Bildung
„Schulleiter wird man nicht des Geldes wegen“
Schulleiterinnen und Schulleiter sind schwer zu finden. Niedersachsenweit sind rund 150 Stellen nicht besetzt. Auch in Emden gibt es eine Vakanz. Weitere sind zu Beginn des neuen Schuljahres möglich.
Emden - Es ist ein Führungsjob, den kaum jemand übernehmen möchte: Schulleiterinnen und Schulleiter sind Mangelware, das zeigt sich zum Teil auch in Emden. Niedersachsenweit sind aktuell rund 150 Stellen nicht besetzt. Das Problem betrifft damit rund fünf Prozent der Schulen im Nordwesten. Diese Zahlen machte das niedersächsische Kultusministerium Anfang Februar öffentlich.
In Emden zählt die Integrierte Gesamtschule zu diesen 150 Schulen. Seitdem die bisherige Direktorin Carmen Boomgaarden im Herbst vergangenen Jahres an die IGS nach Moormerland wechselte, leitet ihr Stellvertreter, Olaf von Sacken, die Schule kommissarisch mit Unterstützung seiner Kollegin Claudia Dirks sowie den Jahrgangs- und Fachbereichsleitern. Es seien bereits mehrere Bewerbungen eingegangen, die zurzeit ausgewertet und beurteilt werden, teilt dazu Sebastian Schumacher aus der Pressestelle des Niedersächsischen Kultusministeriums mit. „Wenn alle Beurteilungen vorliegen, wird schnellstmöglich entschieden und die Stelle wieder besetzt. Einen konkreten Zeitpunkt können wir leider nicht nennen“, so Schumacher. Der zeitliche Ablauf bewege sich aber durchaus im Rahmen der zu berücksichtigenden Formalia.
Neubesetzung ist an der IGS „kleinste Sorge“
Das Team um Olaf von Sacken arbeitet derweil nach dem Subsidiaritätsprinzip, sprich: um effizient und zielorientiert arbeiten zu können, wird das, was im Jahrgang oder in der Fachschaft entschieden werden kann, auch dort direkt entschieden. „Wir wissen die Zeit wohl zu nutzen, auch um wichtige Weichenstellungen vorzunehmen, wie ich mit einem Augenzwinkern bekenne“, so Olaf von Sacken. So wurde beispielsweise der Schulhaushalt budgetiert und den einzelnen Bereichen entsprechende Finanzspielräume geschaffen. Zu den großen Herausforderungen gehöre noch immer die Corona-Pandemie.
„Auch der neuen nun auf uns zukommenden Herausforderung mit den ukrainischen Flüchtlingskindern stehen wir hilfsbereit gegenüber“, so von Sacken. Die Neubesetzung der Schulleitungsstelle stelle in der aktuellen Situation daher eher „die kleinste Sorge“ dar. „Die Vermutung, dass es an Bewerbungen mangele, kann ich nicht bestätigen“, so von Sacken. Eine vorübergehende Vakanz solch wichtiger Funktionsstellen halte er vielmehr auch nicht für ungewöhnlich. Gründlichkeit gehe vor Schnelligkeit.
Schulleiter wird man nicht des Geldes wegen
Etwas anders schätzt Michael Eilers als Schulleiter der Oberschule Herrentor die Situation ein. Der 67-Jährige hat seinen Pensionsantritt bereits zwei Mal verschoben. Zum 31. Juli dieses Jahres soll dann allerdings endgültig Schluss sein. Seine Erfahrung der vergangenen Jahre: „Die Anforderungen sind gestiegen.“ Was für ihn immer mit einer positiv eingestellten Arbeitsmoral zu bewältigen war, sei jedoch nicht für jeden geeignet. Denn: „Schulleiter wird man nicht des Geldes wegen. Da muss man schon voll und ganz dahinterstehen.“ Die große Verantwortung sei es, die viele Bewerber offenbar auch zurückschrecken lasse. Die Zahl sei in den zurückliegenden Jahren überschaubar und rückläufig gewesen. Für die Oberschule Herrentor sind jedoch Bewerberinnen und Bewerber in Aussicht, die die Leitungsstelle zum 1. August übernehmen wollen, teilt die Pressestelle des Kulturministeriums mit.
Auch Franziska Petzold, Schulleiterin an der Grundschule Constantia, kann dem beipflichten. „Es ist sehr schwer, Lehrkräfte zu finden“, sagt sie. Vor allem für die leitenden Positionen. Dafür gibt es ihrer Ansicht nach mehrere Gründe: „Zu wenig Wertschätzung, eine zu geringe Bezahlung und eine hohe Arbeitsbelastung sowie immer mehr Aufgaben, die dazu kommen“, sagt Petzold, die sich im Sommer nach mehr als 19 Jahren im Amt ebenfalls in die Pension verabschiedet. Auch für ihre Position liegen bereits Bewerbungen vor. „Das Besetzungsverfahren zum Beginn des neue Schuljahres läuft“, teilt das Niedersächsisches Kultusministerium dazu mit.
Wenig Geld vor allem für Grundschulleiter
Die mangelnde Bezahlung ist es auch, die der Niedersächsische Schulleiterverband immer wieder bemängelt. Vor allem an Grundschulen liege die Bezahlung der Schulleitung nur geringfügig über der einer normalen Lehrkraft – und damit mehrere Gehaltsstufen unter der einer Gymnasialschulleitung, wie Verbandschef René Mounajed der Deutschen Presse Agentur in diesem Zusammenhang erklärte. Ein weiteres Problem sei, dass es oft an Zeit fehle, um wichtige Leitungsaufgaben zu erfüllen. „Eine Grundschulleitung hat teilweise noch 20 Stunden selber Unterricht. Das kann nicht wahr sein“, kritisiert der Verbandschef. Immerhin müssten Grundschullehrer in der Pandemie vier Unterrichtsstunden weniger unterrichten.
Zurück nach Emden: Auch an der Grundschule Wolthusen wird mit Beginn des neuen Schuljahres die Schulleitungsstelle frei. Wie es dort weitergeht, bleibt abzuwarten. „Wir bemühen uns, die ebenfalls frei werdende Leitungsstelle möglichst zum Schuljahresbeginn zu besetzen. Sollte dies nicht unmittelbar gelingen, greift wie üblich zunächst die interne Vertretungsregelung“, heißt es aus dem Kultusministerium.