Kurzarbeit in Krisenzeiten
Hilfreich, aber kein Allheilmittel
Während der Corona-Pandemie ließ sich auf dem Arbeitsmarkt vieles mit dem Instrument Kurzarbeit abfedern. Auch jetzt ist es geeignet, um Probleme aufzufangen, doch ein Allheilmittel ist es nicht.
Erst die Corona-Krise, jetzt der russische Angriffskrieg gegen die Ukraine: Wirtschaftlich schlittert Deutschland von Katastrophe zu Katastrophe. Ein kleiner Trost: Immerhin hat sich die Kurzarbeit in der Pandemie als Stabilitätsanker schlechthin und als zentrales Werkzeug zur Vermeidung von Arbeitslosigkeit bewiesen, mit dem über zwei Millionen Jobs gerettet wurden. Auch jetzt sind wieder etliche Betriebe durch Lieferengpässe und Exportausfälle betroffen. Viele derart negativer Effekte können erneut nötigenfalls durch Kurzarbeit abgefedert werden.
Insofern ist es richtig und nicht überraschend, dass Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) auch in der aktuellen Situation auf das erprobte Instrument setzt und Kurzarbeit als „starke Brücke über ein sehr tiefes wirtschaftliches Tal“ bezeichnet. Der Vorteil: Dadurch, dass Kurzarbeit etabliert ist, können Unternehmen vergleichsweise schnell entlastet werden.
Klar ist aber auch: Kurzarbeit ist kein Allheilmittel und nicht frei von Nebenwirkungen. Es ist geeignet, um Lieferkettenprobleme abzufedern, nicht aber hohe Energiekosten, unter denen Firmen wie Verbraucher gleichermaßen leiden. Heißt: Sollte der Krieg zu dauerhaft hohen Energiepreisen führen, wird die Bundesregierung wohl nicht umhinkommen, auch über andere Wirtschaftshilfen nachzudenken.