Osnabrück
Nur weg von Russland: Robert Habecks bittere Einkaufstour in Nahost
Weg vom russischen Diktator, hin zu arabischen Autokraten: Einen Schönheitspreis bekommt Robert Habeck für seine Energie-Deals im Nahen Osten nicht. Notwendig waren sie gleichwohl.
Manche Verbeugung fiel auffällig tief und beflissen aus. Und so war gleich klar: Robert Habeck kam als Bittsteller nach Katar und in die Vereinigten Arabischen Emirate. Leicht ist ihm das sicher nicht gefallen, auch wenn der Wirtschaftsminister erstaunlich fröhliche Miene zum zweifelhaften Spiel machte. Denn Katar und die Emirate sind bekannt für autoritären Regierungsstil und Verletzung von Menschenrechten. Auch fördert Katar die islamistische Hamas und sind die Emirate Kriegspartei im Jemen. Aber was tut man nicht alles, wenn es darum geht, unabhängiger zu werden von Energie aus Russland, das die Ukraine überfallen hat?
Bitter auch für Habeck: Ausgerechnet er als Grüner und Klimaschutzminister muss die Versorgung mit Gas, Öl und Kohle sichern, fossilen Energieträgern, deren Verbrennung den Klimawandel bedrohlich verschärft. Doch der Zweck heiligt - zumindest vorübergehend - die fossilen Mittel. Für ökologisch wünschenswerte, aber längere Wege ist gerade nicht die Zeit. Denn je eher andere Staaten Öl und Gas liefern, desto weniger Geld fließt in die Kasse von Wladimir Putin, der die Ukraine unerbittlich in Schutt und Asche legen lässt.
Schnelle Erfolge bei der Abkehr von Russland sind aber nicht zu erwarten. Denn Deutschland hat sich so hochgradig abhängig gemacht, dass ein kalter Entzug, also ein sofortiger Importstopp, zu extremen Nebenwirkungen führen würde: einen deutlichen Einbruch der Konjunktur und große Jobverluste eingeschlossen. Auch einige Flüssigastanker aus Katar und erste Lieferungen von Wasserstoff aus den Emiraten werden daran vorerst nichts ändern.
Immerhin dürfte jetzt auch dem Letzten klar sein, wie wichtig der zügige Ausbau der erneuerbaren Energien ist. Denn sie sind nicht nur klimafreundlich – sie machen auch unabhängig von Diktatoren und Autokraten in den rohstoffreichen Förderländern..