Fußball
Die besonderen 4Gs des Kickers-Torjägers
Prächtig in Feierlaune war Oberligist Kickers Emden nach dem 1:0 in Hannover. Der BSV ist dank Tido Steffens und der Ergebnisse der Konkurrenz Erster. Die Polizei setzte im Kickers-Fanblock Pfefferspray ein.
Hannover - Genesen, getroffen, gewonnen, gefeiert: Es sind die besonderen 4Gs des Kickers-Torjägers Tido Steffens. Zu Wochenbeginn hatte der 27-Jährige noch zu Hause in Quarantäne festgesessen. Am Samstag war er dann schon mit dem entscheidenden Tor zum 1:0-Sieg von Kickers Emden bei Arminia Hannover der Mann des Tages. Diesen Erfolg, der mindestens für einen Tag die Tabellenführung der Aufstiegsrunde der Fußball-Oberliga bedeutet hatte, kosteten die Emder vollends aus. Da das Topspiel am Sonntag zwischen Egestorf-Langreder und BW Lohne 2:2 ausging, behält Kickers sogar die Spitzenposition inne.
„Einer der beiden Bullis blieb spontan noch länger in Hannover“, verriet Tido Steffens. So feierte ein Teil der Kickers-Mannschaft nach dem Spiel in der Hannoveraner Innenstadt – und traf erst in den frühen Morgenstunden wieder in Ostfriesland ein. Das Emder Trainergespann Stefan Emmerling und Yasin Turan kehrt sogar erst am Sonntagabend heim. Das hatte aber nichts mit zu langem Feiern zu tun. Die beiden Trainer begaben sich auf Spionagetour. Sie schauten sich am Sonntagnachmittag die Partie des kommenden Gegners FT Braunschweig gegen den SC Spelle-Venhaus an. Am Samstag um 14 Uhr gastiert Braunschweig im Emder Ostfriesland-Stadion. Es ist mit Verzögerung das erste Emder Heimspiel in der Aufstiegsrunde. Das angesetzte Spiel vor zwei Wochen gegen Ramlingen-Ehlershausen war wegen mehrerer Corona-Fälle in beiden Teams abgesagt worden.
Der vierte Steffens-Abschluss sitzt
Das Virus erwischt hatte aus dem Emder Team unter anderem Torjäger Tido Steffens. „Mir ging es die ganze Zeit über aber gut. Meine Nase war nur ein bisschen zu“, schilderte der Mann aus Großheide seinen milden Krankheitsverlauf. „Ich hatte Bedenken, dass es mir – wie ich es von anderen gehört hatte – auf die Lunge schlagen und ich beim Fußball schlecht Luft kriegen könnte.“ Das war bei ihm aber nicht der Fall. Nach dem Freitesten am Dienstag konnte Steffens problemlos das Training am Dienstag und Donnerstag mitmachen. Entsprechend gab er seinem Trainer ein „Daumen hoch“ für einen Einsatz am Sonnabend in Hannover.
Spieldaten
Emden: Wetzel – Jabbie, Dassel, Eilerts – Goosmann – Visser, Adeniran (90.+ 3 Braun), Wulff, Konda – van der Werff (67. Bamezon), Steffens
Tor: 0:1 Steffens (73.)
In der Partie spielte er dann – wie schon so oft in dieser Saison – eine entscheidende Rolle. Die ersten guten Torchancen ließ er jedoch ungenutzt. Bei der besten Möglichkeit des Spiels in Hälfte eins strich ein Steffens-Schuss am linken Pfosten vorbei (13.). Nach dem Seitenwechsel wurde Kickers noch überlegener und erspielte sich Chancen. Zweimal scheiterte Tido Steffens aus aussichtsreicher Position an Arminia-Keeper Lars Holm (54./56.). Vor allem in der 56. Minute hätte es ein Tor werden müssen, als Steffens verpasst hatte, auf den mitgelaufenen Yanic Konda zu spielen. „Da hatte ich leider zu lange überlegt“, gestand Steffens. In der 73. Minute durfte er dann aber jubeln. Er zog mit dem Ball in den Strafraum, drehte sich um seinen Gegenspieler und traf mithilfe des Innenpfostens zum 1:0 der Gäste.
Spielunterbrechung wegen Ausschreitung
Da war der Jubel auch bei den rund 40 mitgereisten Emder Fans auf der Tribüne groß. Dabei flogen mehrere Bierbecher gegen den Zaun. Offenbar fühlte sich einer der Ordner dadurch angegriffen, sodass die Polizei in den Block einschritt. Es kam zum Geschubse, ehe die Polizei Pfefferspray und Schlagstock einsetzte. Wegen der Ausschreitung wurde die Partie zwischenzeitlich für gut eine Minute unterbrochen.
In der Schlussphase gab es auf beiden Seiten keine nennenswerten Torchancen, sodass Kickers nach dem Auftaktspiel in Egestorf auch die zweite Aufstiegsrundenpartie gewann. Trainer Stefan Emmerling titulierte den Erfolg auf holprigem Rasen aufgrund einer guten zweiten Hälfte als „verdienten Sieg des Willens“.