Tradition

Planungen für Schützenfeste laufen auf Hochtouren

Michael Kierstein
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Von Michael Kierstein
| 23.03.2022 14:53 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 5 Minuten
Die Schützenvereine freuen sich wieder auf Bilder wie hier vor ein paar Jahren in Dornum. Foto: Archiv
Die Schützenvereine freuen sich wieder auf Bilder wie hier vor ein paar Jahren in Dornum. Foto: Archiv
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In Ostfriesland sind die meisten Schützenkönige seit drei Jahren im Amt. In diesem Jahr könnten wieder Schützenfeste stattfinden: Darauf können sich auch Nicht-Schützen freuen.

Ostfriesland - Seit drei Jahren ist Stefan Esderts König von Emden. Nicht der Stadt, aber der Schützen. „Davon hatte ich allerdings wenig“, sagt der 26-Jährige. Wegen der Corona-Pandemie konnten in den letzten Jahren keine neuen Könige ausgeschossen werden. Nur in Esens gibt es einen aktuellen König. Bei den anderen sind die Majestäten seit 2019 im Amt. „Es ist natürlich eine Ehre, bleibt hoffentlich aber auch einmalig“, sagt Esderts. Die Schützen blicken hoffnungsvoll auf diese Saison.

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In Esens, wo das größte Schützenfest Ostfrieslands stattfindet, laufen die Planungen auf Hochtouren. „Wir planen ein vollkommen normales Schützenfest“, sagt Hayen Iggena, Sprecher der Esenser Schützen. So bestehe zum Beispiel die Hoffnung, dass der große Umzug am 11. Juli stattfinden könne. „Das kommt natürlich auf die dann geltenden Vorschriften an. Generell ist das Fest vom 8. bis 12. Juli geplant. „Die Vorfreude ist gewaltig. Wir planen, auch wieder etwa 100 Schausteller bei uns zu haben. Je nach dann geltender Vorschrift kann es natürlich weniger werden“, sagt Iggena. Der Platzmeister habe dabei auch ein paar neue Attraktionen versprochen. Auch für die Besucher sind das gute Nachrichten. Es scheint, als würden in diesem Jahr wieder deutlich mehr Schützenfeste in der Region stattfinden als in den vergangenen Jahren.

Pandemie änderte vieles

„Wir waren durch die Pandemie gezwungen, Dinge zu ändern. Dabei war aber nicht alles schlecht“, sagt er. So habe sich das gemeinsame Frühstück am Montag im Schießstand bewährt und soll beibehalten werden. Die Esenser waren es, die im vergangenen Jahr als einzige einen neuen König ausgeschossen haben. „2020 ging gar nichts. Aber 2021 war mit Konzept ja etwas möglich. Es waren mehrere 10.000 Menschen da und es hat alles gut geklappt“, sagt Iggena. Man wollte sich nicht unterkriegen lassen. „Auch 2020 haben wir die Stadt so geschmückt als würde das Schützenfest stattfinden. „Das hat sich gelohnt. Wir werden auf der diesjährigen Jahreshauptversammlung sieben neue Mitglieder aufnehmen, die sich wegen unserer Aktivitäten für den Eintritt entschieden haben“, sagt Iggena.

Auch in Leer waren die Schützen nicht tatenlos. Die zwei Jahre Pandemie wurden hier genutzt, um den Schießstand auf Vordermann zu bringen. 33.000 Euro wurden in eine elektronische Schießanlage investiert. „Ein Drittel der Kosten haben wir selbst getragen und sie auch in Eigenleistung aufgebaut“, sagt Hermann List, der Vorsitzende der Logaer Schützen. Die restlichen Mittel kamen aus Förderungen.

OSB ist zufrieden

Beim Ostfriesischen Schützenbund (OSB) ist man stolz auf das, was die Vereine in den vergangenen Jahren geleistet haben. „Unsere Schützen haben sich toll verhalten. Es wurde gemacht, was möglich ist, aber niemand ist negativ aufgefallen. Das ist fantastisch“, sagt OSB-Präsident Detlef Temmen. Insgesamt habe der Bund noch immer 9.163 Mitglieder. Im Vergleich zu 2020 sind 11 Schützen ausgetreten. „Es ist um jedes einzelne Mitglied schade. Aber, wenn ich auf den Mitgliederschwund bei anderen Sportarten gucke, hätte es uns härter treffen können“, sagt er. Die vergangenen Jahre wurden genutzt, um die Häuser zu modernisieren oder sogar, wie in Glansdorf, neu zu bauen. „Die Stimmung ist gut. Wir müssen jetzt nach vorne schauen“, betont der Präsident.

2022 sei vieles geplant. „Wir müssen gucken, was machbar ist“, so Temmen. Die Vereine hätten immerhin zwei Jahre keine Einnahmen gehabt. Man wolle nun acuh mit den Schaustellern reden, um zu schauen, was finanziell darstellbar ist bei den Schützenfesten. „Ich ermuntere aber jeden verein, zu machen, was machbar ist“, so Temmen.

Training wieder möglich

Seit Januar sei es nun auch wieder möglich, zu trainieren. „Wir haben es während der Pandemie immer mal wieder versucht, aber richtig los geht es jetzt erst wieder“, sagt List. Trotzdem werden die Logaer auch in diesem Jahr ihr Schützenfest im internen Rahmen halten. Wie genau das ablaufen soll, werde noch geklärt. „Klar ist, auch bei uns wird es irgendwann mal einen neuen König geben“, sagt List und lacht. Der amtierende Thomas Martens habe bisher von seiner Königswürde nichts gehabt. „Er tut mir da schon leid“, sagt List.

Die Logaer Schützen haben während der Pandemie in eine neue Anlage investiert. Foto: Kierstein
Die Logaer Schützen haben während der Pandemie in eine neue Anlage investiert. Foto: Kierstein

Er wolle aber auch die Verantwortung für potenzielle Infektionen nicht übernehmen. „Die Stimmung bei uns ist gut. Die Normalität kommt langsam zurück: Deshalb werden wir Anfang April besprechen, was dieses Jahr alles möglich sein kann. Dass das Schützenleben wieder startet, hofft auch der Emder König. „Ich hatte mich eigentlich sehr auf die Feiern gefreut. Ich hoffe, ich kann mein Königsjahr dieses Jahr nachholen“, sagt Stefan Esderts.

Seit drei Jahren ist Stefan Esderts König in Emden. Foto: privat
Seit drei Jahren ist Stefan Esderts König in Emden. Foto: privat

Der 26-Jährige wolle ein Aushängeschild dafür sein, dass auch Jüngere sich in den Vereinen engagieren könnten. „Die Vereine werden älter. Es wäre schön, Jüngere zu finden, die die Tradition ebenso ehren“, sagt der Emder. Doch die Nachwuchsfindung steht für ihn gerade nicht auf Platz eins der Prioritäten. „So wie es aussieht, können dieses Jahr die Feste stattfinden. Da muss ich so langsam mal die Busse bestellen“, sagt der 26-Jährige und lacht. In Emden ist es nämlich der König, der dafür sorgen muss, dass die Mitglieder auch zu den Schützenfesten kommen.

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