Sehenswürdigkeit

Campener Leuchtturm wieder geöffnet

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 01.04.2022 18:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
So schön rot: Der Campener Leuchtturm ist wieder für Besucher zugänglich. Foto: Wagenaar
So schön rot: Der Campener Leuchtturm ist wieder für Besucher zugänglich. Foto: Wagenaar
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Er gehört zu den Sehenswürdigkeiten der Gemeinde Krummhörn. Seit dem 1. April kann der Campener Leuchtturm wieder besucht werden. Ein paar Fakten und Hintergründe zum Bauwerk.

Campen - Wussten Sie, dass der durch Otto Waalkes berühmt gewordene Pilsumer Leuchtturm mehrere Schwestern hat? Das laut Wikipedia „bekannteste Wahrzeichen Ostfrieslands“ wurde im ausgehenden 19. Jahrhundert in Rahmen eines preußisch-niederländischen Projektes gebaut, genauso wie der Kleine Leuchtturm Borkum, der Leuchtturm Warum, der Leuchtturm Delfzijl – und der Leuchtturm Campen. Letzterer ist ab dem 1. April wieder für Besucher geöffnet.

Was und warum

Darum geht es: Besucher können wieder die 312 Stufen des „ostfriesischen Eiffelturms“ erklimmen und die Aussicht genießen.

Vor allem interessant für: Einheimische und Touristen.

Deshalb berichten wir: Seit dem 1. April ist der Campener Leuchtturm wieder für Besucher geöffnet.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Einer, der in den vergangenen Jahren viel mit dem Campener Leuchtturm zu tun hatte, ist Rainer-Jörg Oldewurtel vom Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt (WSA) Ems-Nordsee in Emden. Als leitender Ingenieur war Oldewurtel in den vergangenen drei Jahren mit der Planung und Durchführung der Instandsetzung des Turmes beauftragt. Unsere Zeitung hat mit ihm über den Stahlfachwerkturm gesprochen.

Deutschlands höchster Leuchtturm

„Der Turm hat eine Höhe von 63,5 Metern bis oben zum Blitzableiter“, so Oldewurtel. Die rund 300 Tonnen schwere Konstruktion steht auf vier Fundamenten, die bis zu 17 Meter tief ins Erdreich reichen. „Früher hatte die Ems einen anderen Verlauf“, sagt der Ingenieur. „Deswegen ist der Baugrund nicht der stabilste.“ Aber was vor mehr als 130 Jahren gebaut wurde, die Bauarbeiten begannen 1889 und wurden 1890 abgeschlossen, steht bis heute felsenfest am Deich bei Campen. Der sich nach oben verjüngende Turm hat unten eine Breite von 17 Metern. Von der Eingangstür gerechnet sind es bis zur Besucherplattform in 55 Metern Höhe genau 312 Stufen. „Wenn man die zehn Stufen bis zum Eingang und die Stufen ins Lampenhaus noch mit einrechnet, kommt man auf die oft genannten 332 Stufen“, so Oldewurtel.

Der Campener Leuchtturm ist übrigens der höchste Leuchtturm in Deutschland und ist weltweit auf Platz 14. „Wenn man überlegt, dass die Stahlteile damals mit der Bahn nach Emden und dann mit Pferdefuhrwerken nach Campen transportiert werden mussten“, sagt Oldewurtel, „dann ist das wirklich eine beachtliche Leistung.“

Er leuchtet noch

Anders als beispielsweise der Pilsumer Leuchtturm, ist das Bauwerk in Campen noch voll im Einsatz. Es dient als Tagesmarke und nachts als Leitfeuer für die Fahrt durch das Radzelgat in der Westerems. Das bedeutet: Das Licht muss leuchten. Wenn die Birne aber mal durchbrennt, was passiert dann? Muss ein Leuchtturmwärter mit Ersatzbirne die Stufen nach oben hetzen? „Nein“, sagt Oldewurtel.

Die Leuchtmittel seien wie in einem Magazin gelagert. Fällt eines aus, übernimmt sofort die nächste Lampe. Und wenn oben nachgefüllt werden muss, muss sich niemand mit den „Birnen“ die schmale Treppe nach oben quälen. „Dafür können wir eine Kranvorrichtung aufbauen, um sperrige Güter nach oben zu bekommen.“ Der Leitstrahl des Campener Leuchtturmes, der sich nicht bewegt, sondern stets in eine Richtung leuchtet, ist bei besten Wetterverhältnissen rund 30 Seemeilen weit zu sehen. Das sind – für Landratten umgerechnet – ungefähr 55 Kilometer. Das ist etwas weiter als die Luftlinie von Campen ins niederländische Stadtskanaal.

Eine eigene Briefmarke

Am 6. Juni 2019 gab die Deutsche Post eine Briefmarke, Nennwert 0,70 Euro, mit dem Campener Leuchtturm heraus. Der Entwurf stammt von den Grafikern Susanne Wustmann und Dieter Ziegenfeuter.

Wenn der Campener Leuchtturm schon so geehrt wird, dann bekommt das WSA doch garantiert viel Fanpost für den Turm, oder? „Nein, nicht wirklich“, sagt Oldewurtel und muss lachen. „Aber während der Instandsetzung hatten wir viele Anrufe aus der Bevölkerung“, erinnert er sich. Auch auf der Bank auf dem angrenzenden Deich hätten oft Menschen den Arbeiten zugesehen. „Interesse ist also auf jeden Fall da“, so Oldewurtel.

Die Instandsetzung

Dass der Campener Leuchtturm wieder in seinem Rot erstrahlt, ist der Instandsetzung zu verdanken, die rund ein Jahr von Sommer 2020 bis Sommer 2021 dauerte. Auch dazu ein paar Zahlen und Fakten: Das für die Arbeiten notwendige Gerüst hatte eine Höhe von 32 Etagen, jede davon ungefähr zwei Meter hoch. Das Gerüst aufzubauen hat rund sechs Wochen gedauert und die Konstruktion wog selbst rund 100 Tonnen.

Die wichtigste Instandsetzungsarbeit war ein neuer Schutz- und Farbanstrich für den Turm. In fünf Lagen wurden die dafür benötigten Anstriche aufgebracht. Die nun sichtbare rote Farbe kommt von der äußeren Schutzschicht. Die zu bestreichende Fläche beträgt laut Oldewurtel rund 3000 Quadratmeter – multipliziert mit fünf Schichten kommt man auf die beeindruckende Fläche von 1,5 Hektar. Das sind so ungefähr 2,1 vollbemalte Fußballfelder.

Wie oft Oldewurtel in der Zeit der Instandsetzung auf den Turm geklettert ist? „100 bis 150 Mal bestimmt“, sagt er. Außerdem sei er mit dem zu der Zeit installierten Aufzug auch noch mindestens 200 Mal nach oben gefahren. „Ich war fast täglich mindestens einmal oben.“

Die Bauweise

Das Stahlfachwerk hat dem Campener Leuchtturm den Spitznamen „ostfriesischer Eiffelturm“ gegeben. Die Bauart war damals revolutionär, der Eiffelturm besteht allerdings aus Eisenfachwerk, wurde aber fast zur gleichen Zeit wie der Campener Leuchtturm erbaut.

„Im ganzen Fachwerk findet sich keine einzige Schraube“, sagt Oldewurtel. Alle Teile seien zusammengenietet worden – per Hand. „Da ist es schon bemerkenswert, dass der ganze Turm innerhalb eines Jahres fertig war.“

Für Besucher

Der Campener Leuchtturm ist für diejenigen, die gut mit Höhe umgehen können und auch bei mehr als 300 Stufen nicht aus der Puste können, ab sofort wieder geöffnet. Täglich von 11 bis 17 Uhr kann der Turm erklommen werden. An klaren Tagen kann von der Aussichtsplattform bis nach Borkum und Emden geguckt werden.

Auf dem Gelände des Campener Leuchtturms befindet sich außerdem der Seezeichengarten, in dem Tonnen, Baken und Bojen ausgestellt und erklärt werden. Im Maschinenraum steht außerdem noch einer der Dieselmotoren von 1906, die früher den Generator des Leuchtfeuers betrieben haben.

Der Parkplatz befindet sich ein paar Meter vor dem Gelände an der Leuchtturmstraße 1 in Campen.

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