Fridays for Future

250 Stimmen gegen den Klimawandel

Claus Hock
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Von Claus Hock
| 25.03.2022 17:38 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Jung und Alt demonstrierte am Freitag in Emden unter dem Fridays-for-Future-Banner für mehr Klimaschutz. Foto: Hock
Jung und Alt demonstrierte am Freitag in Emden unter dem Fridays-for-Future-Banner für mehr Klimaschutz. Foto: Hock
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In Emden demonstrierten am Freitag Kinder, Jugendliche und Erwachsene als Teil des globalen Fridays-for-Future-Streiks. Es war die einzige Demo dieser Art in Ostfriesland.

Emden - Nach langer, coronabedingter Zwangspause gingen am Freitag wieder Menschen in Emden auf die Straße, um für mehr Klimaschutz zu demonstrieren. Die laut Polizei rund 250 Teilnehmerinnen und Teilnehmer marschierten, zum Teil deutlich hörbar, vom Bahnhofsvorplatz in Richtung Stadtgarten.

Was und warum

Darum geht es: Außer Emden nahm in Ostfriesland kein Ort am globalen Klimastreiktag teil.

Vor allem interessant für: junge Menschen; umweltbewusste Menschen

Deshalb berichten wir: Nach langer Pause gab es erstmals wieder eine Fridays-for-Guture-Demo in Emden.

Den Autor erreichen Sie unter: c.hock@zgo.de

Organisiert wurde die erste Fridays-for-Future-Demonstration in diesem Jahr von einem neuen Orgateam, welches sich vor allem aus Studierenden der Hochschule Emden/Leer zusammensetzt. Das erklärte eine der Verantwortlichen, Patrizia Voeltz, zu Beginn der Veranstaltung gegenüber unserer Zeitung. Der globale Klimastreiktag stand unter dem Motto „People Not Profit („Menschen, nicht Profit“). Damit, so die Fridays-for-Future-Bewegung, wolle man darauf aufmerksam machen, dass weiterhin der Profit und nicht der Mensch und der Klimaschutz im Vordergrund stehe.

„Bis es nicht mehr nötig ist“

Dass man überhaupt noch für den Klimaschutz auf die Straße gehen müsse, bedauert Voeltz. Natürlich wäre es besser, wenn das nicht mehr nötig ist. „Aber der Job von Fridays for Future ist es, so lange weiterzumachen, bis es nicht mehr nötig ist“, sagte die 21-Jährige.

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Nach der Zwangspause durch die Coronakrise, in der Demonstrationen und Treffen oft nicht in gewohnter Form möglich waren oder man bewusst darauf verzichtete, sei es wichtig, wieder auf die Straße zu gehen. „Das Thema Klimaschutz ist wieder etwas in den Hintergrund geraten“, so Voeltz. Das sei angesichts der Pandemie und des Angriffskrieges gegen die Ukraine auch verständlich. „Wenn man das Thema aber weiter hinten anstellt, werden in ein paar Jahren alle leiden“, so die Studentin. „Wir haben in der Antarktis gerade jetzt viel zu hohe Temperaturen“, nannte Voeltz ein aktuelles, für viele Menschen besorgniserregendes Beispiel – bei ebenfalls sehr frühlingshaften Temperaturen in Emden.

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Debatte um Dreadlocks

Mit 250 Teilnehmern blieb die Teilnehmerzahl, das wurde bei den Reden am Stadtgarten deutlich, zwar hinter den Erwartungen von einigen Teilnehmern zurück. Aber laut Voeltz habe man mit dieser Zahl gerechnet beziehungsweise diese Zahl erhofft. In Ostfriesland war die Emder Demonstration die einzige ihrer Art. Dennoch gingen allein in Niedersachsen in 25 Städten insgesamt Tausende Demonstranten auf die Straße. In Bremen zählte die Polizei laut Agenturmeldungen 3.200 Menschen, in Bremerhaven 500. Mehr Klimaschutz forderten in Hannover und Oldenburg laut Behörden jeweils 1.400 Demonstranten. In Braunschweig kamen den Angaben zufolge 750 Protestierende zusammen, darunter 500 Radfahrer.

Der Demonstrationszug startete am Bahnhofsvorplatz und endete im Stadtgarten, nachdem zwei "Schleifen" durch die Innenstadt gedreht wurden. Foto: Hock
Der Demonstrationszug startete am Bahnhofsvorplatz und endete im Stadtgarten, nachdem zwei "Schleifen" durch die Innenstadt gedreht wurden. Foto: Hock

Im Vorfeld wurde der globale Klimastreiktag mit einer Debatte über „kulturelle Aneignung“ überschattet. Der Hintergrund, so berichtet die Deutsche Presse-Agentur (DPA): Die weiße Musikerin Ronja Maltzahn (28) durfte nach einem Entschluss von Fridays for Future „wegen ihrer Dreadlocks nicht wie zunächst geplant bei einer Demonstration in Hannover auftreten“. Die Hannoveraner Ortsgruppe der Klimaschutzbewegung sagte einen Auftritt der Künstlerin ab, wie die Gruppe am Mittwoch auf ihrer Website mitteilte. „Die Aktivisten begründeten die Absage mit der Frisur der Sängerin. Dreadlocks seien in den USA ein Widerstandssymbol der Bürgerrechtsbewegung schwarzer Menschen geworden“, so die DPA. „Wenn eine weiße Person also Dreadlocks trägt, dann handelt es sich um kulturelle Aneignung, da wir als weiße Menschen uns aufgrund unserer Privilegien nicht mit der Geschichte oder dem kollektiven Trauma der Unterdrückung auseinandersetzen müssen“, schrieben die Klimaschützer.

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Fridays-for-Future-Demo in Emden
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In einer Chat-Nachricht an Maltzahn hatte die Gruppe ihr die Absage mitgeteilt, gleichzeitig aber gesagt, dass ein Auftritt möglich sei, wenn sie sich bis Freitag ihre Dreadlocks abschneide. Dieser Vorschlag sei ein Eingriff in die Privatsphäre der Künstlerin gewesen, der so nicht hätte passieren dürfen, teilte Fridays for Future später mit. „Diese Aufforderung geht auch gar nicht“, sagt Voeltz, betont aber auch, dass sie hier nur ihre eigene Meinung wiedergeben könne. Die Studentin begrüße es aber, wenn man jetzt vernünftig in die Diskussion gehe. Sängerin Ronja Maltzahn hatte genau das bereits getan und auch weitere Gespräche mit der Hannoveraner Fridays-for-Future-Gruppe angekündigt. „Eine kulturelle Aneignung ist immer kritisch zu sehen“, so Voeltz. „Aber man muss immer gucken, auf welchem Level das geschieht“, und man dürfe auch die Hintergründe nicht außer Acht lassen.

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