Hamburg

Kaum jemand will Impfstoff Novavax: So wenig wurde im Norden verimpft

Dirk Fisser, Tobias Schmidt, Julian Willuhn
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Von Dirk Fisser, Tobias Schmidt, Julian Willuhn
| 01.04.2022 23:59 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Dieser Mann erhält den Corona-Impfstoff Novavax: Damit ist er einer der wenigen Menschen, die sich bislang mit der Alternative zu Moderna oder Biontech haben impfen lassen. Foto: dpa
Dieser Mann erhält den Corona-Impfstoff Novavax: Damit ist er einer der wenigen Menschen, die sich bislang mit der Alternative zu Moderna oder Biontech haben impfen lassen. Foto: dpa
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Der Totimpfstoff Novavax war die große Hoffnung, die Corona-Impflücke in Deutschland doch noch zu schließen. Nach gut einem Monat aber zeigt sich: Der Impfstoff ist kaum gefragt. Geht es so weiter, werden wohl zahlreiche Dosen im Müll landen.

Egal, in welchem Bundesland man fragt, die Novavax-Bilanz fällt ernüchternd aus: In der Millionenmetropole Hamburg beispielsweise sind nach Angaben der Gesundheitsbehörde bislang nur gut 1000 Impfungen mit Novavax durchgeführt worden. Der Stadtstaat aber sitzt auf insgesamt 33.000 Dosen. In vier Monaten ist in den ersten Fällen das Mindesthaltbarkeitsdatum erreicht.

In anderen Bundesländern wurde zwar mehr Novavax verimpft, aber trotzdem sitzen die Behörden auf großen Mengen, die kaum abgefragt werden. In Mecklenburg-Vorpommern etwa sind von rund 30.000 Dosen 2320 verimpft worden. Ein Sprecher des Gesundheitsministeriums teilt mit: “Die Nachfrage bleibt deutlich hinter den Erwartungen zurück.”

Dabei hatten viele Politiker und Behördenvertreter die Hoffnung geäußert, mit Novavax vor allem solche Menschen zur Corona-Impfung zu bewegen, die den neuartigen MRNA-Impfstoffen wie dem von Biontech nicht trauten. “Offenbar waren Aussagen, auf einen Protein-Impfstoff zu warten bei vielen ungeimpften Menschen nur vorgeschobene Argumente”, heißt es vom Ministerium aus Schwerin.

RKI-Angaben belegen, dass die Nutzung im ganzen Land weit hinter den Erwartungen zurückgeblieben ist. So wurden bundesweit bis zum 1. April 1,6 Millionen Dosen Novavax an Ärzte und Impfzentren geliefert. Verabreicht wurden aber erst 80.093 Dosen – das sind fünf Prozent. Davon wurden 50.052 Dosen für Erst- und 29.041 für Zweitimpfungen genutzt.

„Die Nachfrage ist leider eher verhalten“, resümiert Andreas Gassen, Vorstandsvorsitzender der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV), im Gespräch mit unserer Redaktion. „Es zeigt sich, dass fast alle diejenigen, die sich impfen lassen wollen, mittlerweile auch vollständig geimpft sind.“

Niedersachsen ist da keine Ausnahme. Hier wurden von 140.000 Dosen bislang 7181 Dosen als Erst- oder Zweitimpfung verimpft. “Die derzeitigen Impfzahlen deuten daraufhin”, teilt eine Sprecherin der Behörde mit, “dass das Warten auf den sogenannten ,Totimpfstoff nur ein vorgeschobenes Argument für eine Nicht-Impfung war.”’

Im Doppelstadt-Staat Bremen sind bislang knapp über fünf Prozent der gelieferten 12.000 Dosen verimpft worden - exakt 638. Mit Juni läuft das Haltbarkeitsdatum auf. “Voraussichtlich werden bis dahin nicht alle Dosen verimpft werden können”, heißt es von der Gesundheitsbehörde der Hansestadt.

In Schleswig-Holstein ist die Quote einen Monat nach Start der Novavax-Impfungen nur unwesentlich besser. Hier im ersten Monat gut 5,5 Prozent der angelieferten Dosen auch verimpft: etwa 2800 von insgesamt 51.000 vorhandenen Dosen. Ende Juni läuft das Haltbarkeitsdatum laut Gesundheitsministerium ab. In Kiel kann man den Zahlen auch etwas Gutes abgewinnnen: Zwar sei die Nachfrage nicht so hoch, wie es wünschenswert wäre. Aber am Ende zähle jede einzelne Impfung.

In Sachsen und Thüringen begannen Novavax-Impfungen schon am 28. Februar, weil dort die Skepsis gegenüber den mNRA-Impfstoffen von Biontech und Moderna besonders hoch ist. In Sachsen wurden bis zum 1.4. lediglich knapp 5.000 Dosen verabreicht, in Thüringen von 36.000 Ende Februar gelieferten Dosen nur 3.300. Am meisten Dosen wurden in NRW verimpft, 11.600. Unter den größeren Ländern liegt Sachsen-Anhalt am Ende der Tabelle, dort wurden von 39.000 gelieferten Novavax-Dosen erst 2.000 verimpft.

„Mit dem Impfstoff von Novavax liegt eine genauso wirksame Alternative zu den mRNA-Vakzinen von Biontech und Moderna vor“, betonte Kassenärztechef Gassen. Mit Blick auf die stagnierende Impfquote insgesamt sagte er: „Nichtsdestotrotz unterstützen wir alle Anstrengungen, insbesondere die noch nicht geimpften Bürgerinnen und Bürger ab 60 mit Vorerkrankungen von einer Impfung zu überzeugen. Sie stellt für diese Gruppe den besten Individualschutz dar.“

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