Inklusion

Wie ein ganzes Team von Menschen mit Handicap profitiert

Tatjana Gettkowski
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Von Tatjana Gettkowski
| 03.04.2022 11:57 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Carsten Hauschke, Abteilungsleiter der Lebenshilfe (von links), Andreas Cramer, Geschäftsführer des Altenzentrums Rheiderland und Dennis Haase vom Küchenteam sind mit dem Start der Großküche zufrieden. Foto: Gettkowski
Carsten Hauschke, Abteilungsleiter der Lebenshilfe (von links), Andreas Cramer, Geschäftsführer des Altenzentrums Rheiderland und Dennis Haase vom Küchenteam sind mit dem Start der Großküche zufrieden. Foto: Gettkowski
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Wenn Menschen mit Handicap zum Mitarbeiterteam gehören, kann das eine Bereicherung für alle sein. In Weener profitieren nicht nur die Bewohner des Altenzentrums Rheiderland von der Zusammenarbeit.

Weener - Der Arbeitsalltag von Dennis Haase ist abwechslungsreich. Mit seinem „rollenden Bufett“ erfüllt er morgens die Frühstückswünsche der Senioren im Altenzentrum Rheiderland. Und bevor er mit dem E-Bike zu seinem nächsten Einsatzbereich zur Essensausgabe der Grundschule Stapelmoor fährt, bereitet er noch Pudding als Nachtisch fürs Mittagessen zu. „Mir macht hier eigentlich alles Spaß“, sagt der 29-Jährige, „ich fühle mich hier wohl, weil man mich hier herzlich aufnimmt.“

Was und warum

Darum geht es: Die Leeraner Lebenshilfe hat die Großküche des Altenzentrums Rheiderland übernommen. Zum Team gehören auch Menschen mit Handicap. Ein junger Mann erzählt uns von seinem Arbeitsalltag.

Vor allem interessant für: Eltern von Schulen und Kindergärten im Rheiderland, Bewohner des Altenzentrums und Menschen, denen Inklusion wichtig ist.

Deshalb berichten wir: Wir wollten wissen, wie die Zusammenarbeit mit Menschen mit Handicap im Berufsleben klappt.

Die Autorin erreichen Sie unter: t.gettkowski@zgo.de

Der Weeneraner hat ein geistiges Handicap und gehört zum Mitarbeiterteam der Großküche im Altenzentrum. Anfang des Jahres hat die Lebenshilfe Leer die Küche übernommen. Seitdem werden von dort aus nicht nur die Bewohner des Altenzentrums versorgt. Auch das Essen fürs Mittagsangebot der Krippen, Kindergärten und Schulen im Rheiderland kommt jetzt von dort. „Wir bereiten 600 Essen täglich zu“, berichtet Dennis Haase.

Im zweiten Anlauf zum Traumjob

Mit dem Traumjob hat es bei ihm erst im zweiten Anlauf geklappt. „Ich habe erst in der Holzabteilung der Lebenshilfe gearbeitet, aber da hat es mir nicht gefallen.“ Dann schnupperte er ins Küchenteam der Lebenshilfe hinein. „Das war genau das richtige für mich.“ Das Kochen macht ihm so viel Spaß, dass er zu Hause ab und zu für seine Eltern kocht. Inzwischen arbeitet er seit mehr als zehn Jahren ganz selbstständig in der Lebenshilfeküche mit – erst in Leer, nun in seinem Heimatort Weener.

Dennis Haase gehört zum Mitarbeiterteam in der Großküche im Altenzentrum Rheiderland. Foto: Gettkowski
Dennis Haase gehört zum Mitarbeiterteam in der Großküche im Altenzentrum Rheiderland. Foto: Gettkowski

„Der Vorteil ist, dass ich jetzt mit dem Fahrrad zur Arbeit fahren kann“, erzählt er. Sonst habe ihn sein Vater auf dem Weg zur Arbeit mit nach Leer genommen. Mit seinem neuen Arbeitsort hat Haase auch eine zusätzliche Aufgabe im Services des Altenzentrum hinzubekommen. Eine neue Herausforderung, die der 29-Jährige locker meistert. Bei den älteren Bewohnern des Altenzentrums ist der junge Mann beliebt, weil er immer ein paar nette Worte für sie übrig hat. „Ich habe ja auch privat mit älteren Leuten zu tun. Mein Opa ist 92 und meine Oma 88. Ich besuche sie fast jeden Tag.“

Offenes Restaurant-Angebot geplant

In der Großküche fühlt Haase sich ebenfalls wohl. „Hier in Weener ist viel mehr Platz.“ Um die Räume an die aktuellen Anforderungen anzupassen, hat der Diakonieverband nach den Worten von Andreas Cramer, Leiter des Altenheims, 150.000 Euro in die Kücheneinrichtung investiert. Im Sommer gibt es wieder ein Restaurant-Angebot für jedermann. Wie schon vor der Pandemie. „Vor allem sonntags wurde das gut angenommen“, so Cramer. Etwa 20 Stammgäste hätten das Angebot regelmäßig angenommen. Durch die Übernahme der Küche von der Lebenshilfe soll das Angebot sogar noch weiter ausgebaut werden. „Dann können wir auch Catering anbieten.“

Aktuell sind dort 18 Mitarbeiter beschäftigt, darunter fünf Menschen mit Behinderung. Insgesamt sollen noch sechs weitere hinzukommen. „Alle Mitarbeiter sind ein Team. Man merkt da keinen Unterschied“, sagt Carsten Hauschke. Er ist seit 2014 als Abteilungsleiter für den Küchenbereich der Lebenshilfe zuständig und hält die Inklusion in diesem Arbeitsbereich für geglückt. „Ich kann mich nur an einen einzigen Fall erinnern, wo ein Schüler bei der Essensausgabe mal eine abfällige Bemerkung über einen Mitarbeiter mit Handicap gemacht hat“, sagt Hauschke. Der Schüler habe eine Woche lang Mensaverbot gehabt.

Positive Stimmung im Team

Hauschke selbst ist durch Zufall bei der Lebenshilfe gelandet. „Großküchenerfahrung hatte ich nicht.“ Er hatte zuvor hauptsächlich als Koch für große Restaurants und Hotels in der Region gearbeitet. „Die Arbeit mit diesem Team macht einfach Spaß“, sagt der 41-Jährige und meint damit auch Dennis Haase: „Er verbreitet einfach eine positive Stimmung, weil er immer gut gelaunt ist.“

Mäkelige Schüler könnten ihm aber auch mal die Laune vermiesen, räumt Dennis Haase ein. „Die einen wollen kein Gemüse essen, den anderen schmeckt das Fleisch nicht“, sagt er, „ich muss immer unheimlich viel wegschmeißen. Das finde ich traurig.“

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