Eigenheim
Warten aufs Traumgrundstück?
Wer in den Friedeburger Ortschaften bauen will, muss geduldig sein. Die Liste der Bauwilligen ist lang, aber irgendwie ist der Wurm drin: In Marx sind jetzt erstmal die Archäologen am Zug.
Friedeburg - Wenn es um die Zukunft geht, hat die Gemeinde Friedeburg Sand im Getriebe: Denn wer hier bauen will, der findet oft nicht das Traumgrundstück. Seit Jahren orientieren sich Bauwillige, die eigentlich gern in den Friedeburger Ortschaften bleiben wollen, um: nach Wiesmoor, Wittmund oder Friesland. Friedeburg ist flächenmäßig groß, die Anzahl der Nachbarn mit großen Baugebieten ist es auch. Das erhöht den Druck, ändert aber auch nichts. „Wir können keine geeigneten Flächen ankaufen“, klagt Friedeburgs Bürgermeister Helfried Goetz (parteilos).
Was und warum
Darum geht es: Archäologische Grabungsstätte statt Baugebiet: In der Gemeinde Friedeburg ist in Sachen Bauland der Wurm drin.
Vor allem interessant für: potenzielle Eigenheimbesitzer und alle, die sie für Ostfriesland Wohnungsmarkt interessieren
Deshalb berichten wir: Der Wunsch nach den eigenen vier Wänden ist bei vielen groß. Allerdings wird es zunehmend schwieriger, diesen zu verwirklichen. Neben Baustoffen ist zuweilen auch das Bauland knapp. Die Autorin erreichen Sie unter: s.ullrich@zgo.de
Wenn aber doch, dann läuft es trotzdem nicht rund: Statt das neue Marxer Baugebiet Börgerhörn zu erschließen und die etwa 40 Grundstücke an Interessenten abzugeben, muss die Verwaltung jetzt erst einmal den Archäologen der Ostfriesischen Landschaft das Feld überlassen, die dort historische Siedlungsstrukturen vermutet hatten. Bei einer ersten Bodenuntersuchung haben sie im März bereits mittelalterliche Arbeitsstätten entdeckt. Mit genauen Aussage dazu, was die Archäologen dort aus den 14.000 Jahren Besiedlungsgeschichte Ostfrieslands zu finden hoffen, ist Chef-Archäologin Dr. Sonja König zurückhaltend. „Die Funde weisen auf technische Stätten und Produktion hin“, sagt sie. Sie nennt die Möglichkeit, das mit Feuer gearbeitet und Lehm verziegelt wurde. Wenn die Gemeinde es wünsche, werde ihr Team das Areal untersuchen. Detail zum zeitlichen Ablauf müsse man erst erarbeiten. König macht aber deutlich, dass es dauern wird; „Es ist eine große Fläche. Und es gibt mehrere Strukturen.“
Bauherren müssen warten – oder ausweichen
Erschließung und Verkauf der Grundstücke verzögert sich um mindestens sechs Monate, schätzt Roland Abels, Fachbereichsleiter Planung bei der Gemeinde Friedeburg. Wer also hier bauen will – und die Liste der potenziellen Käufer ist für alle Ortschaften lang – braucht Geduld. Die zweifelsohne spannenden Funde könnten für Bauherren damit zur Hürde auf dem Weg zum Traumhaus werden. Denn Geduld haben viele nicht. Die niedrigen Zinsen und steigende Baukosten treiben potenzielle Bauherren zur Eile an. Besonders beliebt ist darum beispielsweise die Stadt Wiesmoor: Die nämlich ist sehr fleißig beim Ausweisen neuer Baugebiete. Sie wächst, hat mittlerweile die 14.000-Einwohner-Marke im Blick. Etwa die Hälfte der Bauwilligen kommt von außerhalb der Stadt, schätzt Hanna Schoon von der Wiesmoorer Stadtverwaltung kürzlich im Gespräch mit dieser Zeitung.
Das Leben auf dem Land ist gefragt. Das zeigen nicht zuletzt die Grundstücksmarktdaten 2022 der Gutachterausschüsse für Grundstückswerte in Niedersachsen: Der Immobilienmarkt in Niedersachsen fuhr mit insgesamt 28,7 Milliarden Euro Rekordgewinne ein. Das lässt sich auch auf den großen Anteil der verkauften Bauplätze zurückführen: „In dörflichen Lagen“ lag der bei 59 Prozent. Im Vergleich dazu war laut der Analyse vor zehn Jahren der Anteil noch bei 40 Prozent. In Marx muss sich erst noch zeigen, wie gefragt das 4,5 Hektar große Bauland am Ende bei den Käufern sein wird. Die Grabungen kosten nicht nur Zeit, sie kosten auch Geld. „Die trägt die Gemeinde“, erklärt Abels. Für Friedeburg Neuland: Wie teuer es wird, wisse man noch nicht.
Gemeinde reicht Kosten an Käufer weiter
Das heißt aber auch, dass letztendlich der Quadratmeterpreis für die Käufer steigt. Das könnte die Erschließungspläne sogar platzen lassen. „Wir müssen schauen: Lohnt es sich überhaupt, das Wohngebiet zu erstellen“, gibt Abels zu bedenken. Einen Lichtblick gibt es in Reepsholt: Auch dort hatte es bei zwölf von der Gemeinde erschlossenen Bauplätzen am Sonnenblumenweg zunächst Startschwierigkeiten gegeben: Die Entwässerung war schwierig, zuletzt hatte die Namensgebung für Diskussionen gesorgt. Nach Ostern sollen die Erschließung und Vergabe beginnen. In unmittelbarer Nähe hat die Gemeinde jetzt zudem die planerischen Voraussetzungen für einen privaten Investor geschaffen, der circa 15 weitere Grundstücke abgeben will.
In anderen Ortschaften aber bleibt es schwierig: Der Bedarf ist laut Abels in den beiden größten Dörfern Friedeburg und Horsten am größten. Bauland gibt es nicht, nur Baulücken. Hier setzt die Gemeinde vermehrt den Hebel an, um Bauwilligen zu ihrem Traumgrundstück zu verhelfen. Durch eine sogenannte Innenbereichssatzung können Flächen im Außenbereich einbezogen werden. „Meistens sind das Grünlandflächen“, erläutert Abels. Klassisch sei eine einseitige Bebauung an einer bestehenden Straße. Bezieht man die gegenüberliegende Straßenseite mit ein, entstehen potenzielle Baugrundstücke.