Verkehrssicherheit
Hier wird es für Radfahrer in Leer brenzlig
Im Gebiet der Polizeiinspektion Leer/Emden sind die Unfälle mit Radfahrern gestiegen. Doch was sind Ursachen für solche Unfälle und wo könnte es für Fahrradfahrer in Leer gefährlich werden?
Leer/Landkreis Leer/Emden - Ostfriesen fahren gerne Fahrrad. Das ist soweit erstmal nichts neues. Allerdings steigt die Zahl der Unfälle, an denen Fahrradfahrer beteiligt sind. Das geht aus der Verkehrsunfall-Statistik hervor, die die Polizeiinspektion (PI) Leer/Emden Anfang April rausgegeben hat.
Was und warum
Darum geht es: Gefährliche Stellen für Radfahrer in Leer
Vor allem interessant für: Menschen, die mit dem Rad in Leer unterwegs sind und Fahrradfahrer allgemein
Deshalb berichten wir: In der aktuellen Verkehrsunfall-Statistik der Polizeiinspektion Leer/Emden wurden mehr Unfälle mit Radbeteiligung festgestellt. Die Autorin erreichen Sie unter: d.hoppe@zgo.de
Doch was sind mögliche Ursachen für Radunfälle? Gundela Fink-Trudrung, Vorsitzende des Allgemeinen Deutschen Fahrrad-Clubs (ADFC) der Ortsgruppe Leer, und Polizeihauptkommissarin Svenia Temmen von der PI Leer/Emden haben einige Problematiken erklärt. Dazu haben sie fünf Beispiel-Punkte in der Stadt Leer festgemacht.
1. Kreuzung Heisfelderstraße/Christine-Charlotten-Straße
Der Gehweg am Friedhof an der Heisfelderstraße ist für Fahrradfahrer freigegeben. Das suggeriere falsche Sicherheit, findet Fink-Trudrung. „Radfahrer müssen hier Schrittgeschwindigkeit fahren und haben keine eingebaute Vorfahrt“, weiß sie. Das sei besonders an der Kreuzung mit der Christine-Charlotten-Straße ein Problem. Viele Fahrradfahrer würden diese überqueren, ohne zu schauen. Das gelte jedoch für alle Bürgersteige, auf denen Radfahrer freie Fahrt hätten. „Viele realisieren nicht, dass sie als Radfahrer vollwertige Teilnehmer im Straßenverkehr sind und sich über Regeln informieren müssen“, sagt Temmen, Sprecherin der Polizei Leer/Emden, dazu.
2. Augustenstraße
Für einen gekennzeichneten Radweg auf der Fahrbahn, ist die Augustenstraße zu schmal. Ein Radweg ist hier aber auch auf dem Bürgersteig „kaum vorhanden“, wie die ADFC-Vorsitzende von Leer es beschreibt. Zusätzlich kämen die dichten Bäume, hinter denen Radfahrer schnell verschwinden und für den Autofahrer unsichtbar würden.
Tatsächlich ist das, was mal auf dem Gehweg als Teil für Radfahrer vorgesehen war, sehr schmal und wird immer wieder von Schotter unterbrochen. Das sei allerdings auch gar nicht mehr als Radweg vorgesehen, so Temmen. Sie weißt auf die Piktogramme auf der Fahrbahn hin und empfiehlt, auf der Straße zu fahren.
3. Kreuzung Friesenstraße/Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße
Wer auf dem Rad unterwegs ist und auf der Friesenstraße Richtung Bahnhof fährt, hat Vorfahrt. Autos, die von der Bürgermeister-Ehrlenholtz-Straße kommen und links auf die Friesenstraße abbiegen möchten, würden das aber oft nicht beachten, so Gundela Fink-Trudrung. Dabei stünden dort sogar Stop-Schilder. „Für mich ist das die gefährlichste Stelle“, erklärt sie. Hauptkommissarin Temmen findet: „Da muss der Autofahrer erst links, dann rechts und nochmal links schauen. So bringen wir das auch Kindern bei.“
4. Papenburger Straße/Ausfahrt von McDonald´s, Action und Autohaus
An der Papenburger Straße gibt es für die Vertreterin des ADFC eine „besondere Gefahrenstelle“: die Ausfahrt des Schnellrestaurants McDonald´s, des Gemischtwarenladens Action und des Autohauses. Hier fahren Radfahrer auf der Seite des Fastfood-Riesen in Richtung Netto. „Viel zu viele fahren hier in die falsche Richtung.“ Dabei gelte in Deutschland das Rechtsfahrgebot – und zwar auch für Radfahrer. Wenn ein Autofahrer von dem Gelände fährt, um rechts abzubiegen, schaue er eher nach links, da er nur von dort Autos und Radfahrer erwarte. Die Polizeisprecherin bezeichnet diesen Punkt ebenfalls als „unübersichtliche Stelle“.
Gegen sogenannte „Geisterradler“ steht an dieser Stelle sogar ein Schild von der Verkehrswacht, das Fahrradfahrer darauf aufmerksam machen soll. Gundela Fink-Trudrung könne durchaus verstehen, dass Menschen, die beispielsweise zum Schnellrestaurant möchten, nicht extra einen Umweg machen wollen. „Aber für beide Richtungen ist der Weg viel zu schmal“, beton sie. Außerdem sei es an der Ausfahrt viel zu gefährlich für Radfahrer.
5. Deichstraße/Auffahrt Stadtring
Auf der Deichstraße haben Radfahrer eigentlich Vorfahrt. Beim Rechtsabbiegen auf die Auffahrt zum Stadtring können sie aber gerade von LKW-Fahrern leicht übersehen werden. „Ich muss mich immer vergewissern, dass ich gesehen werde“, erzählt die ADFC-Expertin. Das sei grundsätzlich bei jeder Straße, wo wer rechts abbiegen wolle und Radfahrer auf der Vorfahrtsstraße sind, der Fall. Svenia Temmen empfiehlt: „Wenn man das als Radfahrer schon ahnt, sollte man die Geschwindigkeit rausnehmen und defensiv fahren. Für die eigene Sicherheit.“ Das sei sehr wichtig, da viele Autofahrer auch noch nicht daran gewöhnt seien, dass insbesondere E-Bikes so schnell sind. „Der Radverkehr wird immer schneller“, stimmt Fink-Trudrung ihr zu.
Fazit der Expertinnen
Es gibt viele Gefahrenpunkte in der Stadt. Nicht umsonst wurde die Kreuzung am Bummert umgebaut, um sie fahrradfreundlicher zu gestalten. „Auf diese Stellen muss man achten“, sagt Polizeisprecherin Temmen zu den fünf Beispiel-Punkten. Allgemein sei es sowohl auf Seiten der Auto- als auch auf Seiten der Radfahrer wichtig, vorausschauend zu fahren.
Dem kann sich die Leeraner ADFC-Vorsitzende anschließen: „Alle Verkehrsteilnehmer sollen aufeinander Rücksicht nehmen, das steht schon in der Straßenverkehrsordnung.“ Grundsätzlich sei sie zudem der Meinung, dass das Fahrrad ein Verkehrsmittel ist und als solches auf die Straße gehöre. Es sei am Sichersten, im Sichtbereich der Autofahrer zu bleiben. „Doch dazu muss so mancher Radfahrer auch seine Ängste überwinden.“