Hamburg
Ruth Moschner übers Hamstern, Nutella und vegane Würstchen
Was eine „Ökoschnecke“ ist, ob sie hamstert und warum Essen und Schuld getrennt werden sollten - das schrieb uns Ruth Moschner im Vorfeld ihrer neuen Sat.1-Show „Kühlschrank öffne dich.“
Der Magen knurrt, der Kühlschrank wird aufgerissen - doch von den Überbleibseln will nichts zusammenpassen? Ratlos vor den Resten stehen, das kennen viele.
All jene, die an Ungewissheit vor halbleeren Kühlschränken verzweifeln, können ab dem 7. April auf hilfreiche Tipps und Unterhaltung hoffen: Dann sendet Sat.1 die erste von sechs Folgen einer neuen Primetime-Show, die den Namen „Kühlschrank öffne dich“ trägt.
Profikoch Alexander Kumptner und „The Taste 2021“-Finalistin Hanna Reder werden sich dort in jeder Folge Herausforderinnen und Herausforderern wie Alexander Herrmann, Cornelia Poletto, Johann Lafer, Viktoria Fuchs oder Christoph Rüffer stellen, die in Duos gegen sie antreten. In der Show geht es darum, leckere Mahlzeiten zu zaubern - mit den Zutaten aus Kühlschränken vollkommen fremder Haushalte. Moderiert wird die Sendung von Ruth Moschner (45), die unsere Fragen schriftlich beantwortete.
Frage: Erste Frage im Zeichen der Zeit. Hamstern Sie? Seien Sie ehrlich!
Antwort: Ich bin im tiefsten Inneren eine Haselmaus, daher habe ich natürlich immer eine gut gefüllte Vorratskammer unabhängig der politischen oder pandemischen Lage. Allerdings sind da weder Weizenmehl, Nudeln noch Sonnenblumenöl. Aber Hülsenfrüchte, Nüsse und Trockenfrüchte würden Sie bei mir finden und wir kämen damit ein paar Tage durch.
Frage: Denken Sie an Ihren Kühlschrank zuhause. Was könnten Sie aus dem Stand daraus zaubern?
Antwort: Puh. Irgendwas geht immer. Aber ich bin ja viel unterwegs, das heißt, frische Sachen kaufe ich immer recht zeitnah ein. Ich könnte meinen Gästen aber immer spontan ‘nen Cremant auf Eis servieren, das macht zwar nicht satt, hebt aber doch schon mal die Stimmung. Aber irgendwas geht doch immer. Ich bin selber immer wieder überrascht. Auch wenn ich Kochsendungen nur moderiere, so ganz spurlos geht das ganze Food-Wissen dann doch nicht an mir vorbei. Ich entwickle ja auch meine eigenen Rezepte, daher bin ich selten aufgeschmissen.
Frage: Von den Zutaten her betrachtet: Hätte Ihr Kühlschrank eine bestimmte Nationalität?
Antwort: Wahrscheinlich wäre sie ein Partygirl aus Israel oder Vietnam. Sesammus ist immer da, Kräuter natürlich oder Tamarindenpaste, Fischsoße. Rechnet man die Gewürze dazu, wäre es ein ziemliches Potpourri … Und da ich eben immer alkoholische Getränke für meine Gäste zuhause habe, würde ein sehr ulkiges Bild entstehen. Ich selber trinke übrigens so gut wie nie, vielleicht zweimal im Jahr, aber zum Kochen ist Wermut zum Beispiel genial.
Frage: Was ist das Sündhafteste in Ihrem Kühlschrank? Wir wollen auf Ihr Guilty-Pleasure hinaus.
Antwort: Ich vertrete schon seit Jahren den Ansatz, dass Essen und Schuld eine sehr toxische Beziehung ist, die immer und immer wieder in den Medien transportiert wird. Es wäre so wünschenswert, wenn wir es schaffen würden, wie unsere Nachbarinnen in Italien, aber eben auch in Israel oder Vietnam Essen als Ereignis, als Schlüssel zu Kommunikation, Lebenslust und Sinnlichkeit zu sehen. Helfen Sie mir gerne dabei!
Frage: Haben Sie ein Gericht, für das Sie bekannt sind? Was kochen Sie für sich und Ihre Freunde am liebsten?
Antwort: Haha, „weltberühmt“ ist sicher inzwischen mein Süßkartoffelfrühstück. Steht auch in meinem Buch „Total Detox“, ist wirklich mega lecker und gesund. Vertrauen Sie mir! Sie wollen nix anderes mehr zum Frühstück essen.
Frage: Was war als Kind Ihr Lieblingsessen und was ist es heute?
Antwort: Kartoffeln mit Kräuterquark. Heute habe ich lustigerweise keins, es sei denn dunkle Schokolade zählt als vollständige Mahlzeit - dann das. Ansonsten tatsächlich alles aus Kürbis, rote Bete und Kichererbse.
Frage: Würden Sie auch ein Gericht essen, das eine Kreation aus Nutella, Eiern und Ketchup darstellt, selbst wenn sie von Alexander Herrmann stammt? Laut Pressemitteilung sind ja bloß die Besitzer der Kühlschränke dazu verdammt beziehungsweise auserkoren.
Antwort: Auch, wenn Deutschland jetzt kurz den Atem anhält. Ich esse kein Nutella. Da gibt es echt bessere Süßigkeiten. Ja, Süßigkeiten, auch, wenn uns die Werbung immer noch suggerieren darf, dass eine Mischung aus Palmöl, Zucker und Milchpulver ein Sportlerfrühstück sein soll. Aber ich bin überzeugt, dass man den Unterschied nicht merken würde, wenn man noch Ketchup drunter mischen würde. Ist beides süß und mit den Eiern wird’s ein netter Kuchen, den ich made by Alexander Herrmann natürlich auch probieren würde, weil er einfach ein super Kollege und mega Koch ist. Moment, warten Sie, da war doch was … Köche und backen … ok. Ich überleg’s mir noch.
Frage: Auf welches der Profikochduos in der Show würden Sie Ihr Geld setzen?
Antwort: Was den Unterhaltungswert angeht? Auf ziemlich alle. Unsere Kochstars sind ja nicht nur wahnsinnig kompetent, sondern auch sehr ehrgeizig und selbstbewusst. Wenn das dann aufeinandertrifft, ist das ungefähr so, wie die Hirschbrunft in Prerow. Wunderschön und auch ziemlich beeindruckend. Eventuell bin ich auch ab und zu mal schnell zur Seite gehüpft, um mich in Sicherheit zu bringen.
Frage: Sie schreiben auf Ihrer Website von sich als „Ökoschnecke.“ Was ist eine Ökoschnecke und wie wird man das?
Antwort: Ich glaube, wir alle sind dazu angehalten, Nachhaltigkeit in den Alltag zu integrieren. Bei unserer Show geht es ja auch um Zero-Waste, also wie verwende ich wirklich alles von meinen Lebensmitteln und verhindere, dass Dinge weggeworfen werden. Ich möchte jetzt nicht alles aufzählen, was ich mache, weil Vergleichbarkeit immer schwer wird, wenn unterschiedliche Voraussetzungen geboten sind. Ich besitze kein Auto, bin Radfahrerin, muss aber jobbedingt aus Termingründen auch immer noch zu oft den Flieger nutzen. Zum Glück baut die Bahn ihr Streckennetz immer weiter aus. Was ich seit Jahren auch mache, ist eine Plastikfrei-Challenge. Das geht tatsächlich sehr gut. Auch hier bin ich natürlich noch nicht bei 100 Prozent und gerade, wenn man mehrere Tage unterwegs ist, ist es unmöglich. Aber: Mein Bad zum Beispiel ist bis auf die Körpercremes plastikfrei.
Frage: Was halten Sie von den vielen neuen Lebensmitteln, die derzeit auf den Markt kommen? Sind vegane Würstchen für Sie richtiges Essen?
Antwort: Ersatzprodukte können das Original nicht ersetzen, zumal oft viel Ungesundes drin ist. Aber dafür wird halt kein Tier getötet, daher spricht natürlich viel dafür. Aber bitte immer kurz auf die Inhaltsstoffe achten. Allerdings: Für Personen, die weniger Fleisch essen wollen und den Geschmack vermissen, ist vegane Fleischwurst zum Beispiel spitze. Da bin ich echt Fan von, ich behaupte, da würde selbst ein eingefleischter Fleischi nix merken. Man macht ja eh noch Senf drauf. Ansonsten finde ich, achtsames Essen, Wertschätzung und ab und an mal was vom Tier, im Idealfall Wild bleifrei geschossen, ist dennoch gesünder als jeden Tag das Seitanschnitzel und die veganen Gummibärchen.
Frage: Wie füllen Sie Ihren Kühlschrank? Kaufen Sie nur das, was Sie im Laden anspricht oder planen Sie Ihre Gerichte?
Antwort: Ich LIEBE Lebensmittel-Shopping. Sie könnten mich in irgendeinem Supermarkt absetzen, ich hätte die Zeit meines Lebens. Klar, ich plane auch mal. Aber wenn mich was anlacht… und *hüstel* das kommt durchaus mal vor, dann kann ich nicht widerstehen. Das Leben ist zu kurz, nicht der eigenen Neugierde nachzugehen. Und neue Sachen auszuprobieren ist für mich spannender als der neue James Bond.