Bildung
Nach einem halben Jahr kehrt Schulschiff nach Emden zurück
Das „schwimmende Klassenzimmer“ ist wieder in Emden eingelaufen. Auf dem Großsegelschiff „Pelican of London“ waren 35 Schülerinnen und Schüler zweimal über den Atlantik gefahren.
Emden - Es herrscht Gänsehaut pur, wenn der Großsegler „Pelican of London“ in den Emder Hafen einläuft und die Schülerinnen und Schüler, viele stehen in der Schiffs-Takelage, ihre Lieder anstimmen. Die Eltern, Geschwister und Freunde am Kai schwenken die Willkommens-Fahnen. Es wird geknipst, was die Kameras hergeben. Die 35 Jugendlichen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die meisten sind 15 oder 16, waren immerhin rund ein halbes Jahr auf hoher See.
An diesem Sonntagnachmittag hatte das Schul-Segelschiff wieder in Emden angelegt. Von den Gänsehaut-Momenten hatte sich diese Zeitung schon im vergangenen Jahr überzeugen können. Da war das in Corona-Zeiten wohl einzige „durchgängig geöffnete Klassenzimmer“, wie es die Verantwortlichen des „Ocean Colleges“ (also in etwa der Ozean-Schule) beschrieben, zurückgekehrt. Ihr normales Schiffsabenteuer war durchzogen mit wechselnden Quarantäne- und Testbestimmungen der angelaufenen Länder, kurzfristig umgelegte Routen und zuletzt vier durchgängigen Wochen an Bord, weil Kuba nicht angelaufen werden konnte. Auch in Emden hatte es damals noch strengere Vorschriften gegeben - sobald die Jugendlichen von Bord kamen, musste sie wie ihre wartenden Angehörigen, Masken aufsetzen. Eine Übernachtung in Emden war verboten, sie mussten sofort abreisen.
Schulschiff kostet einiges
Ende September war die Gruppe zusammen mit einer achtköpfigen Crew von Kiel aus zu dem Törn aufgebrochen. Die Reise führte sie über die Kanaren bis nach Kolumbien und durch den Panamakanal nach Costa Rica. Danach ging es zurück Richtung Europa über die Bahamas, die Azoren und Den Haag bis nach Emden. Auch drei Lehrerinnen und Lehrer waren an Bord, sie kümmerten sich um den Unterricht im schwimmenden Klassenzimmer. In der „Schule unter Segeln“ soll laut dem Ocean College Fachunterricht mit Praxis verbunden werden. Beispielsweise werden Mathematik und Geografie mit einer nautischen Ausbildung verbunden. Die Schüler steuern ihre Bark teils selbstständig. In den Naturwissenschaften wird der Atlantische Ozean mit in den Unterricht einbezogen.
Mit 25 000 Euro ist die Schule auf See nicht billig. Laut dem Ocean College sei die Nachfrage aber groß. Im kommenden Herbst sollen deshalb erstmals zwei Schiffe auf Reise gehen. In Deutschland gibt es auch noch weitere Angebote für junge Leute, das Segeln auf einem traditionellen Großsegler zu lernen - etwa auf der „Alexander von Humboldt II“ (Heimathafen Bremerhaven) oder der „Roald Amundsen“ (Heimathafen Eckernförde).
Laut der Live-Schiffskarte „Marine Traffic“ befindet sich der Großsegler noch im Emder Hafen. Er liegt am Nordkai. Wie lange es dort noch bleibt, ist aber nicht bekannt.
Mit Material von der dpa