Hamburg

Guido Westhoff: Wie ein Osnabrücker Zoodirektor bei Hagenbeck wurde

Julian Willuhn
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Von Julian Willuhn
| 06.04.2022 12:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Schlangen – hier eine Bunte Bambusnatter – sind noch immer eine besondere Leidenschaft von Guido Westhoff. Foto: Lutz Schnier
Schlangen – hier eine Bunte Bambusnatter – sind noch immer eine besondere Leidenschaft von Guido Westhoff. Foto: Lutz Schnier
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Seit Juni 2021 ist der ehemalige Leiter des Tropen-Aquariums der Zoologische Direktor bei Hagenbeck. Schon als Kind faszinierte ihn jeder Käfer, heute trägt der 53-Jährige die Verantwortung für die Tierhaltung im Zoo.

Die Schlangenhaltung in den eigenen vier Wänden hat Guido Westhoff aufgegeben. „Mir fehlt die Zeit“, sagt der habilitierte Zoologe. Kein Wunder – seit Juni 2021 ist der gebürtige Osnabrücker Zoologischer Direktor im Hamburger Tierpark Hagenbeck.

Eine Aufgabe, die Westhoff wie auf den Leib geschneidert ist. Nicht nur, weil er bereits seit 2009 das Tropen-Aquarium in der Hansestadt leitete.

„Ich habe schon als Kind jeden Regenwurm und jeden Käfer aufgesammelt“, erinnert sich der 53-Jährige im Gespräch mit unserer Redaktion. Was auch kreuchte und fleuchte, der junge Guido schleppte es mit nach Hause: „Sehr zum Leidwesen meiner Eltern.“ Sein Schulpraktikum absolvierte er im Zoo seiner Heimatstadt, wo er auch sein Biologiestudium begann.

Nachdem Westhoff das Studium in Bremen beendet hatte, leitete er eine Forschungsgruppe zu Schlangen am Zoologischen Institut der Uni Bonn. Der Schlangenexperte beschäftigte sich dabei unter anderem mit Speikobras. Nach mehreren Auslandsaufenthalten landete der begeisterte Taucher im Tropen-Aquarium in Hamburg.

Als Zoologischer Direktor ist Westhoff dafür zuständig, die Tierhaltung nach den neuesten Richtlinien und Vorgaben zu optimieren. Er koordiniert im Team die Zuchtprogramme und plant neue Gehege und Attraktionen.

Im ehrwürdigen Tierpark Hagenbeck ist dabei auch ein besonderer Blick auf die Architektur zu beachten. „Wir sind ein denkmalgeschützter Tierpark“, betont der Zoologe. Der Hamburger Zoo war der erste seiner Art, der Tiere in naturnaher Umgebung und ohne Zäune zeigte, die Sichtachsen im Gelände sind für Westhoff bis heute etwas ganz Besonderes.

Der stetige Austausch mit anderen Zoos und Wissenschaftlern ist für Westhoff – der auch an der Uni Hamburg lehrt – unverzichtbar. Schließlich entwickeln sich die Anforderungen an die Tierhaltung stets weiter. „Früher hat man Tiere einfach gefangen und in Käfigen ausgestellt“, so der 53-Jährige.

Welche Bedürfnisse Tiere in Zoos tatsächlich haben, sorge auch heute bei Besuchern ab und zu für Missverständnisse wie zum Beispiel: „Der Eisbär hat ja gar kein Eis im Gehege.“ „Aber Eisbären brauchen Packeis, weil sie dort Robben jagen – nicht, weil sie gern kalte Füße haben“, betont Westhoff. „Auch in der arktischen Heimat der Bären zeigt das Thermometer im Sommer 20 Grad an.“

Dass sich die Tiere wohlfühlen, beweise auch der Zuchterfolg bei Hagenbeck– wie zum Beispiel in der außergewöhnlichen Elefantenherde.

„Auch unsere Walrosszucht ist einzigartig“, betont Westhoff. Auch auf die Zuchterfolge bei den chinesischen Krokodilschwanzechsen im Aquarium ist der Zoologe stolz.

Längst sind Zoos keine reinen „Unterhaltungseinrichtungen“ mehr, sondern dienen auch dem Arterhalt und der Forschung. Auch der Kontakt der Besucher zu den Tieren ist für Westhoff weiter eine zentrale Aufgabe:.

„Es gibt Untersuchungen, dass Menschen, die häufiger in den Zoo gehen, sich mehr für Artenschutz interessieren. Wer Tiere selbst beobachten kann, entwickelt Empathie – auch für Fische, Reptilien oder Insekten. Angesichts des Artensterbens und des Verlustes unserer Biodiversität ist das dringender denn je“, so Westhoff.

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