Berlin
Negativzinsen: Diesen Bankkunden droht Konto-Kündigung
Zwei Banken haben einigen vermögenden Kunden gekündigt, weil diese die „Verwahrentgelte“ nicht akzeptieren wollten. Sind bald auch Kleinsparer betroffen?
Es ist eines der Aufregerthemen bei den Sparern in den vergangenen Monaten gewesen: Werden Kontoinhaber gekündigt, wenn sie die bei einem zu hohen Guthaben geforderten Negativzinsen nicht bezahlen? Die meisten Banken sind diesen Schritt zwar noch nicht gegangen, doch jetzt deutet sich ein härteres Durchgreifen der Geldinstitute an. Bald könnte es auch Kleinsparer treffen.
Den Anfang hat die Stadtsparkasse Düsseldorf gemacht, die im vergangenen Jahr als erste Bank zwei Dutzend Kunden gekündigt hatte, die die sogenannten „Verwahrentgelte“ ablehnten. Jetzt ziehen sowohl die Postbank, als auch die Dortmunder Sparkasse nach. Bei der Postbank handelt es sich laut „Tagesschau“ um Einzelfälle, in denen das Geldinstitut bei Kunden mit einem Guthaben von über 50.000 Euro keine einvernehmliche Lösung finden konnte. Bei der Sparkasse Dortmund sind einem Bericht des „Handelsblatt“ zufolge etwa 15 Kunden betroffen.
Nun wird erwartet, dass weitere Banken folgen. Ein Sprecher der Direkt-Bank sagte der „Tagesschau“: „Bei einer niedrigen vierstelligen Anzahl von Kunden, die auch nach mehrfacher Erinnerung nicht zugestimmt haben, werden wir diesen Schritt nun gehen und ihnen im April mit einer angemessenen Frist kündigen.“ Noch fahren nicht alle Geldhäuser diesen Kurs; die Commerzbank oder die Berliner Sparkasse zum Beispiel setzen weiterhin auf einvernehmliche Lösungen.
Nach Recherchen des Vergleichsportals „verivox“ erheben bislang 449 von 1300 ausgewerteten Kreditinstituten ab einem bestimmten Guthaben Negativzinsen. Nötig macht das die Zinspolitik der Europäischen Zentralbank (EZB), die derzeit Strafzinsen von den nationalen Banken erhebt, wenn diese ihr Geld über Nacht bei der EZB parken. Diese Kosten geben die Banken über die Verwahrentgelte an ihre Kunden weiter.
In die Bredouille könnten bald vor allem Kleinsparer kommen, die bisher von Kündigungen verschont geblieben sind. Bislang haben die Kreditinstitute nur vermögende Kunden mit einem Verwahrentgelt belastet. Wenn die Zustimmungsquote zu den neuen Geschäftsbedingungen, die derzeit bei etwa 70 Prozent liegt, auf 85 bis 95 Prozent gestiegen ist, könnten auch die Kleinsparer Kündigungen ereilen. Das meint zumindest Oliver Mihm, Chef der Bankberatungsfirma Investors Marketing. Trotzdem rechne er nicht mit einer „großen brutalen Kündigungswelle“.