Tempo-30-Zonen angelegt werden. Vor allem der Lkw-Verkehr soll aus der Innenstadt verschwinden und um die Stadt herumgeführt werden. Und nicht zuletzt soll es ein Parkkonzept geben. Würde man nicht genau auf die Jahreszahl achten - man könnte meinen, die Diskussion fände in der Gegenwart statt.

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