Palma de Mallorca

Preisschock: Urlaub auf Mallorca wird dramatisch teurer

Ralph Schulze
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Von Ralph Schulze
| 21.03.2022 11:33 Uhr | 0 Kommentare | Lesedauer: ca. 4 Minuten
Die Strände auf Mallorca bleiben ein beliebtes Reiseziel für deutsche Touristen. Foto: dpa
Die Strände auf Mallorca bleiben ein beliebtes Reiseziel für deutsche Touristen. Foto: dpa
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Nicht nur auf der beliebten Urlaubsinsel Mallorca, sondern in ganz Spanien wird es für Touristen teurer: Die Hotelpreise steigen drastisch an, auch Flüge, Mietwagen und Restaurants werden kostspieliger. Dazu drücken Streiks der LKW-Fahrer und Fischer auf die Stimmung.

Spanien-Urlauber müssen dieses Jahr erheblich tiefer in die Tasche greifen. In keinem anderen europäischen Mittelmeerland galoppieren momentan die Preise derart wie im spanischen Königreich. Die Jahresinflationsrate liegt derzeit bei 7,6 Prozent. Das ist der höchste Wert seit 36 Jahren und einer der höchsten im westlichen Europa. Die spanischen Hoteltarife kletterten nach Angaben des nationalen Statistikamtes INE in den letzten zwölf Monaten sogar um 21 Prozent.

Der Urlaub auf Mallorca, dem beliebtesten Ferienziel in Spanien, wird also 2022 erheblich teurer. In den anderen spanischen Urlaubshochburgen, wie etwa auf den Kanarischen Inseln oder an der Costa Brava und Costa Blanca an der Festlandküste, macht sich der gewaltige Preisschub ähnlich schmerzhaft bemerkbar.

Spaniens Preisspirale schraubte sich bereits vor Beginn des Ukraine-Krieges in immer größere Höhen. Vor allem wegen der stark gestiegenen Energiekosten. So haben sich die Stromkosten im iberischen Königreich innerhalb eines Jahres verdoppelt. Eine schwindelerregende Tendenz, die nun durch den Angriff Russlands auf die Ukraine und die dadurch verursachten Turbulenzen auf dem Öl- und Gasmarkt noch weiter angefacht wurde.

Nicht nur die Hotels in Spanien, sondern auch Flugtickets und Mietwagen dürften daher in den nächsten Wochen kostspieliger werden. Weswegen Spanien-Touristen dieses Jahr gut beraten sind, früh zu buchen und nicht auf ein Last-Minute-Angebot zu setzen. Denn es ist damit zu rechnen, dass die Preise weiter steigen. Wohl auch deswegen lockt der internationale Reisekonzern FTI die Frühbucher mit dem Spruch: „Der frühe Vogel schnappt sich den besten Platz unter der Palme.“

Beim Besuch im Restaurant, wo die Touristen so gerne Paella oder spanische Tapas bestellen, fällt die Rechnung jetzt ebenfalls deutlich höher aus. Die Preise auf den Speise- und Getränkekarten stiegen gegenüber dem Vorjahr um 10 bis 20 Prozent. Die Gastronomen begründen dies nicht nur mit den explodierten Energiepreisen. Auch sei zum Beispiel das berühmte Olivenöl, das in spanischen Küchen vorzugsweise benutzt werde, um 30 Prozent teurer geworden.

Die spanische Tourismusbranche ist alles andere als erfreut über diesen Preisschock, der im harten Wettbewerb mit anderen Urlaubsländern zum Nachteil werden könnte. „Wir leiden unter einer Inflation, die doppelt so hoch ist wie in den Nachbarstaaten“, sagt bedauernd Maria Frontera, Chefin des mallorquinischen Hotelverbandes FEHM. Und es sehe ganz danach aus, als ob sich die Kostenschraube wegen des Ukraine-Krieges noch weiterdrehen werde.

Immerhin: Ausländische Urlauber, die in Spanien mit dem Auto unterwegs sind, müssen beim Tanken nicht ganz so viel bezahlen wie in der Heimat. Benzin kostet derzeit im Durchschnitt 1,80 Euro pro Liter, Diesel 1,79. Als Tankparadies gelten derzeit noch die Kanarischen Inseln, wo die Mineralölsteuern erheblich geringer sind. Dort ist der Liter Benzin bis zu 50 Cent billiger als im restlichen Spanien.

Bei der spanischen Bevölkerung wächst derweil der Ärger über die Treibstoffpreise, die gegenüber dem Vorjahr um 50 Prozent kletterten. Das gilt erst recht für die Brummi-Fahrer, die staatliche Hilfen fordern. Tausende Spediteure befinden sich deswegen seit Tagen im Streik. Sie blockieren Häfen, Containerterminals und Großmärkte, was die durch den Ukraine-Krieg verursachten Versorgungsengpässe vergrößert.

Spaniens Agrarminister Luis Planas beruhigt zwar Touristen und Bevölkerung mit den Worten: „Es gibt keine Probleme bei der Lebensmittelversorgung.“ Doch die Wirklichkeit sieht anders aus. Sonnenblumenöl ist kaum noch zu bekommen, weil die zur Ölpressung benutzten Sonnenblumenkerne vor allem aus der Ukraine stammen. Auch bei anderen Grundnahrungsmitteln und sogar bei Klopapier stehen die Verbraucher immer mal wieder vor leeren oder knapp bestückten Regalen.

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Fisch und Meeresfrüchte werden ebenfalls knapp. Denn immer mehr Fangflotten beschließen, im Hafen zu bleiben, weil sich die Fischerei bei den hohen Treibstoffpreisen nicht mehr lohne. Auch Mallorcas Fischer befinden sich deswegen im Streik und fordern staatliche Subventionen.

„Die Lage ist prekär“, zitieren spanische Medien den Chef des mallorquinischen Speditionsverbandes, Ezequiel Horrach. Der Fernfahrerboss warnt, dass derzeit wegen des Ausstandes viele Güter nicht vom Festland Richtung Mallorca verschifft werden: „Dies könnte bei einer Fortsetzung des Streiks insbesondere über Ostern zu Versorgungsengpässen auf den Balearen führen.“

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