Tierschutz

Aktionen für und gegen Rindertransporte

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 28.03.2022 17:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Ist es zu verantworten, diese Tiere in Länder außerhalb der EU zu exportieren? Die Meinungen gehen auseinander. Foto: dpa/Büttner
Ist es zu verantworten, diese Tiere in Länder außerhalb der EU zu exportieren? Die Meinungen gehen auseinander. Foto: dpa/Büttner
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„Schluss mit Tiertransporten!“: Am 9. April gehen in Aurich Tierschützer auf die Straße. Der Verein Ostfriesischer Stammviehzüchter hält mit einer eigenen Veranstaltung dagegen. Doch wie aussagekräftig ist die?

Aurich - Das Thema Viehexport ist in Aurich ein heißes Eisen. Die Kreisstadt gilt als Drehscheibe für umstrittene Rindertransporte in Länder wie Marokko und Usbekistan. Tierschützer rufen immer wieder zu Mahnwachen und Protestaktionen auf. Außerhalb der EU-Grenzen erwarteten die Tiere Qualen, heißt es. Sie müssten hungern und dursten, würden misshandelt und vor der Schlachtung nicht betäubt.

Unter dem Motto „Schluss mit Tiertransporten!“ planen der Verein „Ostfriesen gegen Tierleid“ und der Wiesmoorer Ratsherr Diedrich Kleen (Tierschutzpartei) für Sonnabend, 9. April, in Aurich eine Großdemonstration mit anschließender Expertenrunde und Podiumsdiskussion vor dem Rathaus. Kleen rechnet mit bis zu 500 Teilnehmern. „Wir hoffen, dass wir da wirklich ein Zeichen setzen können.“

Gegen das Image der Tierquälerei

Der Verein Ostfriesischer Stammviehzüchter (VOST) hält die Kritik für ungerechtfertigt. Die Zucht- und Absatzgenossenschaft mit Sitz in Leer hat für diesen Sonnabend, 2. April, ihrerseits eine Aktion vorbereitet. Sie lädt zu einem Thementag „Zuchtrinderexport“ nach Schirum ein. In den dortigen Stallungen des VOST werden Rinder auf den Transport vorbereitet.

„Gerne stellen wir Ihnen aus Sicht der Praxis die Vermarktung und vor allem den Transport von Zuchtrindern in sogenannte Drittländer näher vor“, heißt es in der Einladung des VOST. „Unser besonderes Anliegen ist es, Ihnen die Möglichkeit zu geben, sich ein eigenes Bild vom Ablauf von Tiertransporten zu machen, zumal die Tiertransporte in den Medien immer wieder als Tierquälerei dargestellt werden.“ Wie viele Gäste eingeladen sind, ließ der Verein am Montag auf Anfrage offen. Man habe Fachleute, Vertreter aus Gesellschaft, Politik und Wirtschaft sowie Bürgerinnen und Bürger angeschrieben, hieß es.

„Das ist eine Laborsituation“

Der VOST hat auch Tierschützer eingeladen, darunter den Demo-Organisator Kleen. Er werde auf jeden Fall hingehen, sagt der 49-Jährige. „Mir ist es wichtig, dass man miteinander redet.“ Er versuche seit fast einem Jahr, mit dem VOST in Kontakt zu kommen, sagt Kleen. E-Mails an Geschäftsführer Dr. Cord-Hinnerk Thies seien stets unbeantwortet geblieben. Daher habe ihn die Einladung zum Thementag überrascht. „Ich werde mir das gerne anhören und auf mich wirken lassen.“

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Kleen rechnet allerdings nicht damit, dass die Präsentation des VOST besonders aussagekräftig sein wird. „Was wir da erleben werden, ist eine Laborsituation, und da wird natürlich dargestellt, dass alles den Regeln entspricht, dass alles gut abläuft. Aber wir wissen doch, was in den Zielländern und auch auf den Transporten passiert. Das wird sich ja durch einen Thementag nicht ändern.“ Dennoch finde er den geplanten Dialog gut. „Das war bis dato nicht möglich.“

Der Landrat will nicht diskutieren

Unterdessen ist Kleen mit den letzten Vorbereitungen für die Veranstaltung am 9. April beschäftigt. Der Demonstrationszug setzt sich um 11 Uhr an der Sparkassen-Arena in Bewegung. Ab 12 Uhr gibt es vor dem Rathaus Reden, eine Expertenrunde und eine Podiumsdiskussion. Zugesagt haben unter anderem Vertreter verschiedener bundesweit aktiver Tierschutzorganisationen wie Peta und Vier Pfoten sowie Politiker von SPD, CDU, Grünen und FDP – darunter der Auricher Landtagsabgeordnete Wiard Siebels (SPD) und der Staatssekretär im niedersächsischen Agrarministerium, Prof. Dr. Ludwig Theuvsen (CDU). Zum Ende der Veranstaltung, zwischen 16 und 17 Uhr, ist eine Menschenkette um das Viehvermarktungszentrum des VOST in Schirum geplant.

Auch Landrat Olaf Meinen (parteilos) und der Leiter des Veterinäramtes, Dr. Frank Pohlenz, sind zur Podiumsdiskussion eingeladen. Meinen hat jedoch in beider Namen abgesagt. Die Kreisverwaltung wolle sich „nicht in eine Debatte einschalten, die ausschließlich auf politischer Ebene geführt werden kann“, schreibt Meinen. Nur der Gesetzgeber habe darüber zu entscheiden, „ob Tiertransporte stattfinden dürfen oder nicht“, so der Landrat. Der Landkreis Aurich sei gesetzlich verpflichtet, Tiertransporte zu genehmigen, sofern alle tierschutzrechtlichen Voraussetzungen erfüllt seien. Er habe keinen Ermessensspielraum. Kleen findet es schade, dass die Kreisverwaltung den öffentlichen Diskurs verweigert. „Man mag sich seinen Teil denken.“