Osnabrück
Teure Energie, hohe Inflation: Was jetzt helfen kann
Was tun, wenn die Gasversorgung unsicher ist und die Preise dramatisch steigen? Deutschland braucht mehr als einen Notfallplan Gas.
Die Wirtschaftsweisen tun es, der Wirtschaftsminister tut es und die Bundesnetzagentur ebenfalls: Sie alle rufen die Verbraucher zum Energiesparen auf. Was immer schon richtig war, um das Klima zu schonen, ist angesichts des Kriegs in der Ukraine und der Unsicherheit über die künftige Gasversorgung jetzt noch dringlicher. Denn fest steht: Je weniger Gas und andere Energie verbraucht wird, desto schneller gelingt es, von Lieferungen aus Russland unabhängig zu werden. Mit Blick auf den Krieg in der Ukraine ist das indirekt auch eine moralische Frage.
Die auf schmerzhafte 7,3 Prozent gestiegene Inflation tut ein Übriges: Millionen von Menschen bleibt da gar nichts anderes übrig, als die Heizung runterzudrehen und den Gürtel enger zu schnallen. Daran wird sich leider so schnell nichts ändern. Denn die Zeiten billigen Gases aus Russland sind vorerst – vielleicht sogar für immer – vorbei.
Die russischen Lieferungen durch fossile Energie aus anderen, meist teureren Quellen zu ersetzen, ist - der Not gehorchend – aktuell der richtige Weg, auf Dauer aber keine Lösung. Deutschland und Europa müssen endlich ernst machen mit dem massiven Ausbau der Erneuerbaren Energien. Sie können einen noch sehr viel größeren Beitrag zur Energieversorgung leisten als bisher.
Deutsche Bräsigkeit und Bürokratie stehen dem Fortschritt aber im Weg. So ist etwa in Sachsen der Ausbau der Windenergie praktisch zum Erliegen gekommen. Und wo es nicht am Willen mangelt, da bremsen jahrelange Genehmigungsverfahren die Transformation. Derart rückwärtsgewandt verspielt Deutschland Jobs und Wohlstand.
Es gibt zudem unzählige ungenutzte Möglichkeiten, Energie zu sparen. Die Spanne reicht da von der energetischen Sanierung von Gebäuden über die stärkere Nutzung von Bussen und Bahnen sowie die Bildung von Fahrgemeinschaften bis hin zum simplen Tempolimit, das nicht einmal verordnet sein muss, sondern sich jeder auch selber auferlegen kann.
Was in jedem Fall nicht funktioniert, ist ein schlichtes „Weiter so“. Sicher: Soziale Härten durch extreme Preise müssen vorübergehend abgefedert werden. Genauso wichtig ist es aber, in einer nationalen Kraftanstrengung endlich alle Chancen zu nutzen, die sich schon so lange bieten. Nur mit einem großen technologischen Sprung nach vorn und sorgsameren Umgang mit Energie wird es uns gelingen, Wohlstand langfristig zu sichern. Packen wir es jetzt an.