Energie
Warten auf das LNG-Terminal in Wilhelmshaven
Gefühlt ist der nächste Winter schon nah: Die Sorgen vor einem Mangel an Gas zum Heizen und für die Industrie beschäftigen Politik und Energieunternehmen. Sie drücken aufs Tempo, auch an der Küste.
Hooksiel/Wilhelmshaven - Auch wenn es offiziell noch gar keine Zusage gibt – die Vorbereitungen für ein schwimmendes LNG-Terminal in Wilhelmshaven haben längst begonnen. Denn: „Im Zeitplan ist null Puffer, null Komma nichts“, sagt Thomas Hüwener, Mitglied der Geschäftsführung beim Fernleitungsnetzbetreiber Open Grid Europe (OGE). Sein Unternehmen soll die Leitung bauen, die das Erdgas vom geplanten schwimmenden Terminal ans Gasfernleitungsnetz anbindet. Aktuell ist das Schiff noch nicht da, auch nicht die Zusage für diesen Standort; aber die Rohre hat Hüweners Firma schon mal bestellt.
Was und warum
Darum geht es: Die Vorbereitungen für das schwimmende LNG-Terminal in Wilhelmshaven haben längst begonnen.
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Deshalb berichten wir: Das niedersächsische Umweltministerium hat zu einem Ortstermin eingeladen. Die Autorin erreichen Sie unter: i.oltmanns@zgo.de
Der OGE-Vertreter war am Freitag mit an Bord eines Schiffes, das auf Einladung des niedersächsischen Umweltministeriums verschiedene am Projekt beteiligte Akteure und Journalisten von Hooksiel aus ein paar hundert Meter raus auf See fuhr. Ziel: Die Außenseite einer Brücke, an der künftig ein solch schwimmendes Terminal liegen könnte. Im Fachjargon ist das eine sogenannte FSRU (Floating Storage and Regasification Unit). Die von Uniper betriebene Brücke liegt nördlich vom Jadeweserport, in unmittelbarer Nachbarschaft zum Hooksieler Hafen (Wangerland).
Der Minister
„Unsere Aufgabe ist es, uns so schnell wie möglich aus der russischen Umklammerung beim Gas zu befreien“, erklärt Niedersachsens Umweltminister Olaf Lies (SPD) bei einer windigen Pressekonferenz an Bord. Es gehe darum, mehr als 50 Milliarden Kubikmeter Gas jährlich zu ersetzen. Eine FSRU, wie sie vor Hooksiel festmachen soll, könne mit rund neun Milliarden Kubikmetern jährlich schon fast 20 Prozent dieser Menge für Deutschland beisteuern.
Der Zeitplan für das LNG-Projekt ist ambitioniert: Das erste schwimmende Terminal in Wilhelmshaven solle schon im Winter 2022/2023 seinen Betrieb aufnehmen können, sagt Lies. Insgesamt hat die Bundesregierung über die Unternehmen RWE und Uniper drei schwimmende LNG-Terminals optioniert; also erstmal die Hand drauf gelegt. Doch wo genau sie hinkommen – eine offizielle Entscheidung dazu gibt es noch nicht. In Wilhelmshaven waren bisher zwei Möglichkeiten im Gespräch, die Uniper-Brücke und die des Öl-Umschlagunternehmens NWO ein paar hundert Meter weiter südlich.
Die Leitung
In Wilhelmshaven werden auf jeden Fall schon mal Fakten geschaffen. Auch, weil die Zeit drängt, wie Leitungsbauer Hüwener deutlich zu verstehen gibt. In wenigen Monaten soll schließlich Gas fließen, wo jetzt noch gar nichts ist. „Das ist eine Verzehnfachung des Tempos“, sagt Hüwener. Üblicherweise dauere ein solches Bauprojekt mehrere Jahre. Nicht so dieses Mal: Ende April soll das Planfeststellungsverfahren beginnen, der Bau könnte dann im August starten.
Die Leitung soll etwa 30 Kilometer lang sein, einen Durchmesser von einem Meter haben und anfangs eine jährliche Kapazität von zehn Milliarden Kubikmeter schaffen. Endpunkt ist die Fernleitung Netra in der Nähe des Gasspeichers in Etzel. Mit dem Anschluss an die Netra können Gasmengen von der Nordseeküste in den Süden und Osten des Landes transportiert werden.
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Die Kritiker
Die LNG-Pläne der Bundesregierung rufen auch heftige Kritik hervor. Die Deutsche Umwelthilfe (DUH) sprach am Freitag in Berlin von „Wildwuchs“ und der „Planung von Überkapazitäten“ bei LNG-Importterminals und forderte Wirtschaftsminister Robert Habeck (Grüne) auf, „den angeblichen Bedarf für die Terminals endlich mit konkreten Zahlen zu belegen“.
Die DUH hält die geplanten LNG-Terminals in Stade, Brunsbüttel sowie in Wilhelmshaven an den vorgeschlagenen Standorten nicht für genehmigungsfähig und argumentiert mit Naturschutz und störfallrechtlichen Gründen. Mehrere Umweltverbände demonstrierten unterdessen in Hamburg gegen die deutschen LNG-Planungen. Sie kritisierten die Klimaschädlichkeit von LNG, außerdem würden Gefahren der Importe von Fracking-Erdgas ausgeblendet.