Osnabrück

Ukraine-Krieg: So drastisch teurer wird der Alltag für Singles und Familien

Corinna Clara Röttker
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Von Corinna Clara Röttker
| 22.03.2022 14:14 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Wer es draußen bei der Hitze nicht mehr aushält, sollte einen ausgedehnten Shoppingtrip zum nächsten Discounter in Erwägung ziehen. Foto: Imago
Wer es draußen bei der Hitze nicht mehr aushält, sollte einen ausgedehnten Shoppingtrip zum nächsten Discounter in Erwägung ziehen. Foto: Imago
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Wegen der gestiegenen Energiepreise in Folge des Ukraine-Krieges müssen sich Verbraucher im Alltag auf deutlich höhere Kosten einstellen – nicht nur beim Heizen und Tanken. Ein Überblick, wie hoch die Mehrausgaben für verschiedene Haushalte sind.

Aufgrund des Krieges in der Ukraine sind die Preise für Benzin, Gas und Strom drastisch gestiegen. Für Verbraucher hat das finanzielle Folgen – nicht nur an der Zapfsäule oder auf der Heizkostenabrechnung: Weil Energie für die Herstellung aller Produkte und deren Transport benötigt wird, müssen sich Verbraucher in fast allen Bereichen ihres Alltages auf Mehrausgaben einstellen. Ein Überblick:

Mit am stärksten steigen die Wohnkosten. Den größten Anteil machen dabei Gasheizungen und Warmwasser per Gas aus.

Grundlage für die Berechnung der Mehrkosten sind die vom Bundesverband der Energie- und Wasserwirtschaft (BDEW) ermittelten Durchschnittspreise 2021 verglichen mit den durchschnittlichen Erdgaspreisen von Januar 2022. Dazu werden die typischen Ausgaben- und Verbrauchsstrukturen beispielhafter Haushalte verwendet: die eines Singles, die eines Paares ohne Kinder sowie die einer vierköpfigen Familie.

Das Ergebnis: Ein Single, der in einer 50 Quadratmeter großen Wohnung lebt und einen Heizenergieverbrauch von 6.850 kWh im Jahr hat, zahlt aufgrund des gestiegenen Gaspreises gegenüber 2021 im Durchschnitt mittlerweile mindestens 365 Euro im Jahr mehr.

Für kinderlose Paare mit einer 70 Quadratmeter großen Wohnung und einem Heizenergieverbrauch von 9.590 kWh im Jahr betragen die durchschnittlichen Mehrkosten mindestens 515 Euro. Für eine vierköpfige Familie in einer 110 Quadratmeter großen Wohnung und einem Heizenergieverbrauch von 15.070 kWh sind es 810 Euro. Noch teurer wird es in einem Einfamilienhaus, wo der durchschnittliche Jahresverbrauch bei 20.000 kWh liegt: Hier beträgt das Plus sogar mindestens 1.030 Euro.

Einer Analyse der gemeinnützigen Beratungsgesellschaft co2online für den Heizspiegel zufolge, sind die Mehrkosten für Neukunden sogar nochmal höher: Wer demnach derzeit einen neuen Gasvertrag abschließt, zahlte im Februar für eine durchschnittliche Wohnung 80 Euro mehr als im Vorjahresmonat (+114 Prozent). Für ein Einfamilienhaus mit Gasheizung sind die monatlichen Kosten im Schnitt um 155 Euro gestiegen (+113 Prozent).

Neben den Kosten für Heizung und Warmwasser sind auch die Stromkosten gestiegen: Für ein Single-Haushalt mit einem Jahresstromverbrauch in Höhe von 1.300 kWh liegen die durchschnittlichen Mehrausgaben bei 50 Euro im Jahr, bei Paaren (Jahresstromverbrauch 2.000 kWh) sind es 80 Euro und bei Familien (Jahresstromverbrauch 2.600 kWh) 105 Euro im Jahr. Auch die sonstigen Wohnnebenkosten wie Wasser, Müllabfuhr oder Straßenreinigung sind im Jahresvergleich teurer geworden. Der Preisanstieg liegt im niedrigen, einstelligen Prozentbereich.

Des Weiteren sind auch die Diesel- und Benzinpreise massiv gestiegen. Entsprechend müssen Haushalte im Vergleich zum Vorjahr auch deutlich mehr für ihre Mobilität ausgeben.

Berechnungen des Bundesverbandes der Verbraucherzentralen zufolge, geben Halter eines Benzinfahrzeuges mit 7,7 Liter Verbrauch bei den derzeitigen Preisen innerhalb eines Jahres 696 Euro mehr für Kraftstoff aus als im Vergleich zum durchschnittlichen Benzinpreis von 2021.

Für ein Dieselfahrzeug betragen die Mehrkosten sogar 857 Euro. Ausgangspunkt hierfür ist eine durchschnittliche Jahresfahrleistung, die in Deutschland laut Kraftfahrt Bundesamt rund 13.300 Kilometer beträgt.

Zu spüren bekommen die Mehrausgaben vor allem Paare und Familien. Denn Singles leben Erhebungen zufolge häufiger in Großstädten und sind oftmals jünger, so dass sie häufiger Strecken mit Bus, Bahn oder Fahrrad zurücklegen.

Infolge der Corona-Krise waren Lebensmittel schon im vergangenen Jahr deutlich teurer geworden. Die Inflation, schlechte Ernten und nun besonders der Ukraine-Krieg sorgen dafür, dass sich dieser Trend auch 2022 weiter fortsetzt. Zahlreiche Branchen hatten den Handel zuletzt aufgefordert, die Preise zu erhöhen, unter anderem wegen der hohen Energie- und Rohstoffkosten sowie gestiegener Logistikaufwendungen.

Discounter Aldi hat bereits reagiert und Berichten zufolge die Preise für rund 400 Produkte erhöht. Verbraucher bekommen die Preiserhöhung etwa beim Kaffee zu spüren: Bei Aldi Nord und Süd kostet etwa die Sorte „Amaroy Unser Bester“ jetzt 4,59 Euro – das sind laut „Lebensmittel Zeitung“ 60 Cent mehr. Dem Branchenblatt zufolge steigt der Preis für Bio-Kaffee sogar um einen ganzen Euro.

Der Preis für eine 1,5-Liter-PET-Flasche Mineralwasser erhöht sich von 19 Cent auf 25 Cent pro Einwegflasche - zuzüglich Pfand. Für das 6er-Pack zahlen Verbrauchende jetzt 1,50 Euro an der Ladenkasse (oder drei Euro mit Pfand). Zuvor waren es noch 1,19 Euro (oder 2,69 Euro mit Pfand). Das Bio-Müsli Klassik von Gut Bio soll ab sofort 2,59 Euro kosten. Zuvor verlangte Aldi 2,49 Euro. Und auch die Discounter-Cola ist teurer geworden, mit sechs Cent mehr kostet die Flasche jetzt 1,25 Euro.

Bäckereien und Konditoreien heben ebenfalls die Preise an. Im Schnitt kosten Brot, Backwaren und Torten Berichten zufolge bis zu zehn Prozent mehr als noch im Vorjahr. Weil zeitgleich auch die Preise für Soja und Tierfutter durch die Decke gehen, erklären Fleischbetriebe, dass auch das Fleisch von Geflügel, Rind und Schwein im Supermarkt und beim Metzger teurer werden muss.

Insgesamt lagen dem Statistischen Bundesamt zufolge die Verbraucherpreise für Nahrungsmittel und alkoholfreie Getränke im Februar um 5,1 Prozent über dem Vorjahresniveau.

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