Kolumne: Für die Ehre
Meine kleine Nichte Lu hat recht
Auf unserer Internetseite veröffentlichen wir sechs Mal in der Woche eine Kolumne. Samstags geht es ums Ehrenamt.
Was kostet eigentlich ein Lächeln? Eine Frage, die ich oft stelle. Einfach nur, um Gespräche in eine andere Richtung zu lenken oder ergründen zu lassen, was es schwer macht, eine Situation zu akzeptieren. Beruflich oder im Ehrenamt. Die Antworten sind unterschiedlich. Einige sagen, es koste Überwindung, einige sagen, es koste dem anderen einen Joke.
Meine kleine Nichte Lu hörte interessiert dieser Frage zu, als ich sie in den Raum stellte bei einer Diskussion unter Kameraden. Sie antwortete abrupt: „nichts!“. Es kehrte Stille ein und die Augen der gestandenen Einsatzkräfte richteten sich auf sie. Ein befremdlicher Augenblick für beide Seiten. Keck antwortete sie, warum ein Lächeln etwas kosten solle, schließlich könne jeder Mensch lächeln. „Ihr müsst nur euren Mund hier und auf der anderen Seite hochziehen, dann lächelt ihr“, sagte sie. Allein diese Situation sorgte für ein Lächeln, sogar für ein Lachen.
Zur Person
Manuel Goldenstein (41), geboren in Aurich und aufgewachsen in Südbrookmerland, arbeitet eigentlich als Pfleger im Klinikum Emden. Vor allem aber ist er leidenschaftlicher Feuerwehrmann. Er ist Pressesprecher des Kreisfeuerwehrverbands Aurich und Sprecher des Arbeitskreises Presse- & Öffentlichkeitsarbeit des Feuerwehrverbands Ostfriesland.
Es ist an manchen Einsatzstellen nicht einfach, sein Lächeln wiederzufinden. Einsatzkräfte sollten allerdings nicht zerbrechen an schwierigen Situationen. Sie müssen ihre Arbeit verstehen, als Hilfe, die Menschen angefordert haben, für die wir die letzte Lösung sind. Wir, als neutrale Fachleute für Rettung und Brandbekämpfung, bringen Know-how in die Rettung ein, die manchmal nicht mehr das leistet, was man sich erhofft. Trotzdem darf man sein Lächeln nicht verlieren. Lu hat recht; manchmal muss man einfach beide Mundwinkel anheben – selbst wenn es mit einem Hebel ist. Es ist der Wille, der zählt, um zu helfen und zu retten.
Kein Mensch erlebt so viele Schicksale, wie die haupt- und ehrenamtlichen Kräfte der Hilfs- und Rettungsdienste, die über die Notrufnummer 112 herbeigerufen werden. Aber wir erleben auch viele gute Situationen, die in den Gedanken überwiegen können. Lu hat recht. Siehe deine Erfolge, die nicht davon abhängig sind, was bereits eingetreten ist. Trainiere deine Mundwinkel!
Kontakt: kolumne@zgo.de
Im Sinne der Opfer
Aus dem Alltag raus in den Einsatz
Ehrenlos? Lachen muss erlaubt sein!
Jauchzet laut und bleibt mit uns sitzen