Fußball

Kickers-Heimspiel-Premiere macht Lust auf mehr

| | 03.04.2022 18:18 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Gerade einmal nach 66 Spielsekunden konnte Ayo Adeniran das 1:0 für Kickers Emden erzielen. Dabei profitierte er von einem Patzer eines FT-Spielers. Fotos: Wagenaar
Gerade einmal nach 66 Spielsekunden konnte Ayo Adeniran das 1:0 für Kickers Emden erzielen. Dabei profitierte er von einem Patzer eines FT-Spielers. Fotos: Wagenaar
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Die Sonne scheint über Emden – nach dem 2:0 von Kickers auch in sportlicher Hinsicht. Entsprechend zufrieden äußern sich der frisch gebackene Nationalspieler sowie der spielendscheidende US-Amerikaner.

Emden - Sie sangen, sie sprangen, sie zündeten Licht- und Rauchfackeln. Auch Minuten, nachdem mit Mittelfeldmann Matthias Goosmann einer der letzten Kickers-Akteure nach der Partie im Spielertunnel verschwunden war, feierten die Fans im Block 5 ihren BSV Kickers Emden. Sie waren zufrieden mit dem, was sie zuvor von ihrer Mannschaft gesehen hatten. Die Heimspielpremiere im Jahr 2022, 111 Tage nach dem letzten Auftritt des Fußball-Oberligisten im Emder Ostfriesland-Stadion, war geglückt. Dank Doppelpacker Ayo Adeniran gewannen die Mannen von Trainer Stefan Emmerling mit 2:0 gegen die FT Braunschweig und verteidigen damit die Tabellenführung der Aufstiegsrunde zur Regionalliga.

Spieldaten

Kickers: Wetzel – Jabbie, Dassel, Eilerts – Goosmann, Sillah – Visser (68. van der Werff), Steffens, Wulff, Konda (68. Braun) – Adeniran (86. Bamezon)

Tore: 1:0/2:0 Adeniran (2./37.)

Dabei ging es gleich Schlag auf Schlag. Manch einer der 724 Zuschauer hatte gerade einmal die Wasserpfütze, die sich in der Winterpause auf den Sitzschalen der Tribüne gebildet hatte, weggewischt und sich hingesetzt, da durfte er bereits jubeln. Denn nach 66 Sekunden traf Ayo Adeniran unter kräftiger Mithilfe des Gegners zur 1:0-Führung der Emder. Der US-Amerikaner sah, dass Braunschweigs Marvin Fricke am eigenen Strafraum einen Querpass spielen wollte, und hielt sein rechtes Bein dazwischen. Von diesem aus trudelte der Ball – weil sich Torwart Ken Marko Venancio rechts vom Tor als Anspielmöglichkeit anbot – in den verwaisten Kasten.

Der Jubel nach dem 2:0. Torschütze Ayo Adeniran (Nummer 12) wird von seinen Mitspielern geherzt.
Der Jubel nach dem 2:0. Torschütze Ayo Adeniran (Nummer 12) wird von seinen Mitspielern geherzt.

Mehr Risiko bei Standards wird belohnt

Der BSV drängte auf den zweiten Treffer und störte die verunsichert wirkenden Braunschweiger früh. Die Folge: zahlreiche Torchancen. Doch Tido Steffens und Heiko Visser zielten zu hoch (jeweils 3. Minute). Holger Wulff wurde bei seinem Abschluss geblockt (7.). Im Gegenzug kam die Freie Turnerschaft zum ersten von zwei Torschüssen an diesem Tag, die jedoch jeweils das Tor verfehlten. Bei einer Ecke in der elften Minute, nach der Bastian Dassel links vorbei schoss, sangen die Emder Fans im Block 5 das erste Mal: „Auf geht’s, Kickers schieß ein Tor.“ Bevor sie aber den zweiten Emder Treffer bejubeln konnten, sahen sie erst weitere vergebene Chancen ihrer Mannschaft sowie mehrere eher harmlose Standards.

Nach einer dieser forderte Kickers-Coach Stefan Emmerling „mehr Risiko“ von Schütze Holger Wulff. Der erste folgende Freistoß kam zwar deutlich zu kurz, doch die darauffolgenden Ecken nah vors Tor sorgten für Gefahr. So fiel auch das 2:0. Der Ball sprang nach der Wulff-Hereingabe einmal im Fünfmeterraum auf und der am zweiten Pfosten stehende Adeniran sagte zum zweiten Mal an diesem Tag „Danke“. Mühelos drückte er den Ball über die Torlinie. „Ich habe in meiner Karriere schon schwierigere Tore gemacht“, sagt der Mann des Tages, der erstmals für Kickers doppelt getroffen hatte, nach der Partie. „Aber es ist egal, wie ein Tor fällt. Hauptsache wir gewinnen. Das waren wichtige drei Punkte“, ordnet der 29-Jährige ein.

Als laufstarker Abräumer brillierte Matthias Goosmann. Gleich mehrmals war er in entscheidenden Szenen den berühmten Tick eher am Ball als sein Gegenspieler.
Als laufstarker Abräumer brillierte Matthias Goosmann. Gleich mehrmals war er in entscheidenden Szenen den berühmten Tick eher am Ball als sein Gegenspieler.

Rückkehrer Sillah hat „einfach Spaß“

Kickers führt die Aufstiegsrunde – dank des dritten Zu-Null-Sieges im dritten Spiel – nun weiter an. „Nach der Vorbereitung hatten wir uns so einen Start zwar gewünscht, wirklich vorstellen konnten wir es uns aber nicht“, gestand selbst Trainer Stefan Emmerling. „Nun sind wir die Mannschaft, die gejagt wird.“ Auch die Partie gegen Braunschweig sei „kein Selbstläufer“ gewesen, führte er fort. „Wir waren aber von Anfang an klar die dominante Mannschaft und haben verdient gewonnen.“ Das sah auch Gäste-Trainer Stefan Riedel so. Er beklagte „diverse Ausfälle“, auf die er aber nicht näher eingehen wollte. Aufgrund der Umstände würde sein Team trotz der Niederlage „erhobenen Hauptes“ gen Heimat fahren. „Wir hatten eine nette Zeit hier und kommen gerne wieder.“

Die Highlights der Begegnung

Apropos wiederkommen. Nach Ibrahim Sillahs Rückkehr von der Nationalmannschaftsreise mit dem Team von Sierra Leone genügte für Trainer Emmerling eine absolvierte Trainingseinheit, um den Muskelprotz direkt wieder in die Emder Startformation zu spülen. Sillah brauchte gegen Braunschweig allerdings etwas Eingewöhnungszeit. Im zweiten Durchgang – den Kickers zwar klar bestimmte, einen höheren Sieg trotz mehrerer Chancen aber vergab –– brachte Sillah dann gewohnt seine Stärken im Zweikampf- und Umschaltverhalten ein. „Ich bin sehr glücklich“, sagte Sillah, der an diesem Montag seinen 27. Geburtstag feiert, nach dem Spiel. „Ich bin stolz auf die Leistung der Mannschaft. Es macht einfach Spaß mit den Jungs.“ Spaß trotz der nur fünf Grad Celsius hatten auch die Zuschauer – wegen des gelungenen Auftritts der Kickers-Mannschaft. Das belegen die minutenlangen Gesänge nach dem Spiel. Unter anderem „Spitzenreiter, Spitzenreiter, hey, hey“, grölten die Anhänger. Allzu gerne würden sie dieses auch nach dem letzten Aufstiegsrunden-Heimspiel am 11. Mai gegen Lupo-Martini Wolfsburg anstimmen. Lust auf mehr hat die erste Aufstiegsrunden-Partie im Ostfrieslandstadion auf jeden Fall gemacht.

Das Spiel in voller Länge

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