Tourismus
Camper sind der Umsatzbringer in der Krise
Zwei Jahre Pandemie und Lockdowns haben dem Tourismus übel mitgespielt. Auch in Großefehn herrschte in den vergangenen zwei Jahren Zweckpessimismus. Doch eine Kundengruppe hielt den Touristikern die Stange.
Großefehn - In alten Westerngeschichten kommen die Retter oft auf weißen Pferden. Für die Großefehn Tourismus GmbH (GTG) könnte dieses Bild im übertragenen Sinne gelten. Zumindest wenn man die Pferde durch PS-starke Wohnmobile ersetzt, die meist auch in Weiß oder Beige auftreten.
Was und warum
Darum geht es: Mit dem Start der Campingsaison herrscht auch am Timmeler Meer wieder Hochbetrieb. Sehr zur Freude der Tourismusgesellschaft.
Vor allem interessant für: Camping-Enthusiasten (die immer mehr werden) und alle anderen, die gern ihre Freizeit am Timmeler Meer verbringen
Deshalb berichten wir: Die Großefehn Tourismus GmbH verwies bei der Vorstellung ihrer Jahresbilanz auf die erfreuliche Entwicklung im Campingbereich. Den Autor erreichen Sie unter: j.schoenig@zgo.de
Der Campingplatz in Timmel hat der GTG im vergangenen Jahr inmitten der Pandemie ein Umsatzplus beschert. Und das trotz des späteren Saisonstarts mit erschwerten Bedingungen und trotz immer noch ausstehender Erweiterung. Für dieses Jahr sehen die Touristiker noch etwas optimistischer in die Zukunft, auch wenn sie noch nicht ganz mit den Bedingungen wie vor der Pandemie rechnen.
Ostern, Himmelfahrt und Pfingsten ausgebucht
Ein Blick auf die Anreise zum Osterwochenende gibt dem Optimismus der Touristiker recht. Bei strahlendem Sonnenschein suchen Wohnmobile und Caravane am Mittwochvormittag ihren Platz. Zu rund 70 Prozent ist der Platz laut Leitung ausgelastet. Am Gründonnerstag werden es 100 sein, der Campingplatz ist über Ostern komplett ausgebucht. „Auch über Himmelfahrt und Pfingsten ist bereits alles belegt“, sagt Kerstin Fleßner von der GTG. „Man merkt, dass die Leute wieder rauswollen.“ Ausgebucht sind die ersten Termine etwa seit Anfang des Jahres. „Viele Gäste buchen sogar schon bei der Abreise für das nächste Jahr“, sagt Fleßner.
Helmut und Marion Pallussek aus Buxtehude sowie Christian und Ute Thomas aus Gummersbach haben im Februar nur noch Stellplätze am Hafen bekommen. „Der Campingplatz selbst war da schon voll“, sagt Thomas. Beide Paare sind zum ersten Mal in Timmel und am Mittwoch gerade angekommen. „Was wir gesehen haben, gefällt uns aber schon mal ganz gut“, sagt Pallussek. Auf den Timmeler Platz war er durch ein Youtube-Video von Camping-Influencern aufmerksam geworden. „Ich war aber auch schon auf vielen anderen Plätzen in Ostfriesland. Hier kommt man ja auch immer schnell nach Holland rüber.“ Einen Platz im Innenbereich haben Axel und Hella Meyer aus Bremen noch bekommen, ebenso ihre Tochter Julia, die mit Ehemann Mitch gleich nebenan kampiert. Gebucht haben sie die Plätze im Januar und sind auch zum ersten Mal in Timmel. „Sonst waren wir oft im Wangerland“, sagt Axel Meyer, „aber im Internet sind wir diesmal auf Timmel aufmerksam geworden.“ Auch den Meyers gefallen der Platz und die Umgebung. „Ostfriesland ist einfach immer wieder schön“, sagt Julia Meyer.
Auch „Alte Hasen“ fühlen sich noch wohl
Ebenfalls im Außenbereich hat es sich Günther Baltes aus Xanten gemütlich gemacht. Er kommt mit Ehefrau Hermine seit 15 Jahren nach Timmel. „Über die A 31 ist das hier sehr gut erreichbar“, sagt der 77-Jährige. „Früher war ich auch in Norddeich oder Greetsiel, aber hier fühlen wir uns wohl. Selbst wenn es voll ist, fühlt man sich hier nicht zusammengedrängelt.“ Bereits seit 1984 sind Martin und Dagmar Wimmer aus Aurich als Dauercamper am Timmeler Meer. „Wir wollten damals ans Große Meer, aber da war kein Platz mehr“, erzählt Martin Wimmer. „Heute sind wir froh, dass wir hier sind. Hier ist alles nah beieinander und man hat viele Möglichkeiten. Außerdem stimmt hier noch das Preis-Leistungs-Verhältnis. An der Nordsee zum Beispiel ist alles deutlich teurer.“
Dass Tourismus ein Geschäft ist, bei dem die Kommunen draufzahlen, ist ein bekanntes Dilemma. Bei rund 230.000 Euro liegt laut Fachbereichsleiter Jens Erdwiens das jährliche Defizit, das die GTG dem Haushalt der Gemeinde Großefehn in den Jahren vor Corona eingebracht hat. Wenn das Reisen durch die Bedingungen einer Pandemie erschwert wird, ist zu erwarten, dass die ohnehin ungünstige Bilanz noch deutlich schlimmer ausfällt. Mit dieser Erwartung ging auch die GTG ins vergangene Jahr. „Wir hatten für 2021 mit rund 450.000 Euro Defizit gerechnet“, gesteht Fachbereichsleiter Jens Erdwiens. „Es war ja nicht abzusehen, welche Beschränkungen in welchem Ausmaß nach 2020 noch einmal auf uns zukommen würden.“
Camping spielt seine Vorteile aus
Allerdings kann Campingurlaub in der Pandemie seine unbestreitbaren Vorteile ausspielen: Er ist wohl die individuellste Form des Reisens und spielt sich überwiegend draußen ab. Beschränkungen gab es folglich nur dort, wo sich die Camper begegneten, etwa im Sanitärbereich. Hinzu kommt, dass die Zahl der Camper allgemein wächst. Allein die Zulassungen von Wohnmobilen sind in den vergangenen Jahren stetig gestiegen. Damit wächst auch die Konkurrenz um die Parzellen auf dem Campingplatz.
„Tatsächlich konnten wir das eingeplante Defizit im vergangenen Jahr um etwa ein Drittel reduzieren“, sagt Erdwiens. „Wir haben über 100.000 Euro mehr Umsatz gemacht, obwohl wir später gestartet sind und Ostern als Umsatzbringer wegfiel. Gleichzeitig haben wir aber durch den späteren Start auch Personalkosten eingespart.“ Für dieses Jahr üben sich Erdwiens und Fleßner noch in Zweckpessimismus und rechnen mit Defiziten um 400.000 Euro. „Gleichzeitig sind die Signale aber in allen Bereichen bereits jetzt positiv.“