Politik
Eltern protestieren gegen Kita-Übernahme
Der Protest gegen die geplante Kita-Übernahme durch den Landkreis Aurich reißt nicht ab. Eltern und Kita-Beschäftigte haben dem Landrat 2000 Unterschriften übergeben. Olaf Meinen zeigte Verständnis, doch er steht zu der Entscheidung.
Aurich - Die geplante Übernahme der Kindertagesstätten durch den Landkreis Aurich erhitzt weiterhin die Gemüter. Eltern und Kita-Beschäftigte haben rund 2000 Unterschriften für eine Petition gesammelt. Sie fürchten um die Qualität der Einrichtungen und um ihre Arbeitsplätze. Am Donnerstag übergaben sie die Petition dem Auricher Landrat Olaf Meinen (parteilos). Mütter, Väter und Kita-Beschäftigte aus Hinte und anderen Orten hatten sich auf den Weg in die Auricher Stadthalle gemacht. Dort tagte der Kreistag.
Im Foyer empfing eine Delegation von Eltern und Kita-Beschäftigten die Politiker mit einem gelben Banner. Aufschrift: „Wir sagen Nein zur Übernahme!“ Drei dieser Banner werden an Kita-Zäunen in Hinte aufgehängt. Dagmar Wacker, Kita-Leiterin aus Groß Midlum, beklagte im Gespräch mit der Redaktion die schlechte Kommunikation: „Das Schlimmste ist, dass wir nichts wissen, außer dass es eine Übernahme geben soll. Und dass wir nicht mit ins Boot geholt werden.“
„Ein Zeichen, dass Sie sich engagieren“
Tessa Duve-Nanninga, Kita-Leiterin aus Loppersum, wandte sich in der Einwohnerfragestunde der Kreistagssitzung direkt an den Landrat: „Wann möchten Sie mit uns über die Übernahme der Kitas reden?“ Olaf Meinen verwies auf eine Vereinbarung mit den Bürgermeistern. Man werde Zahlen, Daten und Fakten über die Kitas zusammentragen, sich dann wieder zusammensetzen und das weitere Vorgehen besprechen. „Selbstverständlich werden wir dann auch in den Dialog mit den Einrichtungen treten.“ Erster Ansprechpartner für den Landkreis seien aber die Gemeinden. Der Landrat bedankte sich für das Kommen: „Das ist ein Zeichen, dass Sie sich für Ihre Einrichtung engagieren.“
Am 21. Februar hatte Meinen in einer Sitzung des Finanzausschusses mitgeteilt, dass der Landkreis nicht nur finanziell, sondern auch inhaltlich die Verantwortung für sämtliche Kindergärten und Krippen im Kreisgebiet übernehmen wolle, insgesamt 126. Damit werden künftig nicht mehr die Städte und Gemeinden Aufgabenträger sein, sondern der Landkreis selbst – wie es vom Gesetz auch vorgesehen ist. Seitdem reißt die Kritik nicht ab. Überall im Kreisgebiet gibt es Protest von Eltern und Kita-Beschäftigten. Auch die Bürgermeister sind alles andere als begeistert von der Idee.
„Ich kenne Kitas sehr gut“
Landrat Meinen äußerte sich nach der Kreistagssitzung im Gespräch mit dieser Zeitung zu dem Thema. Er habe Verständnis für den Unmut der Eltern und Beschäftigten. „Das überrascht mich nicht. Ich kenne Kitas sehr gut.“ Als Bürgermeister von Großefehn habe er oft genug mit Kitas zu tun gehabt. „Es wäre ja schlimm, wenn das einfach so an denen vorbeiginge.“ Es sei ihm aber in der Finanzausschusssitzung nichts anderes übrig geblieben, als die Entscheidung auf diesem Weg zu verkünden, da sie zu diesem Zeitpunkt schon durchgesickert sei.
Finanziell nahm Meinen das Land in die Pflicht. „Da muss mehr Geld ins System, sonst wird das auf Dauer nicht funktionieren.“ Er freue sich über das klare Signal der Städte und Gemeinden, dass sie die Kitas behalten wollten. „Das war in der Vergangenheit nicht immer so.“ Da sei immer damit gedroht worden, die Verantwortung an den Landkreis zurückzugeben. Vielleicht könne man durch den Übernahmeprozess „an der einen oder anderen Stelle etwas Gutes bewirken“. Er sei zuversichtlich, dass sich die Gemüter beruhigen, unterstrich der Landrat: „Wir warten jetzt auf die Daten, und dann klären wir das miteinander.“
Auch von Kreistagspolitikern wird das Thema kritisch gesehen. Gila Altmann (Grüne) lehnt die geplante Übernahme ab. Der Plan verunsichere Eltern und Beschäftigte und schaffe zusätzliche Arbeit in den Rathäusern. „Ein kooperativer Umgang ist anders“, sagte Altmann. Die Freie Wählergemeinschaft lehnt die Übernahme ebenfalls ab. SPD und CDU/FDP warten ab. SPD-Fraktionschef Johannes Kleen wandte sich an Eltern und Beschäftigte: Er sei sicher, dass in Zukunft mehr Personal gebraucht werde, nicht weniger, und dass die Qualität der Kitas wachse, nicht schrumpfe.