Digital total
IT-Sicherheit geht uns alle etwas an
Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal pro Woche eine Kolumne. Dienstags geht es um Digitales.
Ich war in der vergangenen Woche mal wieder auf einer IT-Sicherheitsmesse und habe mich da viel mit Leitern von Firmen und Behörden über die Sicherheitspolitik im digitalen Raum unterhalten. Wenn man den Experten von Sicherheitsfirmen und von Behörden wie dem Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik (BSI) so zuhört, ist das große Problem der IT-Sicherheit in Deutschland der Mittelstand. Wenn man von Firmen in Deutschland spricht, spricht man in neun von zehn Fällen von kleinen und mittelständischen Unternehmen – und viele von diesen haben eklatante Defizite bei ihrer IT-Sicherheitsstrategie. Oder sie haben gar keine. Vor allem Ransomware-Angriffe, bei denen Geld erpresst werden soll, führen dann schnell dazu, dass Firmen tage- oder wochenlang nicht arbeiten können, was für viele kleinere Unternehmen schnell existenzbedrohend sein kann.
Trotzdem glaube ich, dass wir eher als gesamte Gesellschaft ein IT-Sicherheitsproblem haben. Das ist kein spezifisches Problem der kleineren und mittleren Unternehmen und es tritt auf der ganzen Welt auf. Wir nehmen IT-Sicherheit einfach nicht ernst genug und wollen uns oft nicht damit beschäftigen. Auch bei Großunternehmen und Behörden wird lieber extern eine „Lösung“ eingekauft, als selbst in Aus- und Weiterbildung zu investieren.
Da darf man sich dann auch nicht wundern, wenn Jugendliche es schaffen, Facebook und Apple dazu zu kriegen, höchst private Nutzerdaten rauszugeben, weil sich die jungen Hacker erfolgreich mit gefälschten Briefen als Polizeibeamte ausgeben. Oder wenn Sicherheitsforscher sich auf ähnlichem Wege als Apotheker ausgeben und dann digitale Impfpässe ausstellen können.
Wir bauen uns gerade eine wunderschöne, digitale Welt. Das ganze Gebilde auf sichere Füße zu stellen, ist uns aber zu anstrengend. Wir wollen uns selbst nicht damit beschäftigen, wie das alles funktioniert. Diese Einstellung wird uns noch gehörig in den Allerwertesten beißen.
Kontakt: kolumne@zgo.de
Zur Person
Fabian Scherschel (37), geboren in Duisburg und nun in Düsseldorf lebend, arbeitete bis 2019 als Redakteur für das Tech-Portal Heise-Online und für die Tech-Newsseite „The H“ in London. Als Freiberufler schreibt er unter anderem für das Magazin „c’t“. Mittlerweile hat der begeisterte Podcaster sein eigenes Projekt: fab.industries. Fernseh- und Radiosender schätzen ihn als Experten.
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