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Verständnis und Höflichkeit im Ramadan

Canan Topçu
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Eine Kolumne von Canan Topçu
| 13.04.2022 09:22 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Canan Topçu
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Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal pro Woche eine Kolumne. Mittwochs geht es immer um das Thema Recht.

Im April hat für Muslime der Fastenmonat angefangen; im Türkischen heißt er Ramazan. Früher hätte ich erklären können, warum es auf Deutsch Ramadan heißt; wenn ich jetzt im Internet recherchieren würde, könnte ich es wieder. Ich will aber auf etwas anderes hinaus.

Zum ersten Mal seit meiner Tätigkeit als Journalistin, seit mehr als 25 Jahren, schreibe ich keine Artikel, in denen ich erkläre, was es mit diesem Fasten auf sich hat. Wie oft habe ich nicht Reportagen geschrieben, islamische Theologen interviewt und die Frage erörtert, ob es nicht ungesund ist, so lange nichts zu essen und vor allem nichts zu trinken – insbesondere dann, wenn sich der Ramadan durch die Abweichung vom greoranischen Kalender verschiebt und in die Sommerzeit fällt.

Ehrlich gesagt: Ich bin froh, dass ich das nicht mehr muss; als freiberufliche Journalistin kann ich mir aussuchen, welchen Auftrag ich annehme. Abgesehen davon: Muslime sind inzwischen Teil dieser Gesellschaft. Warum soll man ihr Verhalten erklären? Macht der Journalismus bei Christen doch auch nicht.

Es gibt solche und solche Muslime; die einen halten sich an alle Ge- und Verbote, andere sehen es lockerer und machen das mit dem Regelneinhalten mit sich und ihrem Gott aus. (Zu dieser Gruppe gehöre ich.)

Jeder Mensch soll seinen Glauben praktizieren können – so lange es andere nicht beeinträchtigt, geht es keinen etwas an, ob jemand den ganzen Tag nichts isst und trinkt. Nur bei Mundgeruch wird’s schwierig. Wie sagt man so höflich wie möglich, dass es stört? Apropos höflich... Jetzt will ich doch noch was zum Ramadan loswerden: Vermeiden Sie in Gesprächen mit fastenden Muslimen Gespräche übers Fasten. Und: Im Beisein von fastenden Muslimen aufs Essen und Trinken zu verzichten, mag gut gemeint sein, das wird nicht erwartet; für viele Muslime ist das eine falsch verstandene Rücksichtnahme, es bringt sie in eine eher schwächere Position. Das übrigens ist die Quintessenz meiner jahrelangen Recherchen im Monat Ramadan.

Kontakt: kolumne@zgo.de

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