Serie: Blick ins alte Emden
Als Emden eine Burg und einen Delft-Pavillon bekommen sollte
In der Stadt Emden sind immer mal wieder Ideen für Bauwerke aufgekommen, die dann nie umgesetzt wurden. Zwei Beispiele sind besonders kurios.
Emden - Der Wunsch der Emder Stadtverwaltung aktuell ist es, den Delft noch attraktiver zu machen. Vielleicht lohnt sich da ja ein Blick ins Archiv der Projektideen. 1993 kam nämlich ein spannendes Vorhaben auf den Tisch: Vor Schreyers Hoek sollte eine Café-Insel entstehen. In der neuen Folge unserer Serie „Blick ins alte Emden“, schauen wir uns das genauer an.
Der Emder Kaufmann Robert Löschen hatte die Überlegungen ins Spiel gebracht, die bei der Politik auf Zustimmung trafen. Der Bauausschuss des Emder Rates gab „grünes Licht“ für das Projekt. Einstimmig war man für den Beschluss und wollte ein Bebauungsplanverfahren einleiten. Der „Delft-Pavillon“ sollte - angelehnt an den Hamburger „Alster-Pavillon“ - als Rundbau mit maximal 100 Sitzplätzen und einem Durchmesser von rund 20 Metern entstehen. Das Gebäude sollte auf einem Pfahlrost erbaut werden, wobei die Pfähle aus dem Wasser ragen. Der Pavillon sollte aus viel Holz und Glas bestehen. Über einen Steg sollten Gäste die Insel erreichen können - oder per Boot. Doch es gab auch Kritik, die schließlich überwog.
Von Bürger-Ärger und Fontänen
Zum einen gingen die Anwohner von Schreyers Hoek auf die Zinnen. Bereits bei Bekanntwerden der Pläne formierte sich Anfang 1993 Widerstand. Die Anwohner fürchteten Lärmbelästigungen und Verkehrsprobleme. Auch in der übrigen Bevölkerung war das Vorhaben nicht unumstritten. So meinten viele Emderinnen und Emder, dass der Alte Binnenhafen nicht mit Attraktionen überbelastet werden dürfe. Zur Einordnung: Viele aus Emden hatten sich auch zunächst dagegen gestemmt, dass Seezeichen wie die alten Ansteuerungstonnen, Anker und auch Museumsschiffe in das Stadtbild gefügt werden. Anders als diese Attraktionen hielt die Pavillon-Idee den kritischen Prüfungen von Politik und Behörden nicht stand. Das Projekt wurde ad acta gelegt.
Eine weitere Idee sollte den Emder Delft schon 2001 schmücken: Der Emder Geschäftsmann Walter Mielke machte den Vorschlag, eine große Wasserfontäne im Alten Binnenhafen zu installieren. Um alle von dem Projekt zu begeistern, fuhr er 2003 - als das Vorhaben noch schwelte, aber nicht umgesetzt war - mit einer Gruppe nach Bad Oeynhausen, wo die bis dato einzige Fontäne des gewünschten Typs in Deutschland sprudelte. Von allen Seiten habe es für das Projekt, dessen Kosten er auf etwa 125.000 Euro schätzte, Zustimmung gegeben. Doch lange tat sich nichts, bis Mielke 2006 mit sechs Leuten den Verein „Wasserfontäne Alter Binnenhafen Emden“ gründete. Doch auch dann wurde es still um das Vorhaben. Heute wird am Delft „gespuckt“. Seit 2018 sind die Delftspucker gegenüber vom Rathaus vollständig. „Hinni“, „Jan“ und „Joke“ lehnen an der Balustrade und - wer nicht aufpasst - bekommt als Spaziergänger auch mal Wasser auf den Kopf oder ins Gesicht gespuckt. Initiator der Delftspucker und Stifter von „Hinni“ war Bernhard Brahms. „Jan“ und „Joke“ wurden von Walter Insel und Manfred Leeling gestiftet.
Statt „Burg“ gibt es jetzt ein Café
Ein weiteres Vorhaben - der Bau einer „Burg“ - fand ebenfalls zunächst Begeisterung, wurde dann aber nicht umgesetzt. Auf der Ecke Ringstraße und Große Straße sollte einst ein Kultur- und Bildungszentrum entstehen. Weil dieses die Parkanlage Burgplatz vor sich gehabt hätte, sollte es „Burg“ genannt werden. 1980 gingen Vorschläge von Architekten über die Tische von Politik und Verwaltung. Das neue Gebäude sollte die Stadtbücherei, die Volkshochschule, Räume für Ausstellungen und Vorträge, ein Foyer sowie eine Cafeteria in sich vereinen. Gut 20 Millionen D-Mark wurden dafür angedacht.
Doch das Projekt verlief sich im Sande. Die Volkshochschule befindet sich direkt am Alten Graben in der Straße An den Berufsschulen. In dem Gebäude ist auch die Stadtbücherei sowie Büros verschiedener Kultureinrichtungen untergebracht. Auf dem vormals für die „Burg“ angedachten Gelände befindet sich heute das Ausbildungscafé Backbord der Ostfriesischen Beschäftigungs- und Wohnstätten GmbH sowie die Arbeitsassistenz-Stelle der OBW.
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