Hamburg
Harter Corona-Kurs bröckelt: Werden wir normal?
Nach dem Wegfall praktisch aller bundesweit geltenden Corona-Regeln ist die Lockerung der Quarantäne-Auflagen nur ein logischer Schritt. Wichtig ist, dass die Politik dafür mit der Impfpflicht ab 50 ernst macht.
Die Aufregung um Louis van Gaal war groß: Trotz eines positiven Corona-PCR-Tests saß der Trainer der niederländischen Fußballnationalmannschaft beim Länderspiel in Amsterdam gegen Deutschland nicht nur auf der Trainerbank. Er scherzte auch noch mit DFB-Trainer Hansi Flick und herzte Thomas Müller. Ein Wahnsinn, oder?
Mitnichten: Der Bondscoach handelte schlicht nach den Regeln seines Landes, die schon seit Wochen lascher sind als in Deutschland. Und es ist gut möglich, dass wir selbst schon in wenigen Wochen anders darauf schauen werden. Denn auch hier bröckelt der harte Corona-Kurs.
Erst beauftragte Gesundheitsminister Karl Lauterbach das Robert-Koch-Institut höchst selbst mit einer Neubewertung der Quarantäne-Regeln, was wohl bedeutet, dass sie gelockert werden. Und dann schwenkt die Ampel-Regierung auch noch bei der Impfpflicht um: Nicht mehr für Menschen ab 18 Jahren, sondern erst ab 50 Jahren könnte sie nun kommen.
Beides ist konsequent. Vor allem, dass die Quarantäne-Regeln angesichts des Wegfalls praktisch aller bundesweit geltenden Corona-Maßnahmen ab Montag hinterfragt werden, ist legitim. Schließlich schlagen Kliniken schon jetzt Alarm, weil ihnen Ärzte und Pfleger fehlen.
Anstatt Patienten helfen zu können, sitzen viele der medizinischen Fachkräfte vollkommen symptomfrei bis zu zehn Tage zu Hause herum. Auch Arztpraxen sowie andere Bereiche der kritischen Infrastruktur klagen über Engpässe beim Personal.
Die Dauer der Isolation für Infizierte zu verkürzen und die Quarantäne bei Kontaktpersonen zu überdenken, ist deshalb nur ein logischer, notwendiger Schritt - auch in Richtung Normalität. Wichtig ist, dass gleichzeitig alles dafür getan wird, um die am stärksten gefährdeten Gruppen zu schützen.
Deshalb ist es gut, dass die Politik nun von der Idee einer allgemeinen Impfpflicht abzukommen und stattdessen auf eine Impfpflicht für Menschen ab 50 Jahre zu setzen scheint. In den Altersgruppen, in denen auch die im Schnitt milder verlaufende Omikron-Variante zu vielen schweren Verläufen führen kann, sind bis heute noch Millionen Menschen ungeimpft.
Um eine Überlastung des Gesundheitssystems zu verhindern, ist die Impfung ab 50 wichtig. Genauso aber auch, dass nicht Tausende von medizinischen Fachkräften grundlos zu Hause sitzen.