Training
Hunde auslasten – während der Leinenpflicht und auch sonst
Seit dem 1. April herrscht wieder Leinenpflicht für Hunde. Wie können die treuen Begleiter dennoch gut ausgelastet werden? Eine Hundetrainerin verrät: Training ist auch im Alltag wichtig.
Leer/Jemgum - Freilaufende Hunde sind für viele Hundebesitzer ein schöner Anblick. Doch das ist zurzeit nur auf ausgewiesenen Flächen möglich – wie auf der eingezäunten Freilaufwiese im Leeraner Julianenpark. Grund dafür ist die Leinenpflicht, die seit dem 1. April gilt. Damit wildlebende Tiere und ihr Nachwuchs in der Brut-, Setz- und Aufzuchtzeit ungestört sind, müssen Hunde in der freien Landschaft bis zum 15. Juli an die Leine.
Was und warum
Darum geht es: Wie können wir unsere Hunde auslasten?
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Deshalb berichten wir: Vom 1. April bis 15. Juli gilt Leinenpflicht für Hunde. Freies Laufen fällt somit größtenteils als Möglichkeit zur Auslastung weg. Die Autorin erreichen Sie unter: d.hoppe@zgo.de
Erst Ende März hat ein freilaufender Hund im Westerhammrich ein tragendes Reh totgehetzt – trotz der laut Jäger Gerold van Hoorn dort ganzjährig geltenden Leinenpflicht. „Viele Leute halten sich einfach nicht daran“, ärgert sich der Jäger. Seinen Hund habe er stets an der Leine. Wir haben Hundetrainerin Isabel Lauenstein aus Jemgum gefragt, ob Hunde das freie Laufen überhaupt brauchen und wie sie trotzdem gut ausgelastet werden können.
Leinentraining ist wichtig
Lauenstein bezeichnet sich selbst als „Befürworterin der Leine“. Die Leinenpflicht zur Brut- und Setzzeit finde sie besonders wichtig. „Aber es ist auch Quatsch, wenn Hundebesitzer dann eine zehn Meter lange Leine kaufen“, meint die 51-Jährige. Ihr Rat, um das An-der-Leine-Laufen schmackhaft zu machen: Dem Hund ein Leckerchen zu geben, wenn er angeleint wird.
Eine Leinen-Länge von zwei Metern sei ideal. „Damit haben die Hunde eine Chance, nach links und rechts zu wechseln“, so die Trainerin. Während der Leinenpflicht hat sie außerdem einen Tipp: „Es kann bei Hunden zu Frust führen, wenn sie an einen Teil der gewohnten Strecke kommen, wo sie sonst frei laufen durften. Da ist es besser, auf andere Strecken auszuweichen.“ Das müssten nicht immer begrünte Orte sein. „Ein Supermarkt-Parkplatz kann auch total interessant sein“, sagt Lauenstein.
Laufen ist nicht die Lösung
Nicht jeder Hund brauche das freie Laufen: „Hunde sind da sehr individuell.“ So könne man auch nicht alle Vertreter einer Rasse als solche beschreiben, die unbedingt rennen müssen. „Einfach nur Kilometer machen zu wollen ist der falsche Ansatz. Damit entwickeln wir Sportmaschinen und sie werden es dann auch einfordern“, erklärt die Jemgumerin. Auch seien Hundesportarten „grundsätzlich eine schöne Sache“. Das Laufen reiche aber nicht aus, um Hunde auszulasten, da sie eine sehr schnelle Regenerationszeit haben. Es sei nur ein Teil der Bedürfnisse, die sie haben.
„Die Auslastung über die Nase ist besonders effizient“, hält sie fest. Manchen müsse man die Lust auf Nasenarbeit aber auch antrainieren. „Das fängt damit an, dass man zwei Hände voll mit Leckerlis auf eine Wiese wirft“, gibt Isabel Lauenstein als Beispiel. „So eine Gartenparty hänge ich an jeden Spaziergang, um meine Hunde Miller und Martha wirklich müde zu kriegen.“ Hunde könnten zwar gut riechen, aber nicht beim normalen Atmen. Dazu müsse der „Schnüffelmodus“ aktiviert werden. „Das sind dann etwa 180 Atemzüge pro Minute und das ist wirklich anstrengend für einen Hund“, erklärt die Trainerin.
Auslastung mal anders
Einsteiger könnten mit Futtersuchspielen arbeiten. Wenn das dem Hund zu langweilig werde, sollte man mit anderen Gerüchen weitermachen, „die sonst nicht in der Hundewelt vorkommen“, erklärt Lauenstein. Zudem könnte man mit Wasser aus einem Würstchenglas eine Spur auf einem Parkplatz legen, bei der am Ende eine Wurst liegt. „Das finden die Hunde wahnsinnig toll, weil es der Jagd sehr ähnelt. Sie haben eine Spur, die sie verfolgen und finden etwas.“
Mit seinem Hund „Qualitätszeit“ zu verbringen bedeute, mit ihm etwas zu machen. Dafür müsse man manchmal auch bereit sein, das Handy wegzupacken und in den Matsch zu gehen. „Die Beschäftigung mit dem Hund und die artgerechte Auslastung ist wichtig und kommt bei Vielen zu kurz“, meint sie.
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Eine weitere Möglichkeit, einen Hund zu auszulasten, sei die Arbeit mit dem Kopf. „Tricks und Kommandos zu lernen ist auch gut – besonders für die Fraktion, die nicht so auf die Nase fixiert ist“, so die 51-Jährige. Dabei sei es jedoch wichtig, sich neue Tricks zu suchen und neue Ziele zu stecken. „Da muss auch der Mensch ein bisschen fleißig sein“, sagt Isabel Lauenstein lachend.