Bildung
Heftiger Schulstreit – trotz Einigkeit im Rat
Alle Ratsfraktionen in Südbrookmerland wollen, dass die FCSO eine Zweigstelle in den Räumen der Haupt- und Realschule Moordorf eröffnet. Über den Weg dorthin gab es nun aber erbitterten Streit.
Moordorf - Soll die Freie Christliche Schule Ostfriesland (FCSO) sich in den Räumen der vor der Schließung stehenden Haupt- und Realschule in Moordorf einmieten dürfen? Und wie schnell und wie klar kann man ihr signalisieren, dass sie willkommen ist? Im Grundsatz waren sich alle im Rat der Gemeinde Südbrookmerland einig, doch trotz ihrer eigentlichen Einigkeit gab es am Donnerstag in Moordorf emotionale Kontroversen: Im Streit über das Vorgehen bekundeten die Fraktionschefs Hange Ukena (SPD/Linke) und Georg Wegener (Gründe/SBL), künftig nicht mehr an interfraktionellen Treffen der Verwaltung teilzunehmen. Darin werden aktuelle Themen diskutiert und wird Konsens für politische Entscheidungen gesucht.
„Das ist für uns kein offener Austausch, da geht es ums Aufdrängen von Meinungen“, wetterte Ukena. Ähnlich äußerte sich Georg Wegener (Grüne/SBL). Die Verwaltung teilte am Freitag mit, man bedauere dies sehr.
„Vor Ostern endlich aufhören rumzueiern“
Die Fraktionen SPD/Linke und Grüne/SBL waren vorgeprescht, wollten einen Grundsatzbeschluss pro FCSO herbeiführen, „damit wir vor Ostern endlich aufhören rumzueiern“, wie SPD/Linke-Fraktionschef Hange Ukena es nannte. Es sei viel zu viel Zeit vertrödelt worden. Und Eltern wollten schnellstmöglich Planungssicherheit. Mit dem Beschluss wolle man ein klares Willkommens-Signal gegenüber den Schulverantwortlichen zeigen und vor einer endgültigen Entscheidung Details parallel weiter aushandeln. Immerhin 434 Unterstützerstimmen für die Ansiedlung der FCSO – rund 300 aus Südbrookmerland, weitere etwa 130 aus umliegenden Gemeinden – hatten Eltern binnen einer Woche bei einer privaten Umfrage gesammelt.
Eine Ratsmehrheit aus den Fraktionen der Freien Wählergemeinschaft und der Gruppe CDU/FDP stimmte mit 17 zu 14 Stimmen mehrheitlich gegen den Grundsatzbeschluss. Beide Gruppen votierten für den Vorschlag der Verwaltung, erst die Ergebnisse der Elternbefragung, die seit diesem Freitag ausgewertet wird, und die weiteren Gespräche abzuwarten.
„Wollen in Ruhe weiterarbeiten“
Dies ist auch die Haltung der FCSO-Verantwortlichen selbst: „Wir können erst eine Entscheidung treffen, wenn wir belastbare Zahlen und Fakten haben. Wir wollen wissen, wie groß das Interesse an unserer möglichen Ansiedlung ist und die Elternbefragung ausgegangen ist. Wir müssen ja abschätzen, ob das Ganze auch für uns Sinn ergibt“, , sagte der Vorstandssprecher des FCSO-Trägervereins, Konrad Huismann. Man wolle in keiner Weise Druck auf die Politik ausüben und Entscheidungen beeinflussen. Ende April gibt es eine Info-Veranstaltung in Veenhusen. „Da werden wir Eltern, deren Kinder in die 5. Klasse kommen, anbieten, ihre Kinder bei uns anzumelden – zunächst für ein Jahr in Veenhusen. Danach könnten sie nach Moordorf wechseln, wenn alles klappt und wir da dann starten. Aktuell möchten wir in Ruhe weiterarbeiten.“
Ebenso hatte auch Bürgermeister Thomas Erdwiens (FWG) argumentiert, dessen Verwaltung indes von fast allen Fraktionen wie auch von einer Reihe von Eltern öffentlich für ihren Fragebogen abgewatscht worden war. „Irreführende, teils unverschämte Fragen“ stünden darin, schimpfte etwa Hange Ukena. Etwa, ob die Eltern der Grundschulkinder ihre Kinder an einer neuen Realschule in Moordorf anmelden würden. Was passieren würde, wenn Eltern das tatsächlich ankreuzen? Erdwiens blieb eine Antwort schuldig.
„Wir müssen uns schon sehr wundern“
Alle Fraktionen betonten, die Freie Schule Ostfriesland, die ebenfalls Interesse bekundet hatte, sei „überhaupt keine ernstzunehmende Alternative“ (Hilko Gerdes, CDU/FDP) oder eine „Nischenschule“. Doch während auch der Grüne/SBL-Gruppenchef Georg Wegener massiv für den Grundsatzbeschluss warb und dafür, „Nägel mit Köpfen zu machen“, und auch die SPD-Ratsherren Hinrich Albrecht und Stefan Kleinert leidenschaftlich für den symbolischen Beschluss warben: Die Mehrheit zog nicht mit.
„Wenn ein Plan noch nicht ausgehandelt ist, wäre es fahrlässig, den Eltern mit so einem Beschluss zu suggerieren, dass die Schule eingerichtet wird“, sagte FWG-Fraktionschef Ralf Geiken. Gerdes sagte: „Wir müssen uns schon sehr wundern, dass für SPD, Linke, SBL und Grüne ganz offensichtlich nicht so ganz wichtig ist, was und wie viele Eltern wirklich welche Lösung wollen.
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Sonst würden sie vor ihrer Entscheidung erst einmal das Ergebnis der Elternbefragung abwarten.“ Erdwiens sicherte zu, die Verwaltung arbeite schnell und zügig daran, nun zu Ergebnissen zu kommen. Er war indes der Einzige, der ein klares Bekenntnis pro FCSO vermied.