Corona-Schutz
Ostfriesland: Hürden zur Novavax-Impfung können hoch liegen
Die Klagen über impfunwillige Bürger reißen nicht ab. Dahingegen berichtet eine asthmakranke Frau aus Ostfriesland, dass sie bangen musste, ob sie Novavax erhält. Die Stiko hat die Wahlmöglichkeiten erhöht.
Ostfriesland/Hannover - „Sehr geehrter Herr Lauterbach, frustriert wende ich mich an Sie“, schrieb eine Frau aus dem Landkreis Aurich an den Bundesgesundheitsminister. Sie habe Asthma und „verhalte mich aus Angst vor einer [Corona-]Ansteckung sehr vorsichtig“. Aufgrund einer Medikamenten-Unverträglichkeit dürfe sie keine mRNA-Impfstoffe (Biontech und Moderna) bekommen. Sie habe sich daher mit Astrazeneca impfen lassen. Nach der zweiten Spritze habe sie aber sechs Wochen lang „sehr starke Nebenwirkungen“ gehabt, berichtet sie dem SPD-Minister. Bei einer Blutuntersuchung sei dann festgestellt worden, „dass mein Körper keine Antikörper gebildet hat“. Ob die Immunisierung geklappt hat, ist demnach fraglich.
Das niedersächsische Gesundheitsministerium weist darauf hin, „dass die Immunreaktion auch wesentlich durch die zelluläre Immunabwehr des Körpers bestimmt wird“ – die Antikörper also „keine eindeutige Aussage zum Immunstatus“ zuließen. Aufgrund ihres Asthmas möchte die Frau aus dem Kreis Aurich aber natürlich auf Nummer sicher gehen, dass sie gegen das Corona-Virus geschützt ist. „Nun habe ich sehnsüchtig auf den neuen Impfstoff Novavax gewartet“, schrieb sie dem Gesundheitsminister.
Anfangs unklare Liefer-Termine für Novavax
Vom Auricher Amt für Gesundheitswesen ist ihr Anfang März nur eine kurzfristige Novavax-Impfung, noch am Tag ihrer Anfrage, angeboten worden: „Weitere Möglichkeiten werden in den nächsten Wochen folgen. Die weiteren Termine stehen zum jetzigen Zeitpunkt noch nicht fest.“
„Ich bin sprachlos und fühle mich, mit Verlaub, auf den Arm genommen“, schrieb die Bürgerin dem Minister – angesichts von Berichten, wonach „die Impfungen nicht so angenommen werden“. Sie fragte: „Oder ist Ostfriesland aus der Impfdosenverteilung ausgenommen?“
Die Frau hätte das kurzfristige Impfangebot gerne genutzt. Aber: „Mir ging es nicht gut“, sagte sie unserer Zeitung. Daher habe sie beim Impf-Telefon des Landes angerufen, auf welches das Amt verwiesen habe. Dort sei ihr mitgeteilt worden, dass sie nach zwei Dosen Astrazeneca kein Novavax erhalten könne.
Stiko: Mehr Wahlmöglichkeiten für Impfwillige
Niedersachsens Gesundheitsministerium teilte auf Nachfrage zu diesem Fall mit: „Es bleibt immer eine individuelle Entscheidung des Impfarztes/der Impfärztin, ob er/sie eine Person impft oder nicht.“ Die Ständige Impfkommission habe jedoch erklärt, dass bei „einer Kontraindikation gegen mRNA-Impfstoffe oder bei individuellem Wunsch“ es „nach ärztlicher Aufklärung grundsätzlich möglich“ sei, „bei Erwachsenen für die Optimierung der Grundimmunisierung (zweite Impfstoffdosis) oder für die erste Auffrischimpfung (dritte Impfstoffdosis)“ auch die Impfstoffe von Novavax und Johnson & Johnson zu verwenden. Die Wahlmöglichkeiten nehmen also zu.
Die Landes-Hotline vermittelte die asthmakranke Frau schließlich ins Auricher EEZ. „Bin aber nicht geimpft worden“, teilte sie nach dem Termin mit, „weil der Impfstoff erst morgen da ist“. Nach dem nächsten Versuch kam eine freudige E-Mail: „Es hat geklappt! Ich bin geimpft!!!“ Der Leiter der Einrichtung habe ihr Novavax gegeben – offenbar, nachdem eine Ärztin zuvor nicht wollte. „Weil es ein gutes Ende genommen hat“, bat die Leserin darum, ihren Namen im Bericht nicht zu nennen.