Bildung

Rechnen lernen? – Na klar, beim Monopolyspielen

Marion Luppen
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Von Marion Luppen
| 25.03.2022 19:13 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 2 Minuten
Wer Monopoly spielen will, muss rechnen können. Foto: Tschauner/dpa
Wer Monopoly spielen will, muss rechnen können. Foto: Tschauner/dpa
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Die Freie Schule Ostfriesland ist anders als alles, was man über Schule zu wissen glaubt. Siedelt sie sich womöglich in Moordorf an? Eltern sind skeptisch.

Moordorf/Großheide - Die Freie Schule Ostfriesland will von Großheide nach Moordorf umziehen. Die Privatschule unterscheidet sich grundlegend von allem, was man sich gemeinhin unter einer Schule vorstellt. Es gibt dort keine Klassen, keine Stundenpläne, keine Hausaufgaben und keine Noten. Die Schüler organisieren das Lernen selbst und stecken sich eigene Ziele. Lehrkräfte heißen Lernbegleiter. Da die Räume im Bürgerhaus Großheide für die 2018 eröffnete Schule allmählich zu klein werden, sucht sie eine neue Bleibe – womöglich in Moordorf.

Schulleiterin Nina Korneli und ihre Kollegin Heike Buß stellten am Donnerstagabend dem Schulausschuss des Gemeinderates Südbrookmerland ihre Schule vor. Sie wollten „ein ganz neues Schulkonzept nach Ostfriesland holen“, sagte Korneli. Jedes Kind entscheide selbst, wie es den Tag gestalte. „Jeder Mensch will lernen. Wir helfen den Kindern, ihr eigenes Wissen zu finden.“ Rechnen zum Beispiel lernten sie beim Monopolyspielen ganz automatisch. „Jugendliche haben viele Interessen“, sagte Korneli. „Wenn sie selber entscheiden dürfen, was sie machen, dann interessieren sie sich für Dinge, die in keinem Lehrplan stehen und die zum Teil viel komplizierter sind.“

„Der kann doch nicht den ganzen Tag malen“

Die Besucher der Sitzung durften Fragen stellen. Dabei klang viel Skepsis durch. Eine Frau sagte beispielsweise: „Wenn ich meinen Sohn zu Ihnen schicke und er den ganzen Tag nur malt, wie bewerten Sie das? Der kann doch nicht den ganzen Tag malen.“ Korneli erklärte das Prinzip der Relevanz. „Wenn man etwas lernen will, macht man das, was man dafür braucht.“ Das sei wie beim Laufenlernen: Da komme auch niemand und erkläre, dass man jetzt einen Fuß vor den anderen setzen müsse. Kinder und Jugendlichen sollten in der Schule ihre Stärken und Fähigkeiten erkennen und ihren Platz in der Gesellschaft finden.

Die Schulleiterin versicherte, dass die Schüler ihrer Schule im Berufsleben keine Probleme hätten. Sie bereiteten sich gezielt auf Abschlussprüfungen vor, könnten auch Abitur machen und studieren. Es gebe bundesweit rund 200 Schulen dieser Art („freie Alternativschulen“). Bei den meisten seien die Wartelisten lang. Zwei Familien seien extra nach Ostfriesland gezogen, weil es hier eine solche Schule gebe.

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