London
Sicherheitslücke: Britischer Verteidigungsminister erhält Anruf von Hochstapler
Am Donnerstag schaffte es offenbar ein Hochstapler an den Hörer des britischen Verteidigungsministers. Die Regierung in London hat einen konkreten Verdacht.
Der britische Verteidigungsminister Ben Wallace ist offenbar Opfer eines Betrügers geworden. Der Minister berichtete am Donnerstag von einem Anrufer, der sich als der Premierminister der Ukraine, Denys Shmyhal, ausgab.
Nachdem Wallace am Donnerstag über den Anruf berichtet hatte, twitterte auch die britische Innenministerin, Priti Patel, ihr sei Anfang der Woche etwas ganz Ähnliches passiert. Es sei der erbärmlicher Versuch gewesen, „uns in solch schwierigen Zeiten zu spalten.“ Sie fügte hinzu, dass man zur Ukraine halte.
Eine Quelle aus dem Verteidigungsministerium gab laut dem „Guardian“ bekannt, Wallace habe auf den Vorfall hin eine sofortige Untersuchung angeordnet, um herauszufinden, wie der Hochstapler mit ihm sprechen konnte. Demnach werfe der Vorfall Sicherheitsfragen auf, zumal Wallace andeutete, dass Russland hinter den Anrufen steckte.
Denn der Verteidigungsminister schrieb auf Twitter weiter: „Keine noch so gute russische Desinformation, Verzerrung und schmutzige Tricks können von Russlands Menschenrechtsverletzungen und der illegalen Invasion in der Ukraine ablenken.“ Der Anruf stelle insofern einen verzweifelten Versuch dar.
Auch die „Frankfurter Allgemeine Zeitung“ berichtet unter Berufung auf den „Daily Telegraph“, in der britischen Regierung vermute man den russischen Geheimdienst hinter der Aktion. Demnach könne das Ziel des Anrufs gewesen sein, sensible Informationen über westliches Vorgehen zu erhalten oder die Anrufe zu Propagandazwecken zu nutzen.
Der Zeitung zufolge handelt es sich bei dem Telefonat um einen Videoanruf. Der Hochstapler soll dabei ausgesehen haben wie der ukrainische Ministerpräsident und einige auffällige Fragen gestellt haben. Demnach wollte der Anrufer zum Beispiel wissen, ob Großbritannien vorhabe, Kriegsschiffe ins Schwarze Meer zu verlegen. Der Verteidigungsminister hätte dann nach einigen Minuten aufgelegt.
Dem „Guardian“ zufolge sind die derzeitigen Fake-Anrufe nicht die ersten sicherheitstechnischen Scharaden britischer Behörden: Im Mai 2018 soll sich der damalige Außenminister Boris Johnson mit einem Anrufer über internationale Beziehungen unterhalten haben, der sich als armenischer Premierminister ausgab.
Noch früher, im Jahr 2015, wurden britische Behörden laut dem Bericht Ziel zweier weiterer Falschanrufe: In einem Fall soll es einem Betrüger, der sich als Chef des britischen Geheimdienstes „GCHQ“ ausgab, gelungen sein, den damaligen Premierminister David Cameron auf dessen Handy zu erreichen. In dem anderen Fall soll sich ein Hochstapler per Anruf beim GCHQ die Handynummer des Geheimdienstleiters ergaunert haben.