Handel & Verbrauch
Gefühlter Mangel: Das Mehl ist knapp
Es wird wieder gehamstert: Waren in Ostfriesland in der Pandemie Nudeln und Klopapier gefragt, sind es seit Ausbruch des Krieges in der Ukraine vor allem Mehl und Öl. Wie viel Vorrat ist sinnvoll?
Emden - Plötzlich feiern ganz viele Geburtstag und wollen backen. Ob es stimmt, sei mal dahingestellt. Aber es ist das, was die Leute Christian Brahms erzählen. Es ist Freitagmittag, der Geschäftsführer des Emder Multi-Marktes steht im Gang, wo normalerweise Mehl in rauen Mengen zu finden ist. Gerade sind die Regale leer und mehrere Kunden fragen nach. Brahms kann sie beruhigen. Gleich kommt eine neue Lieferung – so wie jeden Freitag und an zwei weiteren Tagen pro Woche im Multi. Aber obwohl sich weder die Versorgung noch der Preis seit Ausbruch des Krieges geändert haben, wird auch diese Lieferung in etwa einer halben Stunde komplett vergriffen sein, prognostiziert der Supermarkt-Chef.
Was und warum
Darum geht es: In Ostfrieslands Supermärkten sind die Regalreihen für Mehl und Sonnenblumenöl seit Ausbruch des Kriegs in der Ukraine immer öfter leergefegt.
Vor allem interessant für: Verbraucher
Deshalb berichten wir: Es wird offensichtlich wieder gehamstert. Wir haben mit Einzelhändlern und der Verbraucherzentrale über den Sinn und Unsinn der Bevorratung gesprochen. Den Autor erreichen Sie unter: g.paeschel@zgo.de
Es wird wieder gehamstert in Ostfriesland. „Die Leute fleddern uns die Regale leer“, berichtet Christian Brahms. Wie schon während der ersten Corona-Welle 2020, als die Nachfrage nach Klopapier und Nudeln explodierte, sind einzelne Produkte gerade besonders begehrt. Diesmal sind es günstige Mehlsorten und Sonnenblumenöl. In fast allen Supermärkten sind sie schnell vergriffen. Viele Filialleitungen haben reagiert und beschränken den Verkauf, so wie Brahms, auf drei Pakete Mehl pro Kopf.
Öl-Produktion in Ukraine liegt brach
Mit Nachschubproblemen lässt sich das Phänomen nur zum Teil erklären. Zwar können Märkte nicht einfach größere Zusatzmengen bei ihren Großhändlern bestellen. Die Lieferungen beim Mehl laufen aber wie gewohnt weiter, versichern Multi und die Firma Bünting, die in Ostfriesland unter anderem etliche Combi-Filialen hat. Knapp wird es lediglich beim Sonnenblumenöl.
Die Verbraucherzentrale Niedersachsen hält Hamsterkäufe für unangebracht. Die Versorgung mit Lebensmitteln in ganz Deutschland sei schließlich „grundsätzlich gesichert“, lässt sie auf ihrer Homepage wissen. Der Engpass beim Sonnenblumenöl erklärt sich damit, dass laut Verbraucherzentrale gut die Hälfte der weltweiten Produktion aus der Ukraine komme. Wegen des Krieges fällt dieser Teil der Lieferkette aus. Als Ersatz für Sonnenblumenöl rät der Verein, auf Oliven- oder Rapsöl zurückzugreifen.
Vorratsrechner und richtige Lagerung
Antje Warlich arbeitet bei der Verbraucherzentrale als Ernährungsberaterin. Auf die Frage nach sinnvollen Vorratsmengen für jeden Haushalt verweist sie auf eine Orientierungshilfe des Bundeslandwirtschaftsministeriums. Unter www.ernaehrungsvorsorge.de gibt es einen Vorratsrechner. Dort kann man sich auflisten lassen, welche Grundnahrungsmittel beispielsweise für einen vierköpfigen Haushalt empfohlen werden, um 28 Tage ausreichend über die Runden zu kommen. „Es sollte nicht zu viel gekauft werden“, sagt sie. Als Grund für die hohe Nachfrage nach Mehl vermutet sie den Herdentrieb. „Wenn einer anfängt, machen immer mehr mit“, so Warlich.
Damit Mehl möglichst lange haltbar bleibt, sollte es trocken und bei konstanten Temperaturen um 15 bis 20 Grad gelagert werden. „Typische Vorratskammertemperatur“, nennt das Antje Warlich. Auf keinen Fall gehöre Mehl in den Kühlschrank. Vollkornmehl halte sich üblicherweise bis zu einem Jahr, sogenanntes Weißmehl noch ein paar Monate länger, sagt sie. Achten sollte man bei seinen Vorräten übrigens auf Schädlinge.
Finden sich in einem Päckchen Mehlmotten, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass auch alle anderen befallen sind. Auch deswegen sind allzu üppige Vorräte nicht unbedingt sinnvoll. „Wir sollten keine Lebensmittel verschwenden“, so Antje Warlich.