Urlaub
Was sind eigentlich Wahrzeichen?
Der Begriff „Wahrzeichen“ wird mittlerweile sehr inflationär benutzt. Wir haben uns die kuriosen Ursprünge und die schönsten Wahrzeichen in Ostfriesland angeschaut.
Ostfriesland - In Urlaubszeiten wollen viele Menschen Wahrzeichen besichtigen. Die wenigsten wissen aber wohl, woher der Begriff eigentlich kommt und was damit gemeint sein kann. Er leitet sich von dem althochdeutschen Ausdruck „wortzeihhan“ ab, was so viel wie ein Beweis bedeutet. So heißt es im Digitalen Wörterbuch der deutschen Sprache, das von Bund und Ländern gefördert wird. Früher, als es noch normal war, dass Handwerks-Gesellen auf Wanderschaft gingen, also zur Walz, mussten sie in jedem neuen Ort, den sie besuchten, die Wahrzeichen der vorigen Städte aufsagen, um zu beweisen, dass sie dort gewesen waren.
Was und warum
Darum geht es: Die Walz der Gesellen hat etwas mit Wahrzeichen zu tun.
Vor allem interessant für: Menschen, die sich für die ursprüngliche Bedeutung von Wörtern interessieren, Urlaubsgäste in der Region, Touristiker
Deshalb berichten wir: Gefühlt wird alles heutzutage als Wahrzeichen benannt. Wir haben uns gefragt, ob es eigentlich eine offizielle Definition gibt. Die Autorin erreichen Sie unter: m.hanssen@zgo.de
Um 1500 hatte sich das Wort schon zu Wahrzeichen entwickelt und es bedeutete so viel wie ein Zeichen, das Aufmerksamkeit erregt oder verlangt. Auch heute noch steht das Wort für etwas, das charakteristisch für etwas ist, insbesondere als charakteristisches Merkmal einer Stadt oder Landschaft. Wenn sich jemand mit Wahrzeichen auskennen muss, dann sind das heute die Touristiker. Wiebke Leverenz ist Sprecherin der Ostfriesland Tourismus GmbH. „Ein Wahrzeichen muss auf den ersten Blick eine Assoziation mit einer Region oder einem Ort herstellen“, erklärt auch sie. Wahrzeichen könnten beispielsweise Gebäude, Brücken, Leuchttürme aber auch Schiffe sein, meint sie. Auch Denkmale in der Natur können als Wahrzeichen hervorgehoben werden.
Tipps für ein „Mikro-Erlebnis“
Die Assoziation müsse aber stark sein und direkt etwas Konkretes meinen. Sie sagt beispielsweise, dass die Kutter in Greetsiel nicht unbedingt als Wahrzeichen durchgehen - höchstens ein einzelner Kutter, der besonders gekannt wird. So wie das Feuerschiff „Amrumbank/Deutsche Bucht“, das fest mit Emden verknüpft ist. Auch Granat, also Nordseekrabben, oder Tee würde sie nicht als Wahrzeichen für Ostfriesland bezeichnen, sondern eher als zur hiesigen Tradition und Kultur gehörend. Bis etwas zu einem Wahrzeichen werde, könne es auch mal dauern. Es müsse sich richtig etablieren. „Beim Pilsumer Leuchtturm hat uns natürlich Otto in die Karten gespielt“, so Wiebke Leverenz. Durch den Emder Komiker wurde der Turm bundesweit zum wohl bekanntesten Wahrzeichen für Ostfriesland.
Auf ihrer Liste der Wahrzeichen steht etwa die Kaiser-Wilhelm-Brücke in Wilhelmshaven, die Bären in Esens, der Störtebeker-Turm in Marienhafe oder der Upstalsboom in Aurich. Für ein „Mikro-Erlebnis“, also einen Kurzausflug, empfiehlt sie in der Gemeinde Krummhörn den Kirchturm in Suurhusen, den Campener Leuchtturm, der jetzt wieder besichtigt werden kann, oder auch die „vielen Burgen und Schlösser“. Die gibt es nicht nur in den Gemeinden Krummhörn und Hinte - hier sind etwa die Manningaburg in Pewsum, die Osterburg oder die Burg Hinta zu nennen -, sondern auch in Leer mit dem Schloss Evenburg, dem Dornumer Schloss oder dem Sielhof in Neuharlingersiel. Ein Besuch wert sei auch das Schloss in Jever.