Soziales

Rund 120 Emder Kinder leben in Pflegefamilien

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 30.03.2022 16:28 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 3 Minuten
Insbesondere kleine Kinder sollen in Pflegefamilien und nicht in Wohngruppen aufwachsen, wünscht die Stadt Emden. Symbolfotos: Pixabay
Insbesondere kleine Kinder sollen in Pflegefamilien und nicht in Wohngruppen aufwachsen, wünscht die Stadt Emden. Symbolfotos: Pixabay
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Seit Jahrzehnten ist die Zahl der Kinder, die aus Familien in Emden entnommen werden müssen und bei Pflegefamilien leben, konstant. Ein Problem aber wird immer drastischer.

Emden - Die Gründe, warum Kinder und Jugendliche aus ihren Familien entnommen werden müssen, sind vielfältig. Die Eltern können die Erziehung und Versorgung beispielsweise nicht mehr leisten. Oder das Kindeswohl ist gefährdet - durch sexuelle, häusliche oder psychische Gewalt, durch alkoholkranke oder psychisch erkrankte Eltern. 2018 gab es laut Statistischem Landesamt 71 Inobhutnahmen in Emden, 29 im Landkreis Wittmund, 139 im Landkreis Aurich, und im Landkreis Leer waren es 90.

In Emden liegt die Zahl der Kinder, die in Pflegefamilien leben, bei „immer um die 120 seit 20 Jahren“, sagt Thomas Sprengelmeyer kürzlich im Jugendhilfeausschuss des Emder Rates. Er ist Leiter des Fachbereichs Jugend, Schule und Sport bei der Stadt. Etwa 79 Kinder würden in Heimen außerhalb der Stadt leben. Emden hat keine eigene solcher Einrichtungen, aber eine Wohngruppe des privaten Unternehmens Outlaw für bis zu acht Jugendliche.

Pflegekinderdienst will sichtbarer werden

Insbesondere für kleine Kinder und Säuglinge sei es am besten, wenn sie in einer Pflegefamilie und nicht in einer Wohngruppe untergebracht würden, so Sprengelmeyer. Aber: „Pflegefamilien zu finden, ist ein Kunststück.“ Auch wenn einige Familien gleich mehrere Pflegekinder aufnehmen, sei der Bedarf für eine kleine Stadt wie Emden doch groß.

In vielen Familien werden die Pflegekinder wie die leiblichen eingebunden und angesehen.
In vielen Familien werden die Pflegekinder wie die leiblichen eingebunden und angesehen.

Um noch mehr Familien anzusprechen, soll der Pflegekinderdienst der Stadt jetzt sichtbarer werden. 2019 sei das Personal bereits auf sechs Kräfte aufgestockt worden, so Markus Frein, Leiter des Sozialen Dienstes der Stadt. Man habe ein eigenes Schulungskonzept für Pflegeeltern entwickelt und auch viel für die Öffentlichkeitsarbeit getan - etwa mit einer neuen Website.

So sind die Erfahrungen von Pflegeeltern

Auf der Internetseite werden die Antworten auf die wichtigsten Fragen gegeben. Dort wird beispielsweise aufgelistet, welche Voraussetzungen Pflegefamilien mitbringen müssen und auch welche Unterstützung sie erhalten. Pflegekinder sind in der Regel zwischen null und fünf Jahre alt, heißt es dort. Zwei Pflegefamilien aus Emden berichten in Videos über ihre Erfahrungen. Das ist beispielsweise die Pflegemutter Siegrid, die seit 28 Jahren Kinder in Pflege nimmt. Ihren Pflegesohn Kevin bekam sie mit eineinhalb Jahren. Jetzt ist er erwachsen - und immer noch Teil ihrer Familie.

„Wir wollten immer schon mit zahlreichen Kindern unser Leben verbringen“, sagt auch Pflegevater Niels im Video-Interview mit dem Pflegekinderdienst. Neben drei leiblichen Kindern habe man sich entschieden, 2018 erst eine Pflegetochter und dann zwei Jahre später einen Pflegesohn aufzunehmen. Bei ihrem Pflegesohn waren sie schon vor dessen Geburt informiert worden, dass er nicht in seiner leiblichen Familie bleiben dürfe. Als er zwei Tage alt war, durften Niels und Wienke das Baby aus der Klinik abholen.

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