Serie: Blick ins alte Emden

Stephansplatz: Früher Angst um Bäume, heute grüner denn je

Mona Hanssen
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Von Mona Hanssen
| 28.03.2022 15:02 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Schon im Oktober 1986 ging es in den Endausbau der Straßensanierung mit Parkplatz-Schaffung. Fotos: Archiv
Schon im Oktober 1986 ging es in den Endausbau der Straßensanierung mit Parkplatz-Schaffung. Fotos: Archiv
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1986 protestierten rund 150 Anlieger des Emder Parks am Stephansplatz wegen geplanter Arbeiten. Die Entwicklung aber, die sich bis heute auf der Grünanlage vollzieht, ist eine positive.

Emden - Dass sich in Emden schnell mal Bürgerinitiativen gründen, um die Natur und insbesondere Bäume zu schützen, ist nichts Neues. Aktuelles Beispiel: die Gruppe „Ja zu Janssens Tuun“, die sich für alle Wäldchen in Emden einsetzen will. „Altes“ Beispiel: Im April 1986 kamen Anlieger des Stephansplatz, der heute insbesondere für den Abenteuerspielplatz bekannt ist, zusammen. Sie lehnten strikt den Bau von Parkplätzen ab, die den Innenstadt-Park „anknabbern“ und dem Bäume zum Opfer fallen könnten. Das schauen wir uns in der aktuellen Folge der Serie „Blick ins alte Emden an“.

Für weitere Parkplätze sollte die Grünanlage am Stephansplatz "angeknabbert" werden. Dagegen rührte sich schnell Widerstand.
Für weitere Parkplätze sollte die Grünanlage am Stephansplatz "angeknabbert" werden. Dagegen rührte sich schnell Widerstand.

Damals gab es bereits Platz für maximal 95 Autos rund um die Parkanlage zwischen Brückstraße und Bollwerkstraße. Zum Teil parkten die Autos „wild“. Durch die Baumaßnahme sollten zunächst 137 „ordentliche Stellplätze“ geschaffen werden. Man habe allerdings nicht vor, einen der 50 Bäume zu fällen und wolle nur in Einzelfällen Hecken versetzen. Grünanlage und Verkehrsplatz sollten nebeneinander existieren. 150 Anwohner waren strikt gegen diese Pläne und verfolgten die Entwicklung mit Argusaugen.

Bürger fühlten sich „verhohnepipelt“

Schnell fühlten sich die Bürgerinnen und Bürger auch schon von der Verwaltung „verschaukelt“ und „verhohnepipelt“, wie es Ende April damals in dieser Zeitung hieß. Aus einem Plan der Stadt, der der Bürgerinitiative (BI) vorlag, habe man entnommen, dass doch etwa 15 Bäume gefällt werden sollten. Darunter auch mehr als 30 Jahre alte Platanen. Die Gruppe fühlte sich von der Verwaltung nicht ernst genommen und beauftragte einen Rechtsanwalt. Dennoch starteten die Arbeiten, deren Kosten auf knapp eine Millionen D-Mark geschätzt wurden. Die Verwaltung aber betonte abermals, dass keine Bäume gefällt, sondern stattdessen sogar bis zu 20 neue gepflanzt werden würden. Und: Die den Stephansplatz berührenden Straßenzüge sollten durch Bodenwellen und Kopfsteinpflaster in verkehrsberuhigte Zonen umgewandelt werden. Auch wurde die Zahl der geplanten Parkplätze zum Erhalt der Bäume auf 129 reduziert.

Im sanierten Abschnitt der Grünanlage am Stephansplatz muss noch einiges aufblühen. Foto: Hanssen
Im sanierten Abschnitt der Grünanlage am Stephansplatz muss noch einiges aufblühen. Foto: Hanssen

Die Arbeiten gingen zügig voran. Mitte Oktober desselben Jahres begann schon der Endausbau des letzten Abschnitts zwischen Osterstraße und Brückstraße. Die ursprüngliche Planung wurde mit geringen Abweichungen zum Schutz der Natur verwirklicht. Vor dem Zweiten Weltkrieg war dort, wo sich der Stephansplatz befindet, noch Wasser vom Falderndelft bis zum Alten Graben geflossen. Daher rührt auch die Straßenbezeichnung „Am Brauersgraben“. Und: Beim Tiefbau der Kanalisation für die Parkplatz-Schaffung 1986 wurden Reste alter Holz-Kajungen, also Hafenmauern, gefunden. Einst hatten dort „Torfmuttjes“, also kleine Schiffe mit Torf beladen, zum Be- und Entladen dort festgemacht.

Aktuell sanierter Parkabschnitt erblüht bald

Heute ist die Parkanlage Stephansplatz lebendiger denn je. Vor ein paar Jahren wurde ein Abenteuerspielplatz zwischen Bollwerkstraße und Osterstraße gebaut. Dieser gehört mittlerweile zu einem der beliebtesten in der Stadt. An warmen Tagen wie am Wochenende klettern zahlreiche Kinder auf das halbe Schiff oder in das „Krähennest“, den Ausguck des Schiffs. Das angrenzende Café Einstein darf die Parkanlage für die Außengastronomie nutzen. Emderinnen und Emder treffen sich auf den Wiesen zum Ballspielen und Picknicken.

Der Abenteuerspielplatz und das Café: Bei gutem Wetter finden sich hier viele Eltern mit Kindern ein. Foto: Hanssen
Der Abenteuerspielplatz und das Café: Bei gutem Wetter finden sich hier viele Eltern mit Kindern ein. Foto: Hanssen

Der lange etwas vernachlässigte Parkabschnitt zwischen Osterstraße und Brückstraße hat im vergangenen Jahr eine Frischekur im Rahmen des Förderprogramms „Grünes Band“ verpasst bekommen. Die Wege wurden neu angelegt und sollten nicht mehr wie früher schnell bei Regen verschlammen. Auf der frischen Grasfläche sprießt mittlerweile das Grün. Es gibt ein Hochbeet, auf dem bald Blumen blühen dürften. Zahlreiche Bänke laden zum Ausruhen ein.

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Auch die Grünfläche am Alten Graben beziehungsweise bei der Martin-Luther-Kirche könnte noch aufgewertet werden, so hieß es im vergangenen Jahr in einem Vorschlag der Verwaltung. Ein dort noch als Trampelpfad angelegter Uferweg zwischen Kirche und Graben soll revitalisiert werden. Auch der Abenteuerspielplatz, der sehr stark genutzt wird, soll aufgearbeitet werden.