Freizeit

„Alte Dame“ sucht Skipper mit viel Erfahrung

Jens Schönig
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Von Jens Schönig
| 12.04.2022 17:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
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In zwei Jahren Pandemie wäre die MS „Gretje“ fast zur Landratte geworden. Seit Dienstag ist das Ausflugsschiff buchstäblich wieder in seinem Element. Jetzt fehlen noch Crewmitglieder.

Timmel - Jetzt hat sie wieder Wasser unterm Kiel – nach zwei Jahren Coronapause ist die MS „Gretje“ an ihrem Liegeplatz im Timmeler Hafen am Dienstagmorgen zu Wasser gelassen worden. Ab dem 1. Mai geht das Ausflugsschiff der Großefehn Tourismus GmbH (GTG) wieder auf Fahrt über das Timmeler Meer und durch die Meeden.

Was und warum

Darum geht es: Die MS „Gretje“ geht nach zwei Jahren Pause wieder auf Tour, braucht aber noch treue Crewmitglieder.

Vor allem interessant für: alle, die sich für historische Schiffe und für Ausflugsfahrten zu Wasser interessieren

Deshalb berichten wir: Die Großefehn Tourismus GmbH hatte uns extra nach Timmel eingeladen, um das flottgemachte Schiff stolz zu präsentieren.

Den Autor erreichen Sie unter: j.schoenig@zgo.de

Normalerweise startet die Saison der „Gretje“ ja an Ostern. „Nach zwei Jahren Stillstand wollten wir aber auch nichts übers Knie brechen“, erklärt Günther Siefken, Bauamtsleiter der Gemeinde Großefehn. „Es wäre ja blöd, wenn das Schiff ausgerechnet auf der ersten Fahrt liegenbleibt, weil wir es zu eilig hatten.“

Neuer Glanz dank Komplettlackierung

Vor über zwei Jahren war die „Gretje“ ins Dock gewandert. „Der Motor wurde komplett überholt“, erzählt Siefken. Pünktlich zum geplanten Saisonstart 2020 kam dann der Lockdown. Fahrten waren faktisch nicht mehr möglich, weil das Schiff für die seinerzeit geltenden Abstands- und Hygieneregeln schlicht zu klein ist. Also blieb es weiter an Land. „Im vergangenen Jahr haben wir die Zeit für einen komplett neuen Anstrich genutzt“, so Siefken weiter. „Sandstrahlen, Grundierung und neue Lackierung. Das wurde langsam nötig, weil wir die Jahre davor nur übergestrichen hatten und der Lack anfing abzublättern.“ Am Montagabend schließlich wurde die „Gretje“ zurück nach Timmel transportiert und kam am Dienstag gegen 7 Uhr per Kran an ihren angestammten Liegeplatz zurück.

Im Licht der Mittagssonne scheint die „alte Dame“ regelrecht zu strahlen, in ihrem runderneuerten grün-weiß-roten Kleid. Die Farbgebung ist auf die anderen beiden Schiffe der GTG, der „Frauke“ und der „Antje“ (beide liegen in Ostgroßefehn), abgestimmt. „Alle drei Schiffe sind jetzt bewusst im gleichen Look“, sagt Siefken. An Bord wurden am Dienstag noch einige Malerarbeiten an Deck vollendet, außerdem muss noch eine Scheibe im Führerhaus repariert werden, die beim Rücktransport zum Hafen zu Bruch gegangen war.

„Oldtimer“-Experte wird gebraucht

„In den kommenden Tagen muss die Elektrik außen herum wieder installiert werden“, erklärt Siefken. „Wir mussten ja zum Sandstrahlen alles abnehmen. Dabei fiel uns auf, dass die Kabel abgängig sind, die müssen also auch noch erneuert werden.“ Auch das soll noch vor Ostern klappen.

Schwieriger wird die Suche nach zwei weiteren Besatzungsmitgliedern. So sucht die GTG nach einem Smutje (Schiffskoch) und vor allem nach einem weiteren Kapitän. „Einen Kapitän haben wir, aber der wird für alle avisierten Fahrten der Saison nicht ausreichen“, sagt Kerstin Fleßner von der GTG. „Das Problem ist, dass wir jemanden mit Binnenschiffspatent und Zulassung für Personenbeförderung brauchen, der sich zudem noch auf die alte Technik des Schiffes versteht.“ Denkbar ist, dass die GTG dazu Kontakt zu Seefahrtschulen oder Schiffer-Berufsschulen sucht. Dort gibt es oft Projekte, in denen die Schüler an das Fahren mit Museumsschiffen herangeführt werden, um diese weiter in Betrieb halten zu können.

Fest steht aber schon, dass die „Gretje“ am Sonntag, 1. Mai, um 14 Uhr zu ihrer ersten Fahrt der Saison auslaufen soll. „Für die Besucher gibt es ein Glas Sekt und eine zweistündige Tour über das Timmeler Meer und durch die Meedenlandschaft“, sagt Fleßner.

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