Versorgung

Ukraine-Krieg: Zentralklinik-Planer denken um

Ole Cordsen
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Von Ole Cordsen
| 05.04.2022 07:52 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
So sehen die bisherigen Pläne für die Energiezentrale der Zentralklinik aus. Entwurf: Trägergesellschaft
So sehen die bisherigen Pläne für die Energiezentrale der Zentralklinik aus. Entwurf: Trägergesellschaft
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Krieg in der Ukraine, Sanktionen gegen Russland und die unsichere Zukunft der Gasversorgung lassen die Planer der Zentralklinik in Uthwerdum umdenken. Wie wollen sie aber das Energiekonzept umstellen?

Uthwerdum/Moordorf - Im kommenden Jahr soll mit dem Bau des neuen Zentralklinikums in Uthwerdum begonnen werden, das 2028 in Betrieb gehen soll. Aktuell führt allerdings der von Wladimir Putin befohlene Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine indirekt zu Veränderungen bei den Planungen. Konkret geht es um die Frage, wie und vor allem mit welchem Energieträger die Gebäude künftig beheizt werden. Das sagte Claus Eppmann, Chef der Klinik-Trägergesellschaft, am Donnerstag bei einem Vortrag zur Planungssituation in der Sitzung des Südbrookerlander Gemeinderats in Moordorf.

Bisher seien die Planungen für die als eigener Gebäudetrakt geplante Energiezentrale des Klinikums „sehr erdgaslastig“, sagte Eppmann. Er war Gast in der Sitzung, weil das Gremium noch über einen Änderungsantrag für den bestehenden Bebauungsplan beschließen sollte, und umriss daher noch einmal die groben Planungen für das 814-Betten-Haus.

Wasserstoff als neuer Energieträger?

Der „schreckliche Krieg“, bei dem „wohl alle sich gewünscht hätten, dass uns diese Bilder erspart geblieben wären“, führe auch im Klinik-Planungsstab nun zu Überlegungen, wie man die Versorgung der Klinik unabhängiger von Erdgas und damit von möglichen Importen aus Russland aufstellen könnte. Infolge der Sanktionen gegen Russland ist einerseits die Versorgung unsicherer geworden, zugleich gibt es auch Forderungen, sich grundsätzlich von der Gas-Einfuhr aus Russland zu lösen. „Auf diese sich deutlich verändernde Situation müssen wir reagieren“, sagte Eppmann.

Auf der Homepage der Trägergesellschaft heißt es, man favorisiere generell die sogenannte Eigenversorgung. Geplant ist unter anderem „ein Blockheizkraftwerk, das technisch vorbereitet ist für einen möglichen Wasserstoffbetrieb, sowie Photovoltaikanlagen für den Strombedarf“. Die für einen Krankenhausbetrieb essenzielle Notstromversorgung solle nicht über ein Heizöl-Aggregat erfolgen, sondern über ein Batteriespeichersystem. Wie die Trägergesellschaft jetzt auf Nachfrage mitteilte, wäre nun beispielsweise denkbar, die bereits vorbereitete Planung „eines wasserstoffbasierten Systems“ direkt umzusetzen. Gaslastig bliebe auch dieser Entwurf, allerdings wird insbesondere im Nordwesten Wasserstoff als Energieträger der Zukunft hoch gehandelt: Mehrere große Anlagen, in denen Wasser mithilfe von überschüssigem Windstrom aufgespalten wird in Wasser- und Sauerstoff, sind bereits in Planung.

Wird der Bau dadurch teurer?

Für die kürzlich eingereichten Förderanträge, in denen die Planungen eigentlich schon „bis zur letzten Steckdose“ beschrieben seien, hoffe man auf einen Bescheid noch in dieser Legislaturperiode, also bevor sich nach den Wahlen im Oktober Kräfteverhältnisse und Regierungskoalitionen im Landtag in Hannover ändern könnten, so Eppmann. Allerdings ließen die aktuellen Planungen solche Änderungen noch binnen zwei Jahren zu – und das erweise sich jetzt als richtig.

Doch könnte eine Umstellung der Energieversorung – etwa indem das Blockheizkraftwerk mit Wasserstoff statt Erdgas betrieben wird – auch dazu führen, dass Planung, Bau und Betrieb teurer werden? „Bei der Erarbeitung des Energiekonzeptes für die Zentralklinik stehen Aspekte der Nachhaltigkeit und Wirtschaftlichkeit im Fokus“, teilte die Trägergesellschaft mit. „Ob dies eine Kostenrelevanz in die eine oder andere Richtung haben wird, lässt sich erst sagen, wenn es tatsächlich zu einer Planungsänderung kommen sollte. Insbesondere beim Energiekonzept geht es dabei auch immer um eine ganzheitliche wirtschaftliche Betrachtung, die nicht nur die Investitions-, sondern auch die Betriebskosten berücksichtigt. Die geschätzten reinen Baukosten belaufen sich aktuell auf rund 720 Millionen Euro.

Im Änderungsbeschluss für den Bebauungsplan ging es kurz gesagt darum, dass vom Gelände des Zentralklinikums zusätzlich ein Fuß- und Radweg ans Baugebiet an der Puntereistraße errichtet werden soll, der Uthwerdumer Vorfluter nach Norden verlegt werden soll und darum, dass die Gebiete für die Straßenanbindung des Klinikums nun in den Bebauungsplan integriert werden. Das Gremium beschloss die Planänderung bei einer Enthaltung einstimmig.

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