Essen
Nachhaltige Ostern: Welcher Fisch soll auf den Tisch?
Karfreitag ist traditionell Fischtag. Das merken die Händler der Region – worauf stehen die Ostfriesen und welchen Fisch kann man guten Gewissens essen?
Ditzum/Leer - Freitag ist Fischtag: Der Karfreitag als hoher christlicher Feiertag umso mehr. Ihren Ursprung hat diese Tradition im Gedenken an das Leiden und Sterben Jesu. Auf Fleisch wird verzichtet – Fische und andere Meerestiere zählen nicht dazu. Wird diese Tradition in Ostfriesland zelebriert? „Ja, das bemerken wir schon“, sagt Stefan Burlager. Er führt das Fischhaus in Ditzum und eine Zweigstelle im Tichelmarkt in Weener. Beide seien sehr gut besucht, allerdings sei es im vergangenen Jahr insgesamt stressiger gewesen. „Wir kamen kaum dagegen an, weil alle zu Hause gekocht haben“, erklärt er.
Was und warum
Darum geht es: Karfreitag ist bei vielen Fischtag. Welcher Fisch darf guten Gewissens auf den Tisch?
Vor allem interessant für: Fischesser
Deshalb berichten wir: Vor Ostern steigt die Nachfrage stark. Die Autorin erreichen Sie unter: v.vogt@zgo.de
Viele Kurzentschlossene stünden derzeit an den Theken und wollten hochwertigen Fisch kaufen. „Wegen der Feiertage ist zum Beispiel die Seezunge beliebt“, sagt er. Auch vor Ort Geräuchertes stehe hoch im Kurs. Nach Ditzum kämen viele Touristen, in Weener weniger. „Hier macht sich die Tradition stärker bemerkbar. Gerade auch bei Kunden aus dem Emsland“, sagt er. Ob das nun kirchlich geprägt sei oder nicht, könne er nicht sagen. Ein Klassiker sei allerdings wetterabhängig: „Bei Sonnenschein werden Lachsfilets fürs Grillen gekauft“, so Burlager. Zu Ostern seien auch viele Kunden wild auf Granat. „Damit ist es noch schwierig. Die Kutter sind zwar vor Kurzem zum ersten Mal raus, aber ich kann nicht versprechen, dass ich welchen anbieten kann“, sagt sie. Dass Karfreitag noch immer ein Tag zum Fischessen ist, bestätigt auch die Mitarbeiterin im „Fisch Kramer“-Verkaufswagen in Logabirum. „Die Menschen möchten zu Ostern gerne Fisch“, sagt sie. Zum Beispiel wird auch Matjes für Salat gekauft.
Qualität, Nachhaltigkeit, Beratung
Das ist keine spezielle Traditionstreue der Menschen in der Region: Nach Angaben der Landwirtschaftskammer Niedersachsen (LWK) haben die niedersächsischen Fischerei- und Aquakulturbetriebe von der Küste bis in den Harz alle Hände voll zu tun: In dieser Zeit verdreifache sich die Nachfrage nach Produkten der regionalen Betriebe nahezu. Regionalität ist ein gutes Stichwort, wenn es darum geht, dass man nachhaltig einkaufen möchte. „Man muss sich schon etwas auskennen, aber generell hat Fisch aus der Nordsee einen besseren CO2-Abdruck als viele Fleischprodukte zum Beispiel“, erklärt Händler Burlager. Auch die Beratung beim Fischhändler des Vertrauens sei wichtig. „Bei uns zum Beispiel geht jeder Fisch durch unsere Hände, so hat man eine Qualitätskontrolle. Wir wissen, woher der Fisch kommt“, sagt er – aus dem Fang oder der Aufzucht. Es werde zwar nicht gerne gehört, aber bei den stark nachgefragten Fischsorten sei die Zucht wohl die Zukunft: „Es ist aber wichtig, dass diese nachhaltig gestaltet ist“, sagt er.
Dass man am besten genauer hinsieht, rät auch die Verbraucherzentrale Niedersachsen. Denn „nur wenige Fische würden umweltverträglich gefangen“. Vor allem Herkunft, Art und Fangmethode sowie das Siegel sind ausschlaggebende Kriterien für die Nachhaltigkeit, wird die Ernährungsexpertin der Verbraucherzentrale Niedersachsen in Göttingen, Constanze Rubach, zitiert. „Dabei zählen alle Kriterien gleichermaßen, denn eine vertretbare Fangmethode allein macht noch keinen nachhaltigen Fisch aus.“ Für die Klimabilanz seien meist frische Fische aus lokaler Zucht wie Forellen oder Karpfen eine gute Wahl, da bei ihnen Transport und Kühlung entfielen. „Aber auch lokale Arten können überfischt sein und mit umweltschädigenden Methoden gezüchtet oder gefangen werden“, sagte die Expertin. „So ist zum Beispiel Kabeljau aus der Ostsee nicht zu empfehlen. Stammt er jedoch aus Spitzbergen, der Barentssee oder der Norwegischen See, ist das eine nachhaltigere Wahl.“
Fisch aus der Tiefkühltruhe
Wenn es um das Angebot im Supermarkt geht, gibt die Verbraucherzentrale einen Leitfaden: Wer wirklich sicher gehen wolle, dass nur nachhaltiger Fisch auf dem Tisch landet, sollte also überwiegend den frischen aus heimischer Zucht oder Fisch gekennzeichnet mit Ökosiegeln wie etwa Naturland oder dem EU-Bio-Siegel (bei Aquakultur) wählen. „Siegel sind natürlich wichtig. Es ist aber nicht immer leicht, den Überblick zu behalten, welches Siegel was besagt“, sagt der Rheiderländer Burlager. Die Bewertungskriterien variieren mitunter stark, teilt auch die Verbraucherzentrale mit. Fisch mit einem Siegel sei jedoch grundsätzlich zu bevorzugen.
Neben den Auszeichnungen sollten Supermarkt-Kunden auf die Herkunftsangaben achten. Diese seien laut Verbraucherzentrale für Fisch und Fischprodukte verpflichtend und finden sich auf der Verpackung. Ob Frisch- und Räucherfisch, Tiefkühl-Fischerzeugnisse oder rohe und bearbeitete Krebs- und Weichtiere. Eine Ausnahme gibt es aber: „Für verarbeitete oder haltbar gemachte Produkte wie Fischsalat oder -konserven besteht keine Kennzeichnungspflicht“, teilt die Verbraucherzentrale mit.