Kolumne: Alles Kultur
Inspiration gibt es fast überall
Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal in der Woche eine Kolumne. Montags geht es um Kultur.
Eine der häufigsten Fragen, die mir in meinem Leben gestellt wird: Wie bist du denn darauf gekommen? Ja, wie kommen Menschen wie ich, die in so einer hohen Frequenz Texte produzieren, auf all diese Geschichten mit Unterhaltungspotenzial, Pointen und Wendungen? Ich kann die Frage nur für mich selbst beantworten.
Ich habe gerade in den letzten Tagen gemerkt, die nach zwei Jahren ein bisschen Geselligkeit geschenkt haben, dass ich voller Geschichten und Anekdoten bin. Ich würde wahrscheinlich platzen, hätte ich nicht ständig die Möglichkeit, sie loszuwerden. Wenn ich also Texte, Melodien, Kolumnen und Bühnennummern schreibe, dann schöpfe ich erst einmal aus diesem reichen Schatz, den ich bereits hüte. Diese Quelle ist längst noch nicht versiegt, doch braucht es für bestimmte Texte besondere Inhalte.
Manchmal sind sie einfach da, wie ein Ohrwurm. Ja, auch Sätze oder einzelne Wörter können ohne Melodie Ohrwürmer sein. Da ist es unerklärlich, wie sie mir ins Herz fallen. Mein Opa hat mich früher oft angerufen, wenn ihm ein schönes, altes plattdeutsches Wort eingefallen ist und dann gefragt: „Kannst du daarvan nich wat maken?“ Und dann habe ich etwas um das Wort herum gesponnen.
Zur Person
Annie Heger (38), geboren in Aurich und heute hauptsächlich in Berlin lebend, ist abgebrochene Religionslehrerin, abgebrochene Diätassistentin und geprüfte Heilpraktikerin für Psychotherapie, aber vor allem ist sie als Künstlerin bekannt. Sie singt, ist Schauspielerin und moderiert Shows, Festivals, Varietés und Galas. Außerdem ist sie Plattdeutsch-Aktivistin, unter anderem als Intendantin des „PLATTart“-Festivals.
Sehr viel Inspiration habe ich in der Bahn. Dort sieht und erlebt man so viel auf kleinstem Raum – die Abgründe der Menschlichkeit und die schönsten Freuden des Alltags.
Eine Kulturkolumne wie diese in einer augenscheinlich inspirationsarmen Zeit zu schreiben war am Anfang nicht einfach, weil ich dachte, dass es zum Schreiben der Kolumne doch kulturelle Veranstaltungen braucht. Braucht es nicht. Mein Blick auf Kultur musste sich nur ändern. Und er hat sich verändert, denn ich bin zur Geschichtenjägerin geworden.
Trotzdem ist es manchmal ein ganzes Stück Arbeit und ich muss viel recherchieren, um weiter zu kommen, manchmal bleibt der Text einfach liegen und ich setze mich erst ein Jahr später noch einmal dran. Ich habe Tausende Textbruchstücke auf dem Handy, die auf die Muse warten, die mich küsst.
Kontakt: kolumne@zgo.de
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