Konsum
Intelligente Apps: So kann man beim Einkaufen sparen
Um Spontankäufe zu verhindern und Geld zu sparen, können Kunden einige Tricks anwenden. Die Redaktion hat sich Apps angeschaut und sich mit Verbraucherschützern sowie einem Konsumforscher darüber unterhalten, was sonst noch hilft.
Aurich - Meditieren vor dem Einkaufsregal und sich von neuen Produkten verführen lassen − diese Unarten verkneifen sich immer mehr Kunden, seit die Preise in die Höhe geschnellt sind. Immer mehr denken darüber nach, wie sie durch systematisches Einkaufen Geld einsparen können.
Was und warum
Darum geht es: Die Lebensmittelpreise steigen. Wie kann man durch die intelligente Organisation seines Einkaufs Geld einsparen?
Vor allem interessant für: Jeden, der sich im Supermarkt versorgen muss und nicht gerade Krösus ist.
Deshalb berichten wir: Weil die Redaktion am eigenen Leib seit Wochen merkt, dass ein Einkauf ein großes Loch in den Geldbeutel reißt. Die Autorin erreichen Sie unter: g.boschbach@zgo.de
Hilfreich sind dabei Smartphone-Apps, die die Gefahr von Spontankäufen senken. Die Redaktion hat sich ein paar dieser Mini-Programme angeschaut und sich mit Verbraucherschützern sowie einem Konsumforscher darüber unterhalten, was sonst noch hilft, um die Ausgaben im Griff zu halten.
Tipp 1:
Bevor man in einem Supermarkt Geld ausgibt, lohnt ein Blick in den Kühlschrank. Was kann ich dort noch verwerten? Wem es an Ideen für eine leckere Speise mangelt, kann auf die App Zu gut für die Tonne zugreifen. Das Mini-Programm wurde vom Bundesministerium für Ernährung und Landwirtschaft herausgegeben. Es ist kostenlos und bietet 700 Rezepte, die auf den Verwendungszweck abgestimmt sind. Für die Zubereitung werden keine exotischen Zutaten wie Pak-Choi oder Miso-Paste verwendet.
Tipp 2:
Wenn der Kühlschrank definitiv leer ist und man nicht um einen Einkauf herumkommt, ist eine Auflistung des Bedarfs unverzichtbar, um unnötige Geldausgaben zu vermeiden. Am besten plant man die ganze Woche durch. Dafür ist eine App wie Käptn Cook sinnvoll. Sie bietet neben drei Tagesgerichten auch einen Wochenplaner. Der wird automatisch mit den Zutaten bestückt, die man vorher bei den ausgewählten Rezepten angeklickt hat. Jeder Nutzer kann die Auswahl der Gerichte, die ihm angeboten werden, auf seine Ernährungsgewohnheiten abstimmen. Unterschieden wird nach Omnivore (Allesesser), Vegetarier, Veganer, Paleo-Typ (nur frische und unverarbeitete Lebensmittel), Mediterraner-Typ (vorwiegend vegan, aber auch Meeresfrüchte und Nüsse) oder Keto-Typ (keine Kohlehydrate, aber fettreiche Lebensmittel).
Tipp 3:
Im digitalen Zeitalter hat der gute, alte Einkaufszettel ausgedient. An seine Stelle sind elektronische Einkaufslisten getreten. Eine der Populärsten heißt Bring. Der Name klingt wie ein Apport-Befehl für einen Hund. Tatsächlich geht es dabei vor allen Dingen um die effiziente Erstellung von Angeboten. Sie empfängt den Nutzer mit der Frage, was er einkaufen möchte, und bietet 13 Gruppen von Waren an. Dazu zählen unter anderem Fleisch und Fisch, Zutaten und Gewürze, Snacks und Süßwaren. Eine Kategorie führt nur saisonale Produkte auf. Was fehlt in meinem Kühlschrank? Was muss in die Vorratskammer? Dabei kann der Nutzer auf aktuelle Prospekte von Einzelhandelsunternehmen und Lebensmittel-Discountern zurückgreifen. Die App kostet 13,99 Euro im Jahr. Es gibt keine festen Laufzeiten. Sie kann jederzeit gekündigt werden. Eine weitere Einkaufszettel-App heißt Pon. Die Produkte sind alphabetisch sortiert und teilweise nach verschiedenen Sorten untergliedert. Bei Äpfeln etwa führt der Klick auf einen Reiter zu Sorten wie Braeburn und Gala. Der Kunde kann jeweils Artikelanzahl und Verpackungsart ergänzen. Das Ganze kann angereichert werden durch Fotos, Preise oder Notizen.
Der Nachteil: Es gibt wenig optische Anreize.
Tipp 4:
Wer jetzt nach so etwas sucht wie Check24 für den Einkauf im Supermarkt, ist mit Smhaggle gut bedient. „Zahle nie wieder zu viel für deinen Lebensmitteleinkauf“ lautet der Slogan dieser elektronischen Unterstützung. Das Programm vergleicht automatisch Prospekte und Preislisten von verschiedenen Anbietern. Es zeigt den Markt an, in dem man einen bestimmten Artikel am günstigsten bekommt. Die App bietet zudem die Möglichkeit, über einen Barcode Artikel einzuscannen.
Das spricht gegen die Apps
Welche Vorbehalte gibt es gegen die Nutzung von Apps? Der Kunde sollte schon sorgfältig auswählen, rät Mareke Eilers. Die Sprecherin der Verbraucherberatung in Aurich sagt, dass man bei der Verwendung von Apps immer vorsichtig sein sollte bei der Herausgabe seiner persönlichen Daten. Liegen der Verbraucherzentrale Beschwerden von Kunden vor? Gibt es riskante Apps? Diese Fragen verneinte Mareke Eilers.
Warum ist es trotz der Hilfsmittel so schwierig, diszipliniert einzukaufen? „Unser Unbewusstes regiert das Bewusstsein“, sagt Dr. Hans-Georg Häusel auf diese Frage. Der Diplom-Psychologe lehrt an der Hochschule für Wirtschaft in Zürich. Er zählt international zu den führenden Experten in der Marketing-, Verkaufs- und Management-Hirnforschung. Viele Menschen neigten dazu, sich dem Belohnungszentrum im Hirn auszuliefern. „Und das will alles sofort. Da gibt es keine Distanz und Kontrolle.“ Deshalb sei es gut, sich durch einen Plan, also einen Einkaufszettel, zu wappnen und in einem Geschäft, das einem vertraut sei, nur die Regale anzufahren, in denen die Dinge stehen, die man tatsächlich benötigt. „Das Ganze wird natürlich zunichtegemacht, wenn man nach dem Lebensmitteleinkauf in einen Textilladen geht und sich dort eine Jeans für 150 Euro holt“, fügt Dr. Hans-Georg Häusel hinzu.
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